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Rudern Alle haben in der UWV voll durchgezogen

Von Peter Richter | 16.07.2019, 17:56 Uhr

Die deutsche U23-Nationalmannschaft fliegt am Mittwoch los zu den WM in Sarasota – mit dabei ein Quartett aus MV.

Die drei Wochen UWV in Ratzeburg sind endlich vorbei – am Mittwoch geht es los zu den in einer Woche beginnenden Weltmeisterschaften in Sarasota (USA/Florida): Von Hamburg nach Frankfurt am Main und von dort nach Orlando fliegt die U23-Nationalmannschaft des Deutschen Ruderverbandes, der Rest der Reise (etwa zweieinhalb Stunden) wird mit dem Bus bewältigt.

Ein Mann sitzt im Frauen-Achter

Mit dabei ist ein Quartett aus Mecklenburg-Vorpommern: Olympiastützpunkt-MV-Trainer René Burmeister als Disziplinverantwortlicher für den Achter weiblich, Steuermann Till Martini und Max John (beide Olympischer Ruder-Club Rostock/ ebenfalls Achter) sowie Benjamin Leibelt vom Stralsunder RC als Riemen-Ersatzmann für die Backbord-Seite.

René Burmeister traut beiden „Schiffen“ und ihren Besatzungen durchaus Edelmetall zu: „Wäre schön, wenn das klappen könnte, denn wir hatten jetzt im Achter zwei Jahre keine WM-Medaille mehr im U23-Bereich. Alle haben voll durchgezogen.“

Die Jungs seien eine „zusammengeschweißte Gruppe, die sich gut entwickelt hat und die sich über die Teamarbeit und das Teamgefühl einen Platz ganz weit vorn erarbeiten kann“. Für „seine“ Mädels hat der 35-Jährige ein besonderes Lob: Sie seien in der UWV nicht anstrengend geworden. „Ich staune wirklich. Bei den Frauen ist es manchmal bisschen schwieriger. Das geht ganz schnell und dann fängt das Rumgezicke und Geläster an. Das war aber nicht der Fall. Sehr gut, was die neun Damen (mit Steuerfrau – d. Red.) in Ratzeburg abgeleistet haben. Sie mögen individuell schwächer sein (als ihre Vorgängerinnen unter Zugrundelegung der Ergo-Leistungen – d. Red.), aber sie sind überzeugt davon, eine Medaille holen zu können.“

René Burmeister würdigt nicht zuletzt, wie sich Benjamin Leibelt – der angesichts seines krankheitsbedingten Rückstandes überraschend berufen wurde – einbrachte: „Benny hat einen guten Ersatzmann-Job gemacht, fuhr im Training auch im Frauen-Achter mit, als eine der Ruderinnen (Patricia Schwarzhuber vom Regatta-Verband Ems-Jade-Weser – d. Red.) bei ihrem Abi-Ball war.“

Ärgerlich: Obwohl die Boote des DRV nebst „Zubehör“ bereits seit 12. Juni per Schiff unterwegs sind, werden sie nicht vor Freitag oder Sonnabend in Sarasota eintreffen. Die deutschen Ruderer und Ruderinnen müssen also zunächst ohne ihre Sportgeräte auskommen. Aber das kennt man ja schon von den A-WM 2017, die ebenfalls in Sarasota stattfanden.

UWV = Unmittelbare Wettkampfvorbereitung

Hochzeit und Besuch bei Klein-Oskar

„Ich bin in den drei Wochen viermal aus Ratzeburg weggewesen“, berichtet Trainer René Burmeister. „Ich war bei der Hochzeit meines Bruders Daniel in Ahrenshoop und habe einen Kumpel in Hamburg besucht. Vor allem aber konnte ich zu Hause meinen kleinen Oskar besuchen (seinen zehn Monate alten Sohn, zu dem er jetzt sehr lange hauptsächlich videotelefonischen Kontakt hat/te – d. Red.). Da bleibt dann links und recht alles liegen, und man kann gut abschalten. Sonst war in der UWV ab 20 Uhr Zeit für die Trainer, auch selbst Sport zu treiben. Ich war zweimal auf der acht Kilometer langen schönen Seerunde laufen, aber öfter auf dem Programm stand Fußball oder Fußballtennis.“

Heizlüfter im Einsatz, Handys verboten

Damit die Aktiven besser auf die Witterungsbedingungen bei den WM in Florida vorbereitet werden können (Temperaturen um die 30 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent), wurde in Ratzeburg eigens ein Raum hergerichtet, der mit Heizlüftern auf 34 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von rund 80 Prozent gebracht werden konnte. Dort wurde alle zwei Tage für eine Stunde trainiert.

Der Gegensatz dazu: draußen 18 Grad und starker Wind. „Auf dem Ratzeburger See war es aufgrund der starken Wellen zum Teil unmöglich, vernünftig zu rudern. Wenn man es dann aber rüber auf den Küchensee geschafft hatte, ging es von den Bedingungen her“, erklärte U23-Bundestrainerin Brigitte Bielig.

Striktes Handy-Verbot herrschte im Speisesaal. „Beim ersten Mal haben die Sportler den Zettel noch abgerissen, aber dann hielt sich jeder dran“, so Brigitte Bielig.

Quelle: www.rudern.de

Das sagen die drei MV-Ruderer

„Unser Ziel im Achter ist natürlich am besten eine gute Platzierung im Finale und am allerbesten noch eine Medaille“, blickt Max John auf seine dritte U23-WM-Teilnahme voraus. „Wir waren im Herbst schon in Boston beim ,Head of the Charles‘ (Regatta über knapp fünf Kilometer mit einer Reihe von Kurven und schwierig zu meisternden Brückendurchfahrten – d. Red.), freuen uns richtig auf die Stimmung in den USA und natürlich auf Florida, die super Location und ein paar gute Rennen.“

Till Martini hofft, „dass wir das Beste aus uns rausholen, zufrieden sind und danach sagen können: Es war einfach nicht mehr drin. Als realistisches Ziel für uns sehe ich das A-Finale und da dann möglichst weit nach vorne zu kommen, aber festlegen möchte ich mich da eigentlich nicht, da man nie so wirklich einschätzen kann, was die anderen Nationen draufhaben.“ Er freue sich darauf, „dass wir nach den Wochen des Trainings jetzt die Möglichkeit haben, zu zeigen, was wir uns erarbeitet haben und was in uns steckt. Außerdem bin ich gespannt auf die Atmosphäre. Die wird dort bei so einem Groß-Event bestimmt ziemlich cool sein. Ich war vorher noch nicht in den USA, und es ist überhaupt meine bisher weiteste Reise.“

Auch Benny Leibelt fliegt erstmals in die USA, in (Süd-) Amerika war er allerdings schon mal, 2015 bei den U19-WM in Rio de Janeiro, wo er mit dem Achter Bronze holte. „Speziell vorgenommen habe ich mir nichts, da ich nicht voraussagen kann, ob ich eingesetzt werde oder nicht“, sagt der 21-Jährige. „Sollte ich zum Einsatz kommen, werde ich natürlich alles geben, dass ich der Mannschaft gerecht werde und wir den höchstmöglichen Profit aus dem Rennen schlagen können. Ich freue mich auf die Aufgaben, die mit meiner Rolle als Ersatzmann einhergehen, auf die Veranstaltung und das Land, da ich schon immer mal dorthin wollte. Ich bin hochmotiviert!“

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