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Güstrower Anzeiger Die Gefahr schlittert mit

Von grie | 29.01.2019, 19:45 Uhr

Kein grünes Licht der Behörden: Bei Minusgraden frieren Flüsse und Seen zu, doch das Betreten erfolgt stets auf eigenes Risiko

Knackige Temperaturen, Autos müssen freigekratzt werden, Schal und Mütze nicht wegzudenken. In dieser gedanklichen Aufzählung könnten als nächstes auch gefrorene Seen kommen, die mit Schlittschuhen geentert werden. Doch ab wann darf man eigentlich aufs Eis? Erteilt einem zum Betreten jemand die Erlaubnis? Ein Marathon am Telefon gibt Auskunft darüber: Keiner sagt: „Jetzt darfst du aufs Eis!“

Ein Anruf bei Polizeihauptkommissar Lutz Schlösser von der Beratungsstelle in Rostock, die auch für den Landkreis zuständig ist. Nein, das falle nicht in die Zuständigkeit dieser Stelle. Antwort könne man eventuell bei der Wasserschutzpolizei erhalten. Robert Stahlberg, Pressesprecher der Wasserschutzpolizei MV, könne keine Angaben dazu machen, ab wann man Eisflächen betreten dürfe. „Wir raten grundsätzlich davon ab“, sagt er. Auch Polizeisprecher Gert Frahm von der Inspektion in Güstrow hält sich bedeckt.

Auch die Ordnungsämter halten sich mit Aussagen, ab wann man aufs Eis darf, zurück. So etwas habe es in den 30 Jahren nicht gegeben, in denen er beim Bützower Ordnungsamt ist, erklärt Klaus Rambow. Man könne nur immer wieder appellieren. Auch die Stadt Güstrow macht sowas nicht. Zwar ist bei tiefen Temperaturen der Inselsee stets mit Schlittschuhläufern überrannt, die würden das Eis aber auf eigene Verantwortung betreten, heißt es aus dem Rathaus. Ebenso erteilt der Landkreis kein grünes Licht für das Betreten von Eisflächen.

Alle haben gemeinsam, dass sie nicht zuständig sind oder haftbar gemacht werden wollen, sollte es zu einem Unglück kommen. Das gilt auch für die Feuerwehren. „Wir halten uns bedeckt“, sagt Schwaans Amtswehrführer Thomas Kulow-Krehl. Denn: „Wenn 15 Zentimeter Eis sind und trotzdem bricht jemand ein, dann heißt es ,die Feuerwehr hat doch gesagt’.“ Am besten betrete man überhaupt keine gefrorenen Gewässer, denn man wisse nie, ob darunter nicht warme Stellen sind. Ein weiteres Argument: „Eine Eisrettung bringt auch die eigenen Leute in Gefahr“, sagt der Feuerwehrmann.

Für den Fall der Fälle wappnen sich die Kameraden in der Barlachstadt. Die Eisrettung sei Thema einer Ausbildung, erklärt Wehrführer Markus Paschen. Die Wehr verfüge über einen Eisrettungsanzug. Damit kann der Kamerad bis zur Unglücksstelle gehen und sollte er einbrechen, sorge der Anzug für Auftrieb. Auch Markus Paschen kann und will keine Empfehlung oder Faustregel abgeben, ab wann Eis dick genug ist. Niemand kenne den strukturellen Aufbau des Eises an allen Stellen. Am besten wüssten das die Angler.

Wenn einem niemand grünes Licht gibt, muss man es selbst entscheiden – auf eigene Verantwortung. Gesunder Menschenverstand ist gefragt. Die Eisschicht nach einem Tag mit 2 Grad Minus wird kaum genügen, um einen Menschen tragen zu können.

So etwas lernen bereits Kinder. Die Gefahren seien Bestandteil der regelmäßigen Belehrungen, erklärt Roswitha Schlesiger, Schulleiterin der Lüssower Grundschule. Es sei Bestandteil der Jahresbelehrungen, werde aber auch immer wieder witterungsabhängig aktuell thematisiert. Und bei den Drittklässlern seien „Gefahren auf dem Eis“ aktuell sogar Thema im Sachunterricht. Auch an der Grundschule am Schlossplatz in Bützow werden diese Belehrungen durchgeführt, erklärt Schulleiterin Silke Beuster. Ob nun Frost oder Hitze, regelmäßig werden den Kindern die Gefahren vor Augen geführt.