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Azubi-Serie Feinmotorik, Physik und Lust zur Augenoptik

Von Janine Beyer | 12.12.2016, 21:00 Uhr

SVZ-Serie „Unsere Azubis“: Elisabeth Kormann ist im zweiten Lehrjahr zur Augenoptikerin beim Güstrower Optiker Fichtner.

Mit sieben Jahren zog Elisabeth Kormann mit ihrer Familie aus dem russischen Marx an der Wolga nach Güstrow. Acht Jahre später ging die Familie berufsbedingt nach Bayern. Elisabeth Kormann kehrte nach zwei Jahren zurück in den Norden. „Die Mentalität und die Landschaft gefallen mir hier besser“, sagt sie verbunden. Erst bewarb sie sich in Rostock, fand dort aber keinen Ausbildungsbetrieb. Als Überbrückung entschied sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Diakonie in Güstrow, wurde jedoch im letzten Moment von einer Bekannten auf die freie Stelle bei Optik Fichtner aufmerksam gemacht. Elisabeth Kormann schrieb eine Bewerbung und brachte diese persönlich im Geschäft vorbei. Ein erster Pluspunkt, urteilt Chefin Jana Fichtner. „Manche kommen mit ihren Eltern und bringen kein Wort heraus. Aber gerade auf Selbstständigkeit legen wir großen Wert“, so die Augenoptikermeisterin.

Ein meist zweiwöchiges Praktikum ist Voraussetzung, um bei Optik Fichtner eine Ausbildung beginnen zu können. „Wichtig sind uns der Umgang mit den Kunden und handwerkliches Geschick“, so Jana Fichtner. „Es können zwar Hilfsmittel wie Schablonen verwendet werden, aber trotzdem braucht es eine ruhige Hand und Feinmotorik, um ordentlich ausschneiden und schleifen zu können. Wer sich in der Praxis bewährt, kann damit schlechte Schulnoten ausgleichen.“

Seit 1946 existiert das Familienunternehmen Fichtner, mittlerweile in der dritten Generation, und in jedem Jahr wurde ausgebildet. Mit Elisabeth Kormann passte es auf Anhieb. Obwohl zwei Wochen zu spät, meldete der Betrieb sie noch schnell an. Am nächsten Tag ging es schon zur Berufsschule.

Was der Kunde vom Gang zum Augenoptiker kennt, nämlich herauszufinden, welche Brillengläserstärke er braucht, ist Aufgabe des Optikermeisters. Als Auszubildende im zweiten Lehrjahr lernt Elisabeth Kormann erst einmal die Grundlagen wie Gläser schleifen, Brillen reparieren und Kundenwünsche entgegennehmen. Eine Weiterbildung zur Meisterin macht sie von ihren Berufsschulnoten abhängig. Besonders wichtig seien ein Verständnis für Mathe, Physik und Anatomie. Ein dekoratives Werkstück nach eigenem Design fertigt sie zurzeit an. „Diese Aufgabe hat sie sich selbst gestellt. Und sie macht es mit sehr viel Liebe zum Detail“, erzählt Jana Fichtner.

Zeichnen können helfe zwar bei dem Beruf, erzählt Elisabeth Kormann. „Aber vor allem sollte man einen offenen Charakter haben“, rät die Auszubildende allen, die sich für den Beruf des Augenoptikers interessieren.