Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Boldebuck Grundstück droht abzusaufen

Von Eckhard Rosentreter | 15.12.2017, 21:00 Uhr

Ehepaar in Not: Wasser aus Nachbarsteich drückt bis an ihr Haus. Und keiner fühlt sich zuständig.

Nicht Holland in Not, sondern das Ehepaar Michael in Boldebuck. Das Wasser, das seit Wochen und eigentlich das ganze Jahr schon übermäßig von oben kommt, läuft vor ihrem Grundstück nicht mehr weg. Es kommt aus einem Teich auf dem benachbarten Grundstück des früheren Gutes. Der Teich ist gut 50 Meter von der Grundstücksgrenze entfernt – eigentlich.

Seit Freitag reicht der Teich bis ans Haus der Michaels heran, hat die unversiegelte Zufahrt zum Grundstück und den Hühnerhof bereits komplett geflutet, die Garage droht abzusaufen. „Den Keller müssen wir schon seit Tagen auspumpen“, klagt Heidrun Michael. Die 62-Jährige, arbeitslos und kurz vor der Rente stehend, musste schon dem Pflegedienst Gummistiefel reichen, damit ihr Mann fachgerecht betreut werden kann. Gerhard Michael, seit einer Beinamputation vor einigen Jahren invalidisiert, muss außerdem regelmäßig zur Dialyse. „Ich weiß gar nicht mehr, wie ich ihn trocken ins Auto bekomme. Und der Pflegedienst ist diese Woche sogar schon mal stecken geblieben“, erzählt Heidrun Michael.

Seit 39 Jahren wohnten sie nun schon in der Doppelhaushälfte. Sie, früher bei der Gülzower Saatzucht beschäftigt, und er, der einst im Volkseigenen Gut (VEG) gearbeitet hatte, konnten nach der Wende das bescheidene Häuschen vom Gut erwerben. Damals sei der Teich nie übergelaufen. Sogar für die benachbarte Wiese, die niemand benötigt und die sie gegen regelmäßige Pflege mit nutzen durften, bleibt den Michaels jetzt nur noch der Pflegeaspekt. Das Brett einer Kinderschaukel schwebt haarscharf über dem Wiesenwasser, eine kleine Jolle haben die Michaels schon an einem Zaunpfahl „angelegt“. „Das dauert nicht mehr lange, dann stelle ich mir ein Schild an die Straße: ,Hier Wiesenrundfahrt!’“, übt sich Gerhard Michael in Sarkasmus. Und die zwei großen Weiden, befürchtet Heidrun Michael, könnten in dem immer sumpfiger werdenden Boden womöglich den Halt verlieren und umstürzen.

Für die Michaels ist guter Rat teuer. Sie selbst wären irgendwie auch mit verantwortlich, sich zu kümmern, meint Philipp Rathjen, der Betriebsleiter für die IG Saatzucht, die seit einigen Jahren das Gut bewirtschaftet. Nur scheint es mit der Findung von Ursache und Zuständigkeit nicht so einfach zu sein. Beim Wasser- und Bodenverband hätten sie schon nachgefragt, bei der Unteren Wasserbehörde, beim Bürgermeister… Niemand fühle sich zuständig, klagen die Boldebucker

Abhilfe in der nächsten Woche?

Doch das Wasser, das von oben reinläuft in den Teich – der wohl einen befestigten Untergrund hat und früher Pferden als Tränke und zur Reinigung gedient hatte – muss ja irgendwie und irgendwo wieder ablaufen (können). Tut es aber nicht. Philipp Rathjen habe selbst einmal versucht, das Abflussrohr zu spülen. „Nach zwei Metern kommt man nicht weiter. Da ist wohl die Ortsentwässerung kaputt“, schildert der Landwirt aus Klein Upahl seinen Eindruck aus eigener Ursachenforschung. Die Leitungen wurden in den 1990er-Jahren erneuert. Schon damals gab es damit Ärger, erinnert sich Gerhard Michael.

An der Stelle jedoch endeten Zuständigkeit und Möglichkeiten des Gutes, sagt Rathjen. „Das tut mir aber in der Seele weh, wenn ich die armen Leute dort so sehe“, bedauert der Landwirt – und begab sich weiter auf Ursachenforsche. Gestern Vormittag sei er mit der Hilfe von Eurawasser auf entscheidende Hinweise gestoßen. Beim gemeinsamem Studium der Flurkarte habe sich herausgestellt: Der Grund und Boden, über den die Entwässerung verläuft, soll dem Landkreis gehören.

Der Landkreis sah sich gestern Mittag von der SVZ mit der Anfrage konfrontiert und wohl auch überrascht. Erst am Montag könnten die Zuständigkeiten geklärt werden, sagte eine Sprecherin. Den Michaels bleibt bis dahin erst mal nur die Hoffnung auf „Gutes von oben“ – also möglichst gar nichts. Dass sich auch nächste Woche keine Zuständigkeit – und schnellste Abhilfe (!) – finden würde, möchte Philipp Rathjen nicht glauben. Heidrun Michaels: „Das ist doch kein Niemandsland!“