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Bahnunfall bei Lüssow Video: „Es gab nur einen dumpfen Knall“

Von Caroline Awe | 04.12.2016, 20:45 Uhr

Am Sonnabendabend wird ein Auto bei Lüssow von einem Zug erfasst – der Fahrer entkommt seiner leichtsinnigen Aktion nur knapp.

Es ist Sonnabend gegen 21.15 Uhr. Die Familien Mauck und Kusche machen es sich vor dem Fernseher gemütlich, schauen eine Castingshow. „Plötzlich hörten wir die laute Hupe eines Zuges, die Vollbremsung“, erinnert sich Gudrun Mauck und fügt hinzu: „Es gab nur einen dumpfen Knall, aber ich wusste sofort, dass es ein Auto erwischt hat.“

Gudrun Mauck kennt das Geräusch. Sie lebt mit Mann Horst, Sohn Thomas, Schwiegertochter Ines Kusche und den Enkeln direkt am Bahnübergang zwischen Parum und Lüssow. „Vor Jahren hat hier mal ein junger Mann Selbstmord begangen. Damals saßen wir auf der Terrasse – es klang ganz ähnlich“, erinnert sie sich.

Doch am Sonnabend war es anders. Ein 58-jähriger Fordfahrer war mit dem Wagen im Gleisbett steckengeblieben, konnte sich selbst in letzter Sekunde befreien. An dem Übergang werden durch die Bahn derzeit Bauarbeiten durchgeführt (SVZ berichtete). Ein Schild und Baken über die gesamte Länge der Fahrbahn deuten auf die Vollsperrung hin. „Das Tückische ist, dass man von weitem nicht sieht, dass hier ein Absatz ist“, sagt Enkelin Mandy Kusche.

Noch am Freitag hätten Unbekannte eine Bake beiseite geräumt. Viele Autofahrer hätten so die nun halbseitige Absperrung umfahren. „Auch der Mann aus dem Ford, dass hat er uns nach dem Unfall erzählt“, sagt Mandy Kusche und das bestätigt nun auch die Polizei. „Was er diesmal nicht wusste war, dass in der Nacht zuvor Fräsarbeiten durchgeführt wurden. Hierdurch blieb er mit dem Fahrzeug im Gleisbett stecken“, informiert die Polizei. Der Mann sei unverzüglich aus dem Fahrzeug ausgestiegen und habe mit einer Taschenlampe versucht den Zugführer zu warnen. Trotz Notbremsung konnte dieser die Kollision nicht verhindern. Der Wagen wurde rund 250 Meter in Fahrtrichtung Bützow mitgeschleift. Der Ford erlitt Totalschaden, auch die Lok wurde erheblich beschädigt. Die 31 Fahrgäste des Zuges blieben unverletzt.

„Der Mann war ganz schön durch den Wind, hat nur über sein Auto gesprochen und das er es gerade hatte auf Gas umrüsten lassen“, sagt Gudrun Mauck, die nicht verstehen kann, warum er sich wegen einem kleinen Umweg einer solchen Gefahr aussetzte. „Und er war nicht der Einzige“, sagt Mandy Kusche. Drei weitere Fahrer hätten es zuvor ebenfalls versucht. „Zwei haben es geschafft, ein Transporter fuhr sich fest, kam aber im Rückwärtsgang von selbst heraus“, ergänzt sie. Auch während unserer Recherchen testeten noch am Sonntag einige Fahrer, ob ein Überqueren der Schienen nicht doch möglich sei. Leichtsinn pur angesichts der Unfallbilder.