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Güstrow Im Sommer Umzug ins neue Atelier im Krönchenhagen

Von Christian Menzel | 25.03.2012, 06:08 Uhr

Der Weg zu Familie Spitzer im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses führt über eine Treppe, die von Plastiken gesäumt ist.

In Gruppen stehen Arbeiten des Bildhauers, Zeichners und Malers Henning Spitzer auf den Treppenabsätzen. Vor zwei Jahren kam die Familie von Rostock nach Güstrow. In der Hansestadt hatte sie kein geeignetes Objekt gefunden, dass der Familie Wohnung und dem Künstler Atelier hätte sein können und obendrein den Geldbeutel nicht zu sehr strapazierte. "Der Umzug erwies sich als Glück, vor allem für die Kinder. Fünf Minuten ohne Stress und wir sind im Grünen. In Rostock hätte das nicht geklappt", räumt Spitzer ein und fügt an: "Wir vermissen hier nichts, außer den Freunden, aber die besuchen uns." Zum Arbeiten und Leben - Güstrow ist für Spitzers lebenswert.

Die Spitzers haben zwei Kinder: Holli Marie und Piet Henning. Mitte Mai wird ein weiteres Mädchen erwartet. Dann wird der Künstler sein Arbeitszimmer in der Wohnung aufgeben und sein Atelier im Erdgeschoss des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses im Krönchenhagen einrichten. "Das wird eine neue Erfahrung für mich: Nicht mehr zu Hause inmitten der Familie arbeiten, sondern praktisch täglich zur Arbeit gehen", sagt er.

Henning Spitzer ist Künstler mit Leib und Seele, der seiner Spontanität vertraut. Seine Kunst entspringt weniger einer konzeptionellen Vorbereitung, als vielmehr dem Temperament des Herzens. Das macht den Schaffensprozess nicht leichter, öffnet zuweilen dem Selbstzweifel Tür und Tor. Michael Mohns, Thomas Jastram und sein enger Freund Jürgen Weber haben ihn zur Plastik verführt, damals im Rostocker Kunstschule-Verein. Seitdem versucht der 41-Jährige seine Sicht der Modelle in figürliche Plastik umzusetzen. Gips, Ton und Wachs sind seine bevorzugten Materialien, obwohl alle ihren Makel haben. Der eine Werkstoff härtet schnell, der andere verlangt nach Feuchtigkeit, der dritte muss vor Hitze geschützt werden.

Von einem besonders gelungenen Stück leistet sich der Bildhauer auch schon mal einen Bronzeguss. Gelegentlich arbeitet Spitzer mit Freunden zusammen, aber meist ist sein Tun ein einsames Ringen, bei dem Hochgefühl und Niedergeschlagenheit oft nur Stunden voneinander entfernt wohnen.

Als Künstler ist Spitzer in Güstrow angekommen. Er sieht die Vielfalt des Kulturangebots und er trägt selbst dazu bei. Wie durch Kurse, die er in der Kunstschule oder der Volkshochschule gibt. Mit seiner Frau Anja singt er in der Güstrower Domkantorei. Ein Kursus oder ein Zirkel für argentinischen Tango fehlt ihm in Güstrow, da fahren beide hin und wieder nach Rostock. Auch aus Nostalgiegründen. "Dabei haben wir uns kennen gelernt", sagt er.

Im Sommer, wenn der Nachwuchs da ist, will Spitzer sein Atelier im Krönchenhagen beziehen. Zur Kunstnacht am 2. Oktober hofft er, dort viele Gäste begrüßen zu können.

Umfrage-Ergebnisse:

Kulturelles Angebot: Meinung der SVZ-Leser gespalten

Beim kulturellen Angebot in der Barlachstadt Güstrow ist die Meinung unserer Leser in der großen Lebenswert-Umfrage unserer Zeitung gespalten. 49 Prozent der Befragten bewerten das Kulturangebot mit den Noten eins bis drei (Note 1: neun Prozent, Note 2: 19, Note 3: 21), 45 Prozent verteilen die Noten vier bis sechs ( Note 4: 15 Prozent, Note 5: 14, Note 6: 16). Obwohl sich Güstrow als Kulturstadt im Herzen Mecklenburgs versteht und landesweit präsentiert, ist die Meinung unserer Leser hier also nicht eindeutig. Die kulturelle Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren bewerten 45 Prozent als positiv, 47 Prozent sehen eher einen negativen Trend.


Bemängelt wird in den Meinungsäußerungen unter anderem, dass es zu wenige Angebote für junge Leute , wie z. B. Rockkonzerte, gebe. Auch das Ernst-Barlach-Theater sei außerhalb von Schulveranstaltungen eher kein Anlaufpunkt für die Jugend. Dass das Theater dennoch sehr wichtig für den Kulturstandort Güstrow ist, kommt ebenfalls in vielen Äußerungen zum Ausdruck. Viele fordern, dass die ständigen Diskussionen über den Fortbestand und die Finanzierung des Theaters aufhören sollten und hoffen, dass das Haus erhalten bleibt. Oft wird das vielseitige Angebot des Barlachtheaters gelobt, vor allem die regelmäßigen Konzerte der Neubrandenburger Philharmonie seien hervorragend. Hervorgehoben werden zudem die zahlreichen und hochwertigen Konzerte in den Güstrower Kirchen. Beliebt sind bei zahlreichen Lesern offenbar auch Tanzveranstaltungen. Davon sollte es mehr geben, heißt es wiederholt.


Deutlich wird in den Meinungsäußerungen auch, dass der Großteil der Menschen aus den Umlandgemeinden, Güstrow als kulturelles Zentrum betrachtet und die Veranstaltungen in der Barlachstadt gut annimmt. Das Angebot sei vielfältig für alle Altersgruppen, schreibt ein Leser. Und ein anderer: „Das Angebot ist natürlich nicht zu vergleichen mit Hamburg oder Berlin, aber für eine Kleinstadt in Ordnung.“