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Güstrow Paten finden das richtige Buch

Von flie | 06.01.2020, 05:00 Uhr

Ehrenamtliche lesen einmal im Monat Kindern in der Uwe Johnson-Bibliothek vor.

Sonnabendmorgen in der Uwe Johnson-Bibliothek: Die Aufsicht steht hinter dem Empfangstresen, zwei Jungen warten in einem Raum auf den Beginn des Vorlesetags. Margrit Ilse Schlack hofft, dass Eltern oder Großeltern noch ein paar mehr Kinder in die Bücherei bringen. Doch das ist nicht der Fall, also setzt sich die 69-jährige Güstrowerin mit Mattis Jabs und Leon Kupsch auf die hölzerne Bank.

Am ersten Vorlesetag des Jahres 2020 soll es um Haustiere gehen. Die ehemalige Krankenschwester hat sechs Bücher zu diesem Thema ausgesucht. „Tiergeschichten kommen bei Kindern gut an“, weiß sie aus Erfahrung. Schließlich sei Mecklenburg ein „Tierland“.

Seit drei Jahren ist Margrit Ilse Schlack Lesepatin in der Bücherei – einmal im Jahr hat sie hier ihren Einsatz. Außerdem ist sie in dieser Rolle auch im Kindergarten Medicus zu finden. Dort bringt sie meist den Vorschulkindern Literatur für die Lese-Anfänger näher.

In der Bücherei wissen die Lesepaten nie, wie viele Kinder zu ihrer Veranstaltung am ersten Sonnabend im Monat kommen. „Wir müssen uns überraschen lassen“, sagt die Rentnerin. Sie wollte sich vor drei Jahren ehrenamtlich engagieren und hat sich beim Bilse-Institut gemeldet, um so Kindern eine Freude bereiten zu können.

„Mir hat das gefallen“, erinnert sie sich an die ersten Erfahrungen zurück.

Höchstens eine Stunde liest sie vor, denn dann können sich die jüngeren Kinder nicht mehr konzentrieren. Nicht ganz einfach ist es, das richtige Buch auszuwählen. Ein Indikator, ob das gelungen ist: Wie gut die Kinder zuhören. Ist es das falsche Buch, weil es den Kleinen nicht zusagt oder die Kinder es schon kennen, kein Problem: Margrit Ilse Schack hat immer einen Plan B – sprich: weitere Bücher dabei. Als erstes wählt sie am Sonnabend „Haustiere“ von Silke Krome aus. Schnell wird klar: Mattis Jabs interessieren vor allem Hunde. Die Vorleserin steigt ein und fragt den Siebenjährigen aus Sarmstorf, ob er denn auch mehrmals am Tag mit dem Hund gehen würde – wenn er selbst einen hätte. Logisch. Er weiß sogar schon, welche Rassen er gut findet: Dalmatiner oder Labrador.

Margrit Ilse Schack greift zum nächsten Buch. „Welches Tier passt denn zu mir?“ von Heike Lebeck gibt Kindern Auskunft unter anderem darüber, welche Tierarten wie gepflegt werden müssen.

Bürsten, duschen, Ohren säubern, Pfoten pflegen, Krallen schneiden: Mattis Jabs spitzt die Ohren. Das bleibt auch so, als es um die Dinge geht, die ein Hundehalter haben muss: Halsband oder Geschirr, Leine, Bürste, Körbchen, Hundehandtuch, Impfausweis, Näpfe für Futter und Wasser, Spielzeug und vieles mehr.

Die Bücher werden immer unwichtiger, es entwickelt sich ein Gespräch. Mattis Jabs ist klar: „Mit 18 Jahren habe ich einen Hund.“ Das steht für ihn fest wie das Amen in der Kirche. Ob Gassi gehen bei Wind und Wetter, Besuche beim Tierarzt oder die Kostenfrage: Der Junge zeigt sich fest entschlossen, dass er einen eigenen Vierbeiner um sich haben will. Am liebsten noch heute. Das umzusetzen gehört aber nicht zu den Aufgaben einer Lesepatin.