Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Güstrower Tafel Situation bei Tafel spitzt sich zu

Von Redaktion svz.de | 29.08.2015, 06:00 Uhr

Wenig Ware und viel mehr Bedürftige bei Güstrower Tafel: Auch Asylbewerber und Flüchtlinge müssen versorgt werden

Radieschen, Pilze und Paprika, Brot, Tomaten oder auch Cornflakes – die Arbeit bei der Güstrower Tafel läuft auf Hochtouren. Doch die Waren, die sie derzeit von Geschäften und Händlern bekommen, reichen bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Denn allein die Zahl der Asylbewerber und Flüchtlinge, die auf die Tafel angewiesen sind, ist enorm gestiegen. Waren es sonst etwa 1200 bis 1300 Menschen, die von der Güstrower Tafel in der Südstadt mit Lebensmitteln versorgt wurden, sind es derzeit mit allen Außenstellen schon etwa 2000.

„Zwei Monate lang haben wir schon gar keine ‚Neuen‘ mehr aufgenommen“, sagt Gabriele Kempke, Vorstandsvorsitzende der Güstrower Tafel. Alle Neuaufgenommenen dürfen nun alle 14 Tage zur Ausgabe kommen. Denn die Mitarbeiter wollen auch niemanden wegschicken. Wenn viel Ware ausgegeben werden kann, sind es etwa 28 Tonnen. Doch im August waren es gerade mal gut 14 Tonnen. „Da bleibt nur eins: Wir können weniger in die Beutel packen“, fügt sie an.

Zu dieser Waren-Problematik kommen weitere Sorgen. „Wir verstehen die Asylbewerber oftmals gar nicht“, erzählt Bärbel Beese, die mittlerweile sieben Jahre bei der Tafel ehrenamtlich aktiv ist. Kaum jemand spricht englisch, schon gar nicht syrisch. Den hilfsbedürftigen Frauen und Männern deutlich zu machen, wie die Anmeldung und die Ausgabe erfolge, sei sehr schwer. „Da hätten wir uns gewünscht, dass jemand von der Stadt auf uns zugekommen wäre und wir vorher gemeinsam eine Lösung gesucht hätten, wie es gehen kann“, sagen die Frauen. Dazu kämen die völlig anderen Essensgepflogenheiten, bedingt durch die Herkunft, aber auch den Glauben.

Die Mitarbeiter hätten bereits überlegt, an einem Tag eine Ausgabe nur für Asylbewerber anzubieten. „Aber das geht auch nicht, weil wir nicht wissen, was und wie viel geliefert wird“, so Gabriele Kempke. Große Schwierigkeiten also, mit denen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter herumschlagen müssen. Wenn dann noch vom gelieferten Obst und Gemüse die Hälfte entsorgt werden muss, weil alles schimmlig und matschig ist, dann sind sie noch mehr frustriert. Froh und dankbar hingegen sind sie über Privatspenden, die jetzt von manchem Kleingärtner kommen. Ob Zucchini, Salat oder Bohnen – so etwas wird gern genommen. Darum wären die Mitarbeiter der Güstrower Tafel froh, wenn sich die Lage bald wieder normalisieren würde.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.