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Rostock Frischekur für einmaligen Konzertsaal

Von Maria Pistor | 24.02.2010, 01:57 Uhr

Der Barocksaal ist eingerüstet.

Christian Oster, Dirk Heisermann und andere Kollegen der Firma Gerüst-bautechnik Rostock haben Etage um Etage des markanten Bauwerks mit einer stabilen Stahlkonstruktion versehen. Die umfassende Sanierung soll noch in dieser Woche starten. "Dank der Mittel aus dem Konjunkturpaket II können wir beginnen", sagt Sigrid Hecht, Chefin des Eigenbetriebes Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Hansestadt (KOE). "Um eine langfristige Bespielbarkeit des Barocksaals zu sichern, müssen die erheblichen baulichen Schäden behoben werden", sagt Hecht. Architekt für das Vorhaben ist Christian Blauel vom Rostocker Büro Matrix.

Die Erneuerung betrifft neben der

desolaten Gebäudehülle auch Dach, Fassade, Fenster, Balkon und die Säulendurchfahrt zum Universitätsplatz. Das Kellergeschoss muss dringend trocken gelegt werden. "Der aktuelle Bauzustand des Barocksaals ist mit immensen Betriebskosten verbunden. Außerdem schränkt die Lärmbelastung von außen den Veranstaltungsbetrieb ein", sagt Hecht. Eine Finanzspritze von mehr als 1,3 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II mit dem Schwerpunkt "Infrastruktur" soll nun helfen, die städtische Perle vor dem Verfall zu retten. Hinzu kommen Eigenmittel der Stadt - das Gesamtvolumen der Sanierung beträgt 1,8 Millionen Euro.

Das Vorhaben ist in zwei Bauabschnitte gegliedert. Der erste hat den Schwerpunkt energetische Sanierung. Außerdem fällt in diesen Bereich die Grund instandsetzung. Elf große Punkte hat KOE-Bauleiter Heiko Voss auf seinem Zettel stehen. Darunter finden sich die Sanierung der Außenhülle und der Balkone, die Erneuerung der Lüftungsanlage, Türen, Eingangstreppen sowie Dachdeckung und -konstruktion.

Schäden am Dach haben im Inneren schon zu erheblichen Beschädigungen der Wand- und Deckengestaltung geführt. Nun wird das Dach abgedeckt und die gesamte Konstruktion saniert. Dazu zählt das Bürsten der Holzbalken, die durch Holzschutzmittel teilweise kontaminiert sind. Verbesserungen im Brandschutz stehen in beiden Abschnitten an.

Wärmedämmung auf der Decke über dem Barocksaal ist eine weitere Aufgabe. Im Obergeschoss werden neue Fenster eingebaut, im unteren Bereich werden sie teilweise aufgearbeitet. Damit sollte der alljährliche Konflikt zwischen dem Betreiber des Weihnachtsmarkts und den Veranstaltern klassischer Konzerte beigelegt sein.

Der zweite Bauabschnitt konzentriert sich auf das Erdgeschoss. Hier stehen Abbrucharbeiten an, denn die Räume sollen anders gegliedert werden. Außerdem werden Abdichtungen und Fuß bodenaufbauten im Kellergeschoss erneuert. Darunter fallen die Bereiche Heizung und Lüftung. Der zweite Abschnitt kostet insgesamt 233 000 Euro und wird mit Eigenmitteln der Stadt

finanziert.

Beim Bau gibt es etliche Erschwernisse zu berücksichtigen. "Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, alle Maßnahmen müssen mit dem entsprechenden Amt abgestimmt werden", sagt Hecht. Das wirkt sich auf den Einbau der Lüftungsanlage aus, weil der Innenbereich für die Führung dieser Anlage unter Denkmalschutz steht. "Es sind hier sensible Lösungen gefragt", so die KOE-Chefin. Die Anordnung der Lüftungsanlage muss möglichst unauffällig erfolgen. Dafür ist der Einbau tragender Stahlrahmen für die neue Lüftungsanlage im Dach nötig.

Es ist nicht auszuschließen, dass bei den Schachtungsarbeiten auf Relikte aus früheren Zeiten gestoßen wird. Erschwerend ist weiterhin, dass die gesamte Materiallieferung über das Gerüst erfolgen muss. Der Zugang über das Palais ist nicht geeignet.

Die Leiterin des Eigenbetriebs setzt auf das Verständnis von Anwohnern und Passanten für diese Baumaßnahme, die sich voraussichtlich über das ganze Jahr hinziehen wird. "Es wird laut, es wird stören und es bringt Dreck mit sich", sagt sie. Aber danach hat Rostock wieder einen Konzertsaal, wie es ihn in Norddeutschland kein zweites Mal gibt.

Ob im Barocksaal wieder ein Café einziehen wird, ist noch offen. Das einstige Stadtcafé war ein beliebter Treffpunkt für Liebespaare und Intellektuelle. "Diese Fläche ist noch nicht ausgeschrieben", sagt Hecht. Das erfolge "zu gegebener Zeit".