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Güstrower Tafel Immer mehr Bedürftige und immer weniger Ware

Von grie | 24.12.2016, 05:00 Uhr

Güstrower Tafel hat vor Weihnachten zu kämpfen. Mitarbeiter setzen sich unermüdlich für die Ärmsten ein.

Kurz vor Weihnachten herrscht immer viel Stress bei der Güstrower Tafel in der Südstadt. Denn neben der täglichen Ausgabe von Lebensmitteln, sind die 23 ehrenamtlichen Mitarbeiter auch immer bemüht, für die Kinder eine kleine Weihnachtsüberraschung parat zu haben. Schließlich handelt es sich beim Großteil der Bedürftigen um Familien mit Kindern. Doch mit den Weihnachtsgeschenken war es dieses Mal besonders schwer. „Wir haben kaum Süßigkeiten oder anderes für die Weihnachtsbeutel gehabt“, sagt Gabriele Kempke, Vorsitzende der Tafel.

Doch sie und die Mitarbeiter setzten alles in Bewegung, gingen Klinken putzen und warben Sponsoren ein. „Durch eine private Geldspende konnten wir Süßigkeiten kaufen und 55 Beutel rausgeben“, sagt Gabriele Kempke. Hinzu kamen 70 Weihnachtspäckchen von Schülern der Berufsschule Güstrow-Bockhorst und noch einmal 50 vom Logistikunternehmen TNT in Kritzkow. „Sogar eine kleine Weihnachtsfeier für Kinder konnte wir so ausrichten“, freut sich die Tafel-Vorsitzende.

Immer stärker hat die Güstrower Tafel zu kämpfen. „Wir versorgen mittlerweile so viele Bedürftige wie nie zuvor. Gleichzeitig bekommen wir immer weniger Ware“, fasst Gabriele Kempke die prekäre Situation zusammen. Die Hilfsorganisation ist ausschließlich auf Geld- und Sachspenden angewiesen. Ein großer Lebensmitteldiscounter ist kürzlich als Partner der Tafel abgesprungen. „Deshalb sind wir gerade ziemlich abgebrannt. Wenn was reinkommt, geht es am gleichen Tag wieder raus“, sagt Karin Voss. Die 64-jährige Güstrowerin arbeitet seit 17 Jahren ehrenamtlich bei der Tafel. „Wir müssen täglich kämpfen, um für die Dörfer noch genug zusammenzubekommen“, sagt sie. Neben Güstrow versorgt die Tafel auch regelmäßig Bedürftige in Mistorf, Lüssow, Liessow, Lalendorf, Diekhof und Krakow am See.

Pro Woche sind knapp 1800 Personen auf die Hilfe der Tafel angewiesen, nahezu die Hälfte davon Kinder. Die Zahl ist mit dem Flüchtlingszustrom stark angestiegen. 384 Erwachsene und 213 Kinder mit Migrationshintergrund werden mittlerweile von der Tafel allein in Güstrow versorgt, rechnet Gabriele Kempke vor. Die Ausstattung der Tafel mit Lebensmitteln hält mit diesem Anstieg nicht Schritt. Deshalb ist Gabriele Kempke neben Lebensmittelspenden auch für Geldspenden dankbar. „Damit gehe ich dann für die Bedürftigen einkaufen“, sagt sie. Die derzeitige Situation ist für alle Mitarbeiter der Tafel frustrierend. Aber keiner von ihnen gibt auf. „Ohne was zu essen geht hier keiner weg, wenn er bedürftig ist“, unterstreicht Gabriele Kempke.