Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

20 Fragen an… Der Vorgänger von Joachim Gauck

Von Eckhard Rosentreter | 08.08.2015, 06:00 Uhr

… an der Lüssower Kirche war Folker Hachtmann / Wir stellten dem Dompastor i.R. unsere 20 Fragen

Seinen 82. Geburtstag beging Folker Hachtmann gestern scheinbar topfit. Sein Leben lang ist der Güstrower seit drei Jahrzehnten, aufgewachsen in einem bewusst christlichen Elternhaus, mit der Kirche verbunden. In Berlin-Schmargendorf geboren, führte der Beruf des Vaters, ein studierter Landwirt und nach 1945 Präses der Synode der evangelisch-lutherischen Landeskirche, die Familie nach Mecklenburg. Nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium Schwerin 1952 studierte Folker Hachtmann Theologie in Rostock und Leipzig. Einen Teil seines Vikariats absolvierte er bei dem bekannten Bützower Pastor Arndt, bei dessen Beisetzung vor zwei Jahren Hachtmann die Andacht hielt. 1957 wurde Hachtmann als Pastor ordiniert und trat seine erste Stelle in Lüssow an. Nach Stationen in Wittenburg und Kühlungsborn wurde 1986 der Dom zu Güstrow letzte Dienststelle. Seit 1998 ist Pastor Hachtmann, der sich aus familiärer Tradition intensiv mit der Geschichte der Juden beschäftigt, im Ruhestand. Zur Familie gehören fünf Kinder, 16 Enkel und acht Urenkel.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
In meiner Wohnung, hier habe ich einen Blick auf die beiden großen Kirchen in der Stadt.
Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?
Bei den ja häufigen Festlichkeiten auf dem Markt für Ruhe bis spätestens Mitternacht sorgen. Für die Bewohner der Altstadt ist das jetzt eine Zumutung.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Zuhause.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Bei der Rostocker Straßenbahn mit Hilfsdiensten beim Rangieren, wie das Wechseln der Linienbeschilderung oder Reiningsarbeiten.
Wofür haben Sie es ausgegeben?
Für ein Radio.
Was würden Sie gerne können?
So singen, dass es sich auch in einen Chor einfügen könnte.
Was stört Sie an anderen?
Liederlichkeit und Unachtsamkeit in der Öffentlichkeit.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Zum 80. Geburtstag meiner Frau brachte meine Enkelin einen Teil ihrer unendlich vielen Plüschschafe im Puppenwagen mit. Die Nachbarin, berichtete sie, werde die Zurückgebliebenen füttern.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Das ist jetzt 40 Jahre her: Ich hatte meinem damals zehnjährigen Sohn eine Kopfnuss verpasst. Das trage ich immer noch so in mir.
Wer ist Ihr persönlicher Held und warum?
Der Sowjetoffizier Stanislaw Petrow, der 1983 nicht auf den Atomraketenknopf gedrückt hat.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Mehrere: „Warum die Deutsche? Warum die Juden?“ von Götz Aly, Heinrich Rathke „Wohin sollen wir gehen?“ über die Kämpfe der Kirche mit dem Staat DDR und Dorothee Sölles „Mystik des Todes“.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Das Nordmagazin und die Tagesschau.
Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?
Wenn, dann beim Fußball – aber selten.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Meinen Nachfolger als Pastor in Lüssow, den heutigen Bundespräsidenten Joachim Gauck.
Wenn Sie kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Ich kann nicht kochen.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Mit dem Weihnachtslied „Fröhlich soll mein Herze springen…“.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Unsere Tochter schenkte uns eine Autotasche für alle Papiere, Schlüssel etc. Die begleitet uns seit 15 Jahren.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Eine Schiffsreise auf der Donau oder auf Rhein und Main.
Wie gestalten Sie ihre Freizeit als Rentner?
Mit Lesen, Familienbesuchen in ganz Deutschland und bei Freunden im Ort – und jeden Tag mit meiner Frau zusammen.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Klaus Weckwerth, der viele Jahre den Wichernhof in Dehmen geleitet hat.