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Lokales

22. November 2017 | 08:29 Uhr

Grenzenloser Urlaubsgenuss

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erstellt am 18.Okt.2010 | 06:05 Uhr

Plau am See | In Zeiten, in denen die Menschen immer älter werden, haben zunehmend mehr Mitbürger mit Gebrechen zu kämpfen. Seh-, Hör- und Gehbehinderungen sind hier häufig. Trotzdem haben Behinderte oft einen schweren Stand, wenn sie Rücksicht auf ihre Schwierigkeiten einfordern.

Eine Versammlung unter dem Motto "Barrierefreier Urlaub" versuchte nun in der Plauer Jugendherberge auszuloten, wie das beliebte Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern auf die Bedürfnisse dieser Menschen eingehen kann. Wilfried Steinmüller vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern und Stephanie Ebeling-Wittwer vom Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte" wollten genauso von den anwesenden Vertretern verschiedener Behindertenverbände lernen, wie die Plauer Stadtvertreter Uwe Pohla (SPD) und Horst-Werner Frommer (CDU). Auch die Abgeordnete des Kreistages Anke Pohla (SPD) war anwesend. Das Ehepaar Pohla ist insbesondere durch ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten mit den Gastgebern Petra und Wolfgang Giese verbunden. Die betreiben die Plauer Jugendherberge, Ort der Veranstaltung mit 25 Teilnehmern, in privater Bewirtschaftung und haben deutschlandweit einen guten Ruf unter Behinderten. Unter ihrer Mitwirkung wurden in Plau und Umgebung die Deutschen Meisterschaften im Rollstuhlfahren, die Landesmeisterschaften der Handbiker und die 1. Bundesliga der E-Rollstuhlfahrer durchgeführt. Von den etwa 7000 Übernachtungen der Jugendherberge sind inzwischen gut die Hälfte Behinderten und ihren Betreuern zuzurechnen. Ein lebendiges Beispiel dafür, dass mitmenschliche Rücksicht auf Mitbürger mit Handicap und wirtschaftlicher Erfolg durchaus miteinander vereinbar sind. "Behinderte bevorzugen oft die Ruhe der Vor- und Nachsaison und bilden ein ausbaufähiges und Saison verlängerndes Potenzial für unser Urlaubsland" erklärte Wolfgang Giese, wohl wissend, dass kommerzieller Erfolg mindestens genauso überzeugend ist, wie die soziale Komponente. Denn von der Umsetzung mancher überzogener Forderungen der Behinderten bis zur völligen Ignoranz der Städteplaner und touristischen Betriebe liegt ein breites Spektrum von nützlichen und machbaren Erleichterungen. Viele Maßnahmen kommen auch breiten Bevölkerungskreisen zu Gute. Denn glatte Bürgersteige und Rampen kämen beispielsweise auch Eltern mit Kinderwagen zu Gute. Eine genaue Beschreibung vom Zustand der Rad- und Wanderwege ist keineswegs nur im Interesse der Rollstuhlfahrer. Eine barrierefreie Umgebung bedeutet mehr Lebensqualität für alle und ist wirksame Förderung des Tourismus, also auch von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Von dieser Einsicht bis hin zur Umsetzung ist ein weiter und teurer Weg. Bis dahin wird Udo Dobbratz wohl noch öfter seine Hafflinger Stuten Welria und Marlie anschirren und die "Rollis" per Kutsche durch Plau und Umgebung fahren.

Manchmal ist Hinsehen viel überzeugender, als alle Worte. Ralf Baumann, Inhaber der Plauer Tauchschule mit therapeutischer Ausbildung, veranstaltet seit sieben Jahren auch Tauchen für Menschen mit Handicap. Andrea Schatz vom Vorstand des Netzwerks behinderter Frauen Berlin e. V., einzige Rollstuhlfahrerin bei der jetzigen Informationsveranstaltung, ließ sich auf ein Experiment ein. Sie ist sehr sportlich, Ballonfahrerin und Seglerin. Aber echtes Tauchen war ihr neu. Im Schwimmbad der Reha-Klink in Plau erhielt sie beim Tauchschnupperkurs von Baumann eine kurze Unterweisung und wurde dann im Sessel in das Wasser herabgelassen. Zunächst noch recht angespannt, glitt sie nach kurzer Zeit schwerelos durch das Wasser und jedes Zeichen der Behinderung war abgelegt. Barrierfreie Projekte wie dieses sind nicht nur ein Erlebnis für Behinderte, sondern zahlen sich auch für Touristiker buchstäblich aus.

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