Großes Aufräumen nach Wald-Mikado

<fettakgl>Forstamtsleiter Wolfgang Starke</fettakgl> zeigt, dass nur das Revier Retzow betroffen war.
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Forstamtsleiter Wolfgang Starke zeigt, dass nur das Revier Retzow betroffen war.

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13. Juli 2010, 08:59 Uhr

Karbow | An einigen Waldwegen liegen Baumstämme in langen Reihen mehrere Meter hoch gestapelt. Woanders sieht es aus, als hätten Riesen aus der Märchenwelt Mikado gespielt: Entwurzelte oder abgebrochene Bäume liegen kreuz und quer übereinander. Im Forstrevier Retzow ist bei der Aufarbeitung des Windwurfs, wie der Fachmann dazu sagt, die Halbzeit soeben überschritten.

Am 11. Juni, einem Freitagvormittag, hatten sich die Naturgewalten knapp

20 Minuten lang ausgetobt und ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Der Wald war hier unpassierbar. "Wir haben das Gebiet mit einem Helikopter abgeflogen, um einen Überblick zu erhalten", erklärt Wolfgang Starke, Leiter des Forstamtes Karbow, das 8300 Hektar und damit den weit größten Teil des Waldes in der Region bewirtschaftet. Hinzu kommen fünf private und kommunale Eigentümer mit jeweils 100 bis 150 Hektar sowie mehr als 1500 Besitzer von Kleinstprivatwald von 0,5 bis zwei Hektar.

Retzow ist eines der sieben Reviere im Forstamt - aber als einziges von den Sturmböen derart heimgesucht worden. Rund 250 Hektar sind betroffen, von leichten Schäden bis zum Verlust des gesamten Baum bestandes auf einigen Teilflächen, umreißt Wolfgang Starke das ganze Ausmaß. Zu 95 Prozent handele es sich um Kiefern, der Rest seien Birken. Was Revierförster Jörg Fengler in 18 Jahren aufgebaut habe, sei binnen Minuten fast zerstört worden, sieht der Forstamtschef auch eine menschliche Tragik. Beim Anblick der Luftbilder habe er manche Träne wegdrücken müssen, bekennt Fengler freimütig.

Der Windwurf ergibt rund 40 000 Festmeter Holz. Das ist fast der gesamte Jahreseinschlag des Forstamtes, der jetzt in nur anderthalb Monaten zu meistern ist, und der von zehn Jahren im Revier Retzow. Die benachbarten Forstämter Wredenhagen mit 25 000 Festmetern und Nossentiner Heide (bis zu 3000) seien weit glimpflicher davongekommen.

Bis Ende Juli will Karbow den Sturmschaden komplett bewältigt haben. Täglich werden ca. 1500 Festmeter aufgearbeitet und gerückt. Insgesamt zwölf Harvester, wie die Holzerntemaschinen genannt werden, sind im Einsatz, einer von der Landesforst, die anderen von sechs Fremdfirmen, die das Forstamt nach einer Ausschreibung angeheuert hat. Die Aufarbeitung erfolgt zu 90 Prozent maschinell, da die Unfallgefahr auf den meisten Flächen keine motomanuelle Arbeit, wie es in der Fachsprache heißt, zulasse. Nur wenn einzelne Bäume herausgenommen werden müssen oder der Durchmesser am Stammfuß über 60 bis 70 Zentimeter beträgt, sind der Technik im Wald Grenzen gesetzt, erklärt Wolfgang Starke. Bei allem Ungemach halte sich der wirtschaftliche Schaden zum Glück in Grenzen, sagt der Forstamtsleiter. "Die Holznachfrage hat wieder spürbar angezogen, der Export nimmt zu und das bei steigenden Preisen. Die liegen beinahe wieder auf dem Niveau von 2007 vor der Wirtschaftskrise. Das gesamte Holz, das von dem Windwurf anfällt, konnten wir vertraglich binden." Industrieholz, das zu OSB- und MDF-Platten verarbeitet wird, geht fast komplett an die Firma Kronoply im brandenburgischen Heiligengrabe. Das höherwertige Sägeholz, kundengerecht auf vier bis fünf Meter

geschnittenes Langholz, aus dem Kanthölzer und Bretter werden, wurde an KNT in Wismar und Klenk in Baruth bei Berlin verkauft. Alles langjährige Kunden des Forstamtes, wie dessen Leiter sagt.

Auf den stark geschädigten Flächen, insgesamt rund 100 Hektar, macht sich eine Aufforstung notwendig. Im nächsten Jahr soll es mit 60 Hektar losgehen. Überwiegend werden wieder Kiefern

gepflanzt, aber bei einem Laubholzanteil von 30 bis 40 Prozent. "Wir hatten schon mit dem langfristigen Umbau von Nadel- auf Mischwald begonnen. Unter den Schirmen von Altkiefern wachsen Buche und Douglasie heran", erklärt Wolfgang Starke. Allerdings habe der Sturm auch auf einigen dieser Flächen gewütet. Wenn nun das große Aufräumen in dem Revier beendet ist, werde festgelegt, wo dort der eingeleitete Waldumbau unter Umständen wieder von vorn beginnt.

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