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Kreisverwaltung unter Druck Dem Landkreis Rostock gehen die Mitarbeiter aus

Von GRIE | 09.12.2016, 06:00 Uhr

Perspektivisch zu wenige Mitarbeiter in Kreisverwaltung. Erstmals soll es ein Personalentwicklungskonzept geben. Befristete Beschäftigte haben gute Übernahmechancen.

Personalengpässe im Landkreis Rostock. Landrat Sebastian Constien (SPD) schlug jetzt auf der Kreistagssitzung Alarm und bezeichnete die Personalpolitik als ein „Kernanliegen der Kreisverwaltung im kommenden Jahr“. Trotz der aktuell 1135 Mitarbeiter in der Verwaltung des Großkreises und trotz der Neueinstellungen seit September 2015 aufgrund der Flüchtlingskrise steuere man in unmittelbarer Zukunft auf einen Personalengpass zu. „Der Wettbewerb um Arbeitskräfte ist spürbar härter geworden“, stellt der Landrat fest.

Laut Constien stehe die Personalpolitik der Kreisverwaltung vor drei großen Herausforderungen: So ist erstens die Zahl der Bewerber auf Stellenausschreibungen beim Landkreis in den vergangenen Jahren beständig gesunken. „2014 hatten wir im Durchschnitt noch elf Bewerber auf eine ausgeschriebene Stelle. 2015 waren es noch neun. Im laufenden Jahr sind es lediglich sieben Bewerber“, so der Landrat. Zweitens komme hinzu, dass 120 Mitarbeiter in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand gehen würden. Außerdem sei drittens die Zahl der Krankheitstage auf durchschnittlich 26 pro Jahr und Mitarbeiter gestiegen. Ein Teil davon sei zudem auf Langzeiterkrankungen zurückzuführen.

Offensiv will der Landkreis den sich anbahnenden Personalengpass angehen. Deshalb wird gerade erstmals unter Federführung des Dezernenten für Inneres und Ordnung, Stephan Meyer, ein Personalentwicklungskonzept erarbeitet. „Wir brauchen mindestens so viele neue Mitarbeiter, wie uns in den kommenden Jahren verlassen“, sagt Meyer mit Blick auf die 120 Mitarbeiter, die in den Ruhestand gehen. „Und das wird schon schwierig. Wir haben großen Personalersetzungsbedarf.“

Das neue Personalentwicklungskonzept umfasse Führungs- und Arbeitskultur ebenso wie Perspektiven für Qualifizierung und Karriere. „Den Wissens- und Erfahrungsschatz der älteren Kollegen wollen wir für jüngere und neue Mitarbeiter sichern. Denn unsere Verwaltung ist in den zurückliegenden fünf Jahren bereits deutlich jünger geworden. Der Altersdurchschnitt ist seit 2011 von rund 52 auf 47 Jahre gesunken“, unterstreicht Constien. Er hob die bisherige Erfolgsquote der Ausbildung im Landkreis hervor. So seien in den vergangenen drei Jahren fast alle Auszubildenden mit einem Arbeitsvertrag ausgestattet worden. „Das sind im Schnitt zehn junge Menschen, denen der Landkreis als Arbeitgeber eine Perspektive bietet.“

Das Personalentwicklungskonzept solle aber auch denjenigen, die durch Krankheit lange gefehlt haben, Unterstützung bieten. Ein betriebliches Eingliederungsmanagement sei dafür unabdingbar und werde entwickelt. Das könne auch dabei helfen, die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage in der Kreisverwaltung zu senken, ist Constien überzeugt.

Doch dem Landrat ist bewusst, dass allein mit diesen Maßnahmen der Stellenbedarf nicht vollständig gedeckt werden kann. „Wir werden daher die befristet Beschäftigten in ihrer Entwicklung genau beobachten und fördern. Mit dem Nachtragsstellenplan 2016 haben wir für diese Strategie die Grundlage geschaffen“, sagt Constien. Im Fachdienst für Integration und Unterbringung sowie in der Ausländerbehörde waren zuletzt mehr als 70 Stellen neu geschaffen worden. Die Hälfte davon befristet. Zurzeit sind in der Kreisverwaltung noch 35 befristet Beschäftigte tätig. Engagement und Leistungsbereitschaft vorausgesetzt, müssten sich die befristet Beschäftigten keine Sorgen um eine Weiterbeschäftigung beim Landkreis machen, so Constien.