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güstrow Bürger fühlen sich allein gelassen

Von Hans-Jürgen Kowalzik | 30.11.2012, 06:34 Uhr

Die ersten zehn neuen Flüchtlinge, für die der Landkreis sorgen muss, werden kommende Woche erwartet.

Auch in den folgenden zwei Wochen sind jeweils weitere zehn Menschen angekündigt, die eine Unterkunft benötigen, informiert Vize-Landrat Rainer Boldt. Untergebracht werden die 30 Ankömmlinge zunächst im Asylbewerberheim in Bad Doberan. "Dann sind wir dort aber absolut voll", sagt Boldt. Soll heißen: Güstrow wird der nächste Standort sein, wo der Landkreis ihm zugeteilte Flüchtlingskontingente unterbringen wird; das ehemalige Bahn-Internat im Waldweg. Der Vertrag liege unterschriftsreif beim Innenminister, weiß der Dezernent, und er rechne jeden Tag mit der Unterzeichnung. Allerdings: Es liege noch keine Baugenehmigung vor. Der Eigentümer baue zwar. Aber das mache er auf eigenes Risiko, erklärte Dezernent Lutz da Cunha.

Das Thema Asylbewerberheim spielte natürlich eine wesentliche Rolle auf der Einwohnerversammlung für den Ortsteil Dettmannsdorf, zu der Bürgermeister Arne Schuldt am Donnerstagabend einlud. Und Dettmannsdorfer wie Torsten Wolf, Mario Schultz und Andreas Meier teilten ihre Bedenken mit. Warum Dettmannsdorf? Es wurden das Hotel "Stadt Güs trow" und die Landes-Liegenschaft Ex-Säuglingsheim in der Goldberger Straße als Standorte ins Gespräch gebracht. Außerdem verwiesen sie auf die 90er-Jahre, als die Probleme im damaligen Asylbewerberheim Bockhorst eskalierten, weil z.B. in der Baracke Diebesgut gefunden wurde (SVZ berichtete). Mario Schuldt, Vorsitzender der Kleingartenanlage "Am Waldessaum", erinnerte daran, weil er Angst hat, dass das wieder passiert. Torsten Wolf, der Ausländer seine Freunde nennt, will Prävention, damit nichts geschieht: Wachschutz, Polizeistreifen, Betreuung der Asylanten. Dezernent da Cunha sagte das zu. "Das ist unsere Pflicht", betonte er. Und Bürgermeister Schuldt ergänzte: "Keiner wird mit seinen Sorgen allein gelassen." Generell kritisiert wurde jedoch, dass der Landkreis so spät informiert hat. Klaus-Dieter Gabbert: "Dass Asylanten kommen, wurde den Bürgern erst mitgeteilt als alles klar war. Transparenz und eine gemeinsame Lösung, die fehlten mir."

Als "überfällig" bezeichnete Pastor Matthias Ortmann diese Einwohnerversammlung. Er appellierte an die Verantwortlichen: "Lasst die Menschen mit ihren Ängsten, die da sind, ob sie berechtigt sind oder nicht, nicht allein, bezieht sie ein." Was sonst daraus werden könne, habe Lichtenhagen vor 20 Jahren gezeigt, auch wenn die Situation heute eine andere ist. "Für das Flugblatt habe ich mich allerdings geschämt", sagte er. Umso mehr wolle er das mitgestalten, was in dem Brief des Initiativkreises angeregt wird. Matthias Ortmann: "Der Kirchgemeinderat bietet an, die Aufnahme der Asylbewerber in Güstrow konstruktiv zu begleiten. Wir müssen auf sie zugehen, mit Emotionen, mit Zuwendung, mit Offenheit. Weiter sind wir bereit, mit den Behörden und auch mit dem Betreiber zusammenzuarbeiten."

Probleme: Wendenstraße, Wurzeln, fehlender Gehweg und Parkplatz

Aber es ging auf der Versammlung nicht nur um das Asylbewerberheim. Helga Boner fordert in der Donnerstag nach der Sanierung frei gegebenen Wendenstraße einen Einbahnstraßenverkehr. Außerdem sollen die Schulbusse dort - 20 täglich - nicht mehr fahren, wurde gefordert. Bürgermeister Schuldt machte wenig Hoffnung, dass das verändert wird. Um das Problem Gehweg und Bäume will er sich kümmern.

Eine Lösung für einen Gehweg vom Ebereschenweg zum Krankenhaus, der heute ein Trampelpfad ist, sieht er mit der Erweiterung des Hengstkoppelweges.

Helgard Lierk verwies auf die Gefahr durch Wurzeln, die in der Heinrich-Borwin-Straße den Gehweg fast unpassierbar machen. Bürgermeister Schuldt: "Dieses Problem gibt es in ganz Güstrow. In der Neukruger Straße haben wir für eine Wurzel sogar einen Überweg geschaffen."

Beim fehlenden Parkplatz am Stettiner Teich sieht sich die Stadt in der Pflicht, weil sie der Bauträger ist. Einen Termin nannte der Bürgermeister nicht.