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Freie Schule Güstrow Bunte Kissen für schwere Stunden

Von Janine Beyer | 16.12.2016, 21:00 Uhr

Schülerinnen der Freien Schule Güstrow nähen Glückskissen für Krebspatienten in der Universitätsklinik Rostock.

Diagnose Krebs. Ein Schock für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Ist eine Heilung möglich? Was passiert, wenn nicht? Dass sie die Schwerkranken nicht vergessen und mit ihnen fühlen, das wollen die Nähkurs-Schülerinnen der Freien Schule Güstrow mit ihrer Glückskissen-Aktion deutlich machen: „Wir denken an Euch, ihr seid nicht allein!“

Mit Schuljahresbeginn treffen sich Schülerinnen der 7. bis 10. Klasse jeden Donnerstag zum Nähen. Neben kleinen Weihnachtsgeschenken für Freunde und Familie entstehen hier auch immer die Glückskissen für Krebspatienten in der Rostocker Universitätsklinik. In diesem Jahr nehmen sieben Schülerinnen an dem Kursus teil. Ziel ist es, bis Januar 60 Kissen anzufertigen. Die meisten Teilnehmerinnen besitzen keine Vorkenntnisse im Nähen. „Bis zum Dezember haben die Mädchen aber genug gelernt, um die Kissen für das Krankenhaus herstellen zu können“, weiß Kursleiterin Peggy Tetzlaff aus Erfahrung. Im Januar wird es das dritte Mal sein, dass Schülerinnen der Freien Schule Güstrow Glückskissen für die Onkologie- und Hämatologiestation der Rostocker Klinik abgeben.

Immer bekommen die Schüler dann auch eine Führung durch die Station. „Nach dem Besuch im Krankenhaus sprechen wir bei einem heißen Kakao darüber, was wir gerade gesehen haben“, erzählt Peggy Tetzlaff. Die 17-jährige Clara Heinrici drückt ihren Respekt für die Krankenschwestern aus: „Ich könnte das nicht durchstehen. Vermutlich würde ich die ganze Zeit weinen.“ Die Hoffnung, den Patienten Freude spenden zu können, bereite ihr und den anderen Freude. Dass die Kissen bei den Patienten gut ankommen, verdeutlicht folgende Zahl: von 61 Kissen aus dem vergangenen Jahr sind gerade noch sieben übrig. „In besonders schweren Stunden sollen Patienten mit einem Glückskissen emotional unterstützt werden“, sagt Peggy Tetzlaff. „Auch die Angehörigen schätzen die Kissen. Sie erinnern die Hinterbliebenen an ihren geliebten Menschen.“

Zusammen mit ihrer Schwester Constanze Klüver, Krankenschwester in der Rostocker Uniklinik, erdachte Lehrerin Peggy Tetzlaff die Glückskissenidee. „Es gibt Herzkissen für Brustkrebspatientinnen und Mützen für krebskranke Kinder. Das sind ganz tolle Aktionen“, findet sie. „Aber für alle anderen Krebspatienten gab es noch nichts in der Art. Wir möchten diesen Menschen zeigen, dass wir Anteil nehmen und ihnen die besten Wünsche senden.“ Jedes Kissen hat ein eigenes Glücksschweinchen-Label, an dem ein handgeschriebenes Zitat von Goethe angebracht ist: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“

Das Material für die Kissen stammt zum Teil aus Spenden, aber auch aus eigener Tasche der Schüler. Zusätzlich wurde eine Pfandflaschenaktion ins Leben gerufen. Jede Flasche, die in der Schule zurückgelassen wurde, wird abgegeben. Auf diese Weise kamen über das Jahr rund 100 Euro zusammen. Auch die Krankenschwestern der Krebsstation sammeln mittlerweile für das Projekt.