Angeln ist sein Leben: Alfredo Jodzeck : Großer Hecht gleich nach Schonzeit

Diesen Sonnenaufgang hat Alfredo Jodzeck auf dem Kleinpritzer See fotografiert.
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Diesen Sonnenaufgang hat Alfredo Jodzeck auf dem Kleinpritzer See fotografiert.

Die großen Hechte haben es ihm angetan. Seit 2000, als Alfredo Jodzeck wieder aktiv mit dem Angeln begann, hat er 14 gefangen, die über einen Meter lang waren. Den größten zog er 2004 an Land. Angeln ist sein Leben.

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06. Mai 2011, 10:05 Uhr

Witzin | Die großen Hechte haben es ihm angetan. Seit 2000, als Alfredo Jodzeck wieder aktiv mit dem Angeln begann, hat er 14 gefangen, die über einen Meter lang waren. Der Witziner führt darüber genau Buch. Er runde auch nicht auf, selbst wenn einer 99 Zentimeter messe, versichert der leidenschaftliche Angler. "Man sollte bei der Wahrheit bleiben." Er möge keine Aufschneiderei, weder bei Anglern, denen das häufig nachgesagt wird, noch im sonstigen Leben.

Die Köpfe der Riesenhechte kommen, sozusagen als Beweis, an die Wand im Hobbyraum. "Die präpariere ich selbst, auf natürliche Art mit Spiritus. Das ist preiswerter, vor allem aber bleiben die Köpfe der Fische dabei original. Sie sollen nicht so künstlich aussehen wie sonst meistens, vielleicht noch mit Glasaugen, sondern völlig naturgetreu", erzählt der 49-Jährige aus dem Anglerverein Luckower See in Sternberg. Das Angeln ist sein Leben, wie er sagt. Den bislang größten Hecht zog er 2004 aus dem Labenzer See: 131 Zentimeter lang und 15,200 Kilogramm schwer.

Dem Ende der Schonzeit, die beim Hecht vom 1. März bis 30. April gilt, fiebert der Witziner jedes Mal entgegen. Die Gerätschaft hat er den Winter über klar gemacht. In manchem Jahr sucht sich Jodzeck schon vorher ein Gewässer, wo der Räuber keine Schonzeit hat, zum Beispiel die Müritz. Der jeweilige Fischer bestimme darüber. Dort gäbe es auch reichlich Gelegenheit, gut zu fangen. Ein Trailer im Schlepp des Pkw mache ihn mobil, erzählt der begeisterte Angler. Sein leichtes Drei-Meter-Boot aus Kunststoff und ohne Motor könne er allein hantieren. Und auf dem Wasser bewege er es eben mit Muskelkraft.

Diesmal ging es, als die Schonzeit vorbei war, "mit einem guten Kumpel" zum Güstrower Inselsee. Früh um vier Uhr, als es auf dem Wasser noch dunkel war. "Aber ich bin vorher immer so aufgeregt und kann nicht richtig schlafen. An dem Morgen war ich schon um zwei Uhr wach", gesteht Alfredo Jodzeck achselzuckend. Doch die Tour wurde gleich ein Volltreffer - ein Hecht mit 112 Zenti metern Länge und einem Gewicht von 10,221 Kilogramm. Der ließ sich 1,60 bis 1,80 Meter tief von einem Gummifisch überlisten. Er rolle den Köder, in diesem Fall 15 Zentimeter lang in Perlmutt-Weiß, mehrmals an und lasse ihn wieder trudeln, beschreibt der Witziner, wie er für den Räuber leichte Beute imitiert. Diese "Faulenzer-Methode" im Vergleich zum ständigen Blinkern bringe ihm den größten Erfolg. Etwa zehn Minuten habe der Drill gedauert, dann sei der Hecht müde gewesen. "Und das Schärfste war, dass dicht an der Stelle, an der der Hecht an den Haken ging, vorher ein Boot lag, ziemlich protzig, ein dickes Motorboot mit allem Drum und Dran. Der Mann darauf machte es gerade fertig zum Auslaufen. Der grüßte nicht mal wie unter Anglern üblich, als er an uns vorbei mitten auf den See fuhr. Dort hat er wohl nichts gefangen", erzählt der Witziner mit einem Hauch von Genugtuung. Er nimmt übrigens, damit das Boot sauberer bleibt, statt eines Ankers eine Zehn-Kilogramm-Scheibe vom Kraftsport, um die Posi tion zu halten. Die lag nun etwa 20 Meter vom Ufer entfernt an der Kante, an der der Seegrund steiler abfällt. Auf dem Echolot seien die Unebenheiten zu erkennen gewesen. Hier, wo sich kleine Fische tummeln, suche sich der Hecht seinen Platz. Unterhalb der Kante lege er sich auf Lauer, um auf einmal nach oben zu schießen und bei den so genannten Futterfischen Beute zu machen. Der Räuber brauche sauberes, klares Wasser, das bis zur Tiefe von zwei Metern Sicht bietet. Trübes Wasser schade ihm. Der Hecht jage am Tage nach Sicht, nachts nach Geruch und Vibration, weiß der pfiffige Petrijünger.

Angeln sei alles andere als langweilig. Wer Erfolg haben wolle, müsse sich allerdings damit beschäftigen, zum Beispiel wissen, wann und wo gerade am besten geangelt werden könne. Das sei manchmal wie eine kleine Wissenschaft. Alfredo Jodzeck tüftelt auch beinahe täglich, wie er die Gerätschaft noch verbessern kann, schärft selbst Haken und baut Vorfächer. Zum Angeln geht er immer mit eigenen Montagen. Hauptsächlich für den Hecht, aber auch Karpfen oder Schlei sind vor ihm nicht sicher.

Das Interesse am Angeln stamme aus der Kindheit. Er sei vom See nicht wegzukriegen gewesen, so dass es manchmal schon Ärger mit der Oma gegeben habe. "Auch wenn lange nichts gebissen hatte, gab ich die Hoffnung nie auf, dachte immer, wenn du jetzt weggehst, würde vielleicht einer beißen", erinnert sich Jodzeck. Nach einem bewegten Leben, wie er es nennt, kehrte er 2000 in die Region zurück und damit wieder die alte Leidenschaft. "Ich habe den Angelschein neu gemacht und bin so glücklich darüber. Es sind nicht nur die Fische, ebenso die Natur, das Flair auf dem Wasser. Wann bekommt man solche schönen Bilder vom Sonnenaufgang wie beim Angeln", schwärmt der Wit ziner, der immer seinen Fotoapparat zur Hand hat. Von dieser Begeisterung ließ sich auch seine Freundin Annette Grabert aus Sternberg anstecken. Sie hat im Vorjahr den Angelschein gemacht und ihren ersten Hecht ins Boot gezogen. Und der war gleich 87 Zentimeter lang. Bei dem hat Alfredo Jodzeck eine Ausnahme gemacht und den Kopf präpariert, obwohl der Fisch unter einem Meter war. Vorher habe sie mit dem Angeln gar nichts am Hut gehabt. "Doch es ist ein toller Ausgleich zu meinem Beruf als Altenpflegerin, so in der Natur und dazu die Ruhe auf dem Wasser", findet die 42-Jährige.

Was im Kescher landet, kommt frisch auf den Tisch oder tauscht der Witziner manchmal nach dfd - dies für das - gegen selbst gemachte Wurst oder Honig. Die Zubereitung sei seine Sache. Am liebsten den Hecht filetiert und gebraten, dazu Butterbrot - das sei das Beste, was es gibt, sind sich beide Hobbyangler einig.

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