Granate kontrolliert gesprengt

Zahlreiche Einsatzkräfte sicherten gestern die Sprengung ab.Doris Ritzka
Zahlreiche Einsatzkräfte sicherten gestern die Sprengung ab.Doris Ritzka

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31. Mai 2011, 08:02 Uhr

Perleberg | Punkt 11.07 Uhr: ein ohrenbetäubender Knall, dann Stille. "Ein eigenartiger Geruch von verbranntem Boden und Pulver liegt in der Luft", beschreibt Uwe Schleich, zuständig für Katastrophenschutz und Feuerwehr bei der Stadt, die Lage. Vor den Sicherungskräften klafft ein Krater von rund drei Metern Durchmesser. "Es schon erschreckend, was so ein Blindgänger anrichtet", gesteht sichtlich beeindruckt Thomas Kolbow, Ordnungsamtsleiter.

Bei einer routinemäßigen Begehung der alten Perleberger Deponie, die sich in Richtung Lübzow befindet, wurden am 19. Mai zwei Infanteriegranaten aus dem 1. Weltkrieg am Zaun entdeckt. "Als Landkreis haben wir die Verkehrssicherungspflicht für die Deponie und im Rahmen dieser erfolgen regelmäßig Kontrollen", erläutert Andreas Much, Sachbereichsleiter Abfallwirtschaft beim Landkreis. Wie die Munition dort allerdings hinkam, diese Frage gibt derzeit noch Rätsel auf und wird unter Umständen auch noch die Ermittlungsbehörden beschäftigen. Denn dass sie dort längere Zeit gelegen habe, hält Much eher für unwahrscheinlich. "Bei einem der Kontrollgänge wäre sie längst entdeckt worden." Denn regelmäßig überprüft werde auch, ob der Zaun intakt ist.

Die 46 Kilo schwere Infanteriegranate, Kaliber 150 Millimeter, nahmen die Kollegen von Kampfmittelräumdienst sofort mit. "Die andere, 75 Kilo schwere Granate, wies einen nicht transportfähigen Zünder auf", betont Gerd Fleischhauer, seines Zeichens Feuerwerker des Kampfmittelräumdienstes des Landes Brandenburg. Sie musste an Ort und Stelle unschädlich gemacht werden. So wurde der Fund gesichert und gestern kontrolliert gesprengt. Für Gerd Fleischhauer und seinen Kollegen Alltag, "dennoch sollte man niemals Routine aufkommen lassen. Letztlich hängt unser Leben davon ab."

Bereits seit 8 Uhr waren gestern die Perleberger Stadtwehr und sämtliche Wehren der Ortsteile, Polizei, Forstamt, Landkreis, Stadtbetriebshof und Ordnungsamt der Stadt im Einsatz. Ab 9 Uhr waren alle Zufahrten im Umkreis von zwei Kilometern gesperrt. An sämtlichen Waldwegen hatten Kameraden und Mitarbeiter der Forst Position bezogen, sorgten dafür, dass niemand den Sperrbezirk mehr betrat. Über Sprechfunk standen sie mit der Einsatzstelle ständig in Kontakt. "Wir sind mit 40 Kameraden und der kompletten Feuerwehrtechnik an Ort und Stelle", listet Stadtwehrführer Thomas Gäde auf. Um 10.30 Uhr drehte ein Polizeihubschrauber über dem Gebiet Kontrollrunden. Um 11 Uhr die Meldung, dass alle Personen den Sperrbezirk verlassen haben, es kann gesprengt werden kann.

In diesem Zusammenhang weisen die Behörden noch einmal darauf hin, Munitionsfunde nicht anzufassen, sondern die Stelle zu sichern und umgehend das Ordnungsamt zu informieren. "Wir kümmern uns dann um alles Weitere", unterstreicht Schleich.

>> HINTERGRUND: Alte Perleberger Deponie

Von 1996 bis 1998 wurde die alte Perleberger Deponie profiliert, das heißt eine rund einen Meter starke Schicht Boden wurde aufgebracht und Gras angesät. Dabei handelt es sich um eine Vorstufe einer Renaturierung. Auf einer Fläche von 5,8 Hektar lagern hier rund 280 000 Kubikmeter Hausmüll, Bauschutt, Schlacken und gewerblicher Müll. Der Deponiekörper unterliege regelmäßigen Kontrollen. „Eine Gefahr geht von diesem nicht aus“, betont Andreas Much, Sachbereichsleiter Abfallwirtschaft beim Landkreis, zuständig für die Deponie. Diese befindet sich aber auf einer Liegenschaft der Stadt und so ist diese Ansprechpartner in Sachen Gefahrenabwehr.

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