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Nabu Auf der Suche nach Kriechtieren

Von Redaktion svz.de | 26.08.2015, 06:03 Uhr

Fachgruppe Ornithologie und Naturschutz sowie Nabu-Ortsgruppe hoffen auf Unterstützung aus Bevölkerung: Datenbestand bisher nicht flächendeckend

Im Bereich Güstrow sind sieben Arten Kriechtiere heimisch. Von der Fachgruppe für Ornithologie und Naturschutz Güstrow, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen begeht, wurden immer auch Daten dieser Tiergruppe erfasst. So gibt es heute zwar einen großen Datenbestand zu den Kriechtieren, aber es sind in der Regel Zufallsbeobachtungen der Gruppenmitglieder und deshalb nicht flächendeckend. Das möchte die Fachgruppe ändern.

Noch gibt es selbst Bereiche im alten Kreis Güstrow (in den Grenzen bis 1992), in denen noch überhaupt keine Kriechtiere nachgewiesen wurden. Da die Kraft der Gruppe nicht ausreicht, dies grundlegend zu ändern, bitten die Fachgruppe und die Nabu-Ortsgruppe Bürger um ihre Hilfe. Jeder könnte bei der Ermittlung von Kriechtieren behilflich zu sein. Auch wenn die Art nicht bestimmt werden kann, könne sie als Schlange und Eidechse identifiziert werden. Wichtig sei die genaue Ortsbestimmung, hilfreich seien Fotos von den Tieren. Meldungen bitte an Guntram Trost (guntram.trost@web.de) mit der Postadresse in Mühl Rosin in der Seestraße 2a oder unter 0162 987 56 96.

Sumpfschildkröte

Die Sumpfschildkröte war im Mittelalter in dem Bereich noch häufiges Nahrungsmittel zur Fastenzeit. Hauptsächlich die menschlichen Eingriffe ab den 1950er-Jahren haben großen Einfluss auf den Bestand der Schildkröte genommen. Die Lebensräume wurden eingeschränkt durch Trockenlegung von Sümpfen und Feuchtgebieten, die Zersiedelung der Landschaft, den Straßenverkehr und das Besetzen mit fremdländischen Tieren. Waschbären bedrohen heute die letzten deutschen Bestände. In MV gilt die Art als „vom Aussterben bedroht“. Im Bereich Güstrow werden einzelne Tiere ab und zu, aber sehr selten nachgewiesen, so beispielsweise bei Klueß, Neu Mierendorf und am Grundlosen See.

Ringelnatter

Ringelnattern waren früher weit verbreitet und sind heute stark gefährdet. Häufig sah man Ringelnattern den Pfaffenbruch entlang zur Hansenstraße. Die Art ist heute noch weit verbreitet, die Dichte hat jedoch rapide abgenommen.

Kreuzotter

In einem Buch über Kirch Rosin beschweren sich die Kinder über das Anlegen eines Torfstiches an der Nebel. Ihre Angst bestand darin, keine Kreuzottern mehr für den Apotheker in Güstrow fangen zu können. Noch in den 1960er-Jahren wurde beispielsweise im Göldenitzer Moor professionell das Schlangenmelken durchgeführt. Durch Lebensraumverlust und Nachstellung (totschlagen) ist der Bestand stark zurückgegangen. In MV gilt die Art als „stark gefährdet“. In der Datenbank des Bereiches Güstrow ist kein aktueller Fundort zu finden. Aus dem Bereich des Krakower Sees liegen zwei Hinweise vor, denen jedoch noch nachgegangen werden muss.

Glattnatter

Die Glattnatter ist ein sehr heimliches Tier, das schwer nachzuweisen ist. In Deutschland ist sie die häufigste Schlange, in MV gilt die Art als „vom Aussterben bedroht“. Im Güstrower Bereich gibt es seit 1929 keine Hinweise auf diese Schlange.

Eidechsen

Der Lebensraum der Waldeidechse sind Moore, Heiden, Grasfluren und Sandgruben, sowie Waldflächen und -ränder. Sie ist feuchtigkeitsliebend und flieht schon mal durchs Wasser schwimmend. Die Waldeidechse ist tagaktiv und meist standorttreu. In MV gilt die Art als „gefährdet“. Zauneidechsen besiedeln Magerbiotope wie trockene Waldränder, Bahndämme, Heideflächen, Steinhaufen,und ähnliche Lebensräume. Wichtig sind Elemente wie Totholz und Altgras. In MV gilt die Art als „stark gefährdet“. Blindschleichen nutzen ohne besondere Spezialisierung eine Vielzahl unterschiedlicher Biotope, oft in lichten Laubwäldern und an deren Rändern, auf Brachen, Wiesen, an Bahndämmen, Holzstößen, Wegrändern, in Parks und naturnahen Gärten der Siedlungsränder. Als beinlose Eidechse wird die Blindschleiche oft als Schlange bestimmt. In MV gilt die Art als „gefährdet“.