Große Flotte zur 21. Hanse Sail erwartet

Anlegemanöver während des Feuerwerks im Stadthafen: Tausende Sail-Fans lassen sich den Anblick nicht entgehen.Geos
Anlegemanöver während des Feuerwerks im Stadthafen: Tausende Sail-Fans lassen sich den Anblick nicht entgehen.Geos

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16. Mai 2011, 07:04 Uhr

Rostock | Der Chef der Rostocker Hanse Sail, Holger Bellgardt, kommt aus dem Aufzählen von berühmten Schiffsnamen gar nicht heraus. Schon rund 200 Schiffe haben sich für die 21. Veranstaltung am zweiten August-Wochenende angemeldet. "Das wird sich aber bestimmt noch steigern", sagt Bellgardt. Er rechnet mit bis zu 250 Traditionsschiffen. "Wir werden inzwischen sehr ernst genommen, andere internationale Segel-Veranstaltungen richten ihre Planungen so aus, dass sie nicht am zweiten August-Wochenende mit der Hanse Sail konkurrieren." Das Tall Ship Race im schwedischen Halmstad endet in diesem Jahr am Wochenende vor der Hanse Sail, das in Klaipeda (Litauen) beginnt danach. "Das bietet optimale Kombinationsmöglichkeiten für alle Schiffe."

Mit der 118 Meter langen Viermastbark "Sedov" (Baujahr 1921) und der 114 Meter langen "Krusenstern" (1926) aus Russland sind erneut Publikumslieblinge und die weltweit größten Schiffe ihrer Art dabei. "Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit", sagt der Chef der Hanse Sail. Mit dem französischen Schiff "Notre Dame des Flots" nimmt seit langem auch wieder ein Schiff unter französischer Flagge teil. "Wir wollen die Kontakte entlang der Atlantikküste ausbauen", sagt Bellgardt. Stolz ist er auch darauf, dass sich erstmals die "Bounty" angemeldet hat - ein Nachbau aus dem Jahr 1961 für den Film "Meuterei auf der Bounty".

Trotz solcher Erfolge drückt das schmale Budget von rund 1,4 Millionen Euro auf die Stimmung von Bellgardt. Denn damit müssen sieben Mitarbeiter sowie die gesamte Organisation inklusive Musik- und Veranstaltungsprogramm und das Marketing der Hanse Sail und von Teilen der Warnemünder Woche bezahlt werden. "Die Hanse Sail ist stetig gewachsen, der städtische Zuschuss wurde sogar reduziert." Der liege bei 450 000 Euro. Rostock gewähre seinen Gästen mit einem kostenlosen Liegeplatz und der einmaligen Übernahme der Ein- und Auslauf-Kosten für Schlepper und Lotsen sowie einem ausgereiften Betreuungssystem dennoch international übliche Mindeststandards.

Die wesentlichen Einnahmequellen für die Organisatoren sind Sponsorengelder, "aber das ist nicht einfach", sagt Bellgardt. Viele Sponsoren helfen auch mit Sachleistungen. Die Hanse Sail biete ihnen eine tolle Werbeplattform. Bisherige Versuche, einen Hauptsponsor zu finden, blieben aber bisher erfolglos.

Inzwischen gibt es in der Bürgerschaft Überlegungen, den städtischen Zuschuss erneut zu kürzen. "Wir wollen auf keinen Fall die Hanse Sail gefährden", sagt Johann-Georg Jaeger, Fraktionschef der Grünen. Aber angesichts der miserablen Stadtfinanzen müsse geschaut werden, ob nicht die Besucher etwas zur Finanzierung beitragen können. Denkbar wäre zum Beispiel ein Unterstützer-Button für "ein paar Euro", mit dem die Käufer Getränke ein paar Cent billiger bekommen. Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), der selbst 15 Jahre lang Chef-Organisator der Hanse Sail war, blickt angesichts der finanziellen Probleme auch in Richtung Landesregierung. "Ich staune jedes Jahr, welche Gründe das Land findet, sich nicht an der Hanse Sail zu beteiligen - dem Schaufenster des ganzen Landes", sagt er. Es dränge sich der Eindruck auf, dass der Einfluss auf die Wirtschaftsförderung stark unterschätzt werde. Methling rechnet mit zusätzlichen Einnahmen von 40 Millionen Euro durch die Sail für die Wirtschaft des Landes. Doch die Idee, von den Schiffen eine Liegegebühr zu verlangen, lehnt er ab. "Das macht man nicht mit seinen Gästen."

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