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Kolumne zu Weihnachten Gottes Gnade zu Weihnachten

Von Redaktion svz.de | 23.12.2016, 21:00 Uhr

Gastkolumne vom Güstrower Pastor Dr. Mitchell Grell zum Weihnachtsfest.

Ach, das gute alte Weihnachtsfest! Wie gerne tauchen wir die Erinnerungen in Gold, wenn das Weihnachtsfest naht! Ob das Weihnachtsfest wirklich mal so goldig war?! Dennoch teilen sehr viele Menschen in dieser Zeit die Sehnsucht: „Ach, wenn ich nur solch ein Weihnachten wieder erleben könnte wie damals!“

Ich hoffe, dass diese Sehnsucht bei möglichst vielen von Ihnen gestillt wird, und ich hoffe auch, dass die Gottesdienste in den Kirchen Güstrows am Heiligabend und an den beiden hohen Festtagen dazu beitragen. Gleichzeitig weiß ich, dass unzählige Menschen von solch einem Weihnachtsfest nicht zu träumen wagen, und zwar, weil es wehtut. Sie sind nämlich einsam. Ich sehe vor mir Menschen, die im Krankenhaus liegen – wer von ihnen hätte so etwas gedacht?! Heimbewohner sehe ich vor mir. Deren schönste Weihnachten sind schon längst vergangen.

Da sind auch die Trauernden: Menschen, die auch inmitten einer Gruppe wohlwollender Menschen dennoch einsam sind, weil sie um eine bestimmte Person trauern; oder Menschen, die um eine Familie trauern, die es nicht mehr gibt wie früher. Hinzu kommen Menschen, die nicht dort sind, wo sie gerne wären, weil sie arbeiten müssen, oder aus anderen Gründen nicht zu ihren Lieben kommen. Wie Zaungäste schauen sie auf die anderen. Sie gehören nicht – oder nicht mehr! – dazu, und das tut weh – gerade zu Weihnachten.

Aber ich hege eine bestimmte Hoffnung, wenn ich an die alte Weihnachtsgeschichte denke. Ich hoffe nämlich, dass gerade solche einsamen Menschen die ureigene Bedeutung von Weihnachten erleben werden. So etwas gibt es, und solch ein Weihnachten kann besonders schön sein! Unter widrigen Umständen haben Maria und Joseph die Nähe Gottes erfahren. Vielleicht muss man erst den Mangel kennen lernen, ehe man Gottes Gnade wahrnimmt. In jener ersten Weihnacht geschah auch nicht das, was die Betreffenden erwartet haben, sondern das Unerwartete. Manchmal schickt Gott uns auf einen ungewohnten Weg, den wir uns selbst nicht ausgesucht hätten, und wir entdecken im Nachhinein, dass dieser für uns genau der richtige Weg gewesen ist.

Auch die ersten „Gäste“ der heiligen Familie waren keine, die Maria und Joseph eingeladen haben, keine Verwandtschaft und auch keine Wahlverwandtschaft. Es waren Hirten von den Feldern außerhalb der Stadt, Menschen ohne Bleiberecht und ohne Ansehen. Gott ließ Menschen vom Rande in die Mitte holen. Eine zusammengewürfelte Gruppe von „Obdachlosen“ fanden sich in einem Stallgebäude zusammen. Und sie fanden sich, kamen sich nahe, und zusammen fanden sie Gott in ihrer Mitte. So sollte es wohl sein. Auch das war eine Erfahrung mit Gottes Gnade. Und diese Gnade Gottes mögen Sie alle – auf die eine oder andere Weise – in dieser Weihnachtszeit neu erfahren. Mit besten Wünschen für ein gesegnetes Weihnachtsfest!