Grüne Technik braucht Unterstützer

<strong>Neue Technologien im Blick:</strong> GMK-Geschäftsführer Aldo Piacentini-Timm (l.) und Wilhelm Uebachs von der Germania (r.) zeigen Europaparlamentarier Reinhard  Bütikofer (Mitte) eine  ORC-Anlage zur Umwandlung von industrieller Abwärme in Strom. <foto>Claudia Labude</foto>
Neue Technologien im Blick: GMK-Geschäftsführer Aldo Piacentini-Timm (l.) und Wilhelm Uebachs von der Germania (r.) zeigen Europaparlamentarier Reinhard Bütikofer (Mitte) eine ORC-Anlage zur Umwandlung von industrieller Abwärme in Strom. Claudia Labude

svz.de von
20. Juli 2012, 10:50 Uhr

Wenn Aldo Piacentini-Timm über sein Unternehmen, die Gesellschaft für Motoren und Kraftanlagen (GMK) in Bargeshagen, spricht, dann wird er selbst bei den nackten Zahlen leidenschaftlich. Eigentlich könnte laut des Geschäftsführers nämlich alles ganz einfach sein: Denn von den 1035 Stadtwerken, die es bundesweit gibt, haben viele im Sommer Probleme mit dem Absatz von Wärme. Würde jedes dieser Unternehmen eine von seiner Firma geplante so genannte Organic-Rankine-Cycle-Anlage (ORC) zur Umwandlung von Abwärme in Strom verwenden, würde seine Firma schwarze Zahlen schreiben und die Stadtwerke ihren Verlust in den Sommermonaten verringern. "Weltwelt gibt es außerdem gut 90 000 Anlagen, die von der Leistung her die Voraussetzungen für so eine ORC-Anlage erfüllen. Rüsten wir nur zehn Prozent davon mit der Technologie aus, haben wir ein Marktvolumen von neun Milliarden Euro."

Es handle sich dabei um einen "komplett offen liegenden Marktbereich", auf den die GMK gerne zugreifen würde, es aber nicht kann, klagte der Geschäftsführer gestern gegenüber dem Europaparlamentarier Reinhard Bütikofer (Grüne). Piacentini-Timm und seine Mitstreiter erhofften sich von dem Besucher Unterstützung. "Wir sind an einem Punkt, an dem wir die Hilfe der Politik brauchen", sagte der Unternehmer aus Bargeshagen. Obwohl die angebotene Technologie einen großen Beitrag zur alternativen Energiegewinnung leisten könnte, habe er bisher ohne Fördermittel auskommen müssen. Bürgschaften bekomme er auch nicht, weil die Zahlen zu schlecht sind.

ORC ist ein thermodynamisches Verfahren, bei dem Dampfturbinen mit einem anderen Stoff als Wasserdampf betrieben werden. Piacentini-Timm, von Haus aus eigentlich Keramiker, entdeckte 1994 bei Forschungsarbeiten an der Universität Rostock, dass sich industrielle Abwärme gut dazu eignet, in Strom umgewandelt zu werden. Die Technologie dazu sei schon vor langer Zeit in Italien entwickelt worden. "Aber wir waren zweifelsfrei die Ersten, die das bei kleinen Anlagen angewendet haben", so der Geschäftsführer. Theoretisch seien diese Anlagen, die nicht in Bargeshagen, sondern im sächsischen Chemnitz gefertigt werden, für viele Betriebe interessant. Zum Beispiel Glas-, Zement-, Stahl- und Lackwerke, aber auch Biogasanlagen.

Unklare ökonomische Rahmenbedingungen und nicht gezahlte Förderungen würden aber die Interessenten von Investitionen abhalten. "Wir haben eine Anlage an einer Biogasanlage installiert, die aus der Abwärme, die bisher einfach durch den Schornstein geschickt wurde, so viel Wärme erzeugt, dass sich die gesamte Anlage selbst damit versorgen kann. So wird das Netz entlastet", sagte Piacentini-Timm. Doch anstatt sich die großen Energieversorger darüber freuen, würden sie die Technik trotz anders lautender gesetzlicher Bestimmungen nicht entsprechend vergüten. Der GMK bleibt nur, dagegen zu klagen, was Zeit und Geld kostet. Deshalb hofft die Unternehmensspitze darauf, dass auch die Politik erkennt, welche bisher ungenutzten Energiepotenziale durch diese neuen Technologien zu erschließen sind, und das entsprechend unterstützt.

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