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Gerichtsprozess Opfer in Lebensgefahr

Von MLHL | 19.02.2014, 06:00 Uhr

Güstrower wegen versuchten Totschlags angeklagt / Zeugen sagen aus

Die 3. Große Strafkammer des Landgerichtes Rostock setzte gestern die Hauptverhandlung gegen die beiden Güstrower Maik R. (29) und Sven G. (23) wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen (SVZ berichtete) mit Zeugenvernehmungen und dem medizinischen Gutachten fort. Die Angeklagten werden beschuldigt, am 14. August 2013 die Güstrower Christian H. (34) und Frank U. (49) zusammengeschlagen, getreten und anschießend aus einem Fenster in der 2. Etage eines Abrissgebäudes der ehemaligen Güstrower Kleiderwerke fünf Meter in die Tiefe gestoßen zu haben.


Schwer verletzt und nicht ansprechbar

Ein Angestellter des Öffentlichen Dienstes der Stadt Güstrow trat gestern als erster in den Zeugenstand. Er war am 15. August morgens gegen 8 Uhr auf einer Kontrollfahrt in der Nähe der ehemaligen Kleiderwerke unterwegs und musste auf dem Gelände des Kinos wenden. Dabei sah er einen blutüberströmten, leblosen Mann auf einem Podest liegen. Er sei aus dem Fenster gestoßen worden, habe dieser angegeben. Der Zeuge informierte die Polizei. Zusammen hätten sie dann das Abrissgebäude durchsucht und einen zweiten Mann gefunden, der schwerverletzt und nicht mehr ansprechbar war.
„Ob die abkratzen, ist mir egal.“

Laut Zeugenaussagen des Angestellten eines nahe gelegenen Internet-Cafés und einer Fleischverkäuferin sei die Polizei schon in der Nacht über den Vorfall verständigt worden. Der Angeklagte Sven G. sei mit blutverschmierten Händen ins Café gekommen und hätte erzählt, dass er zwei Männer aus dem Fenster geworfen habe. „Ob die abkratzen, ist mir egal“, habe er zu den Cafébesuchern gesagt. Dazu wurde auch der 53-jährige Polizist Bernd M. befragt, der angab, dass sie zwar das Gelände in der Nacht durchsucht, aber niemanden gefunden hätten.

Die Angeklagten hatten die Tat bereits am ersten Verhandlungstag gestanden. Das war die Bedingung für ein Urteil über nicht mehr als neun Jahre Haft. Anderenfalls hätten sie eine Freiheitsstrafe zwischen zehn und 15 Jahren zu erwarten gehabt. In ihrem Geständnis berichteten sie, wie sie ihre Opfer in die zweite Etage schleiften und ohne Mitleid aus dem Fenster stießen. Es scherte sie nicht, dass Frank U. keine Gegenwehr mehr leisten konnte, und auch das krampfhafte Festhalten des Christian H. an dem Fensterbrett, um ein Hinabstürzen zu verhindern, ließ sie kalt. Beide Angeklagten baten Frank U. und Christian H. um Entschuldigung.


Rippen- und Beckenfrakturen

Welch menschliches Leid sie aber den Opfern durch ihre Tat zufügten, machte ihnen gestern die Rechtsmedizinerin der Universität Rostock mit ihrem Gutachten klar. So erlitt Frank U. insgesamt zwölf Knochenbrüche, darunter Rippen- und Beckenfrakturen, einen Nasenbeinbruch, große Wunden am Hinterkopf sowie Einblutungen in die Lunge. Auch Christian H. erlitt schwere Verletzungen, besonders am Kopf und eine besonders schwere Augenverletzung. Die Gutachterin ordnete alle Wunden und Brüche der massiven Gewalteinwirkung durch Faustschläge und Fußtritte sowie dem Sturz aus dem Fenster zu. „Beide Opfer schwebten in akuter Lebensgefahr“, sagte sie. Der Prozess gegen die Güstrower wird am 25. Februar fortgesetzt.