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Ein Artikel der Redaktion NNN

Rudern Für Olympia 2020 in Tokio sieht es düster aus

Von Peter Richter | 13.11.2019, 16:43 Uhr

Von fünf MV-Kandidaten für die Olympischen Spiele sind mit Hannes Ocik und eventuell Marie-Louise Dräger nur zwei übrig.

Bei Julia Leiding (Rostocker Ruder-Club) macht der Rücken nicht mit. Sie muss erst mal wieder schmerzfrei sein und kommt deshalb für die Olympia-Saison nicht in Betracht.

Frauke Hacker hat mit 24 Jahren ihre leistungssportliche Laufbahn beendet.

Christin Stöhner (beide Olympischer Ruder-Club) ist vom Bundestrainer, dem Australier Tom Morris, praktisch aussortiert worden.

Hinsichtlich Tokio 2020 sieht es düster aus für das Leistungs-Rudern in Mecklenburg-Vorpommern. Von ursprünglich fünf Kandidat(inn)en für die Spiele in Japan – den für die Frankfurter RG Germania 1869 fahrenden, in Hamburg ansässigen Stephan Krüger kann man, auch wenn nach wie vor Mitglied im ORC, nicht mitzählen – „ist realistisch betrachtet nur Hannes Ocik übrig. Damit kann man natürlich nicht zufrieden sein“, lautet die ernüchternde Bestandsaufnahme von Olympiastützpunkt-Trainer René Burmeister.

Neben dem Schlagmann des Deutschland-Achters ist allein die ebenfalls für die Schweriner RG von 1874/75 startende Marie-Louise Dräger noch im Rennen. Sie ist zwar amtierende Einer-Weltmeisterin, doch das bringt die Leichtgewichts-Skullerin ihrer fünften Olympia-Teilnahme* nicht näher. Denn in der Kategorie „LG“ ist nur der Doppelzweier olympisch. Das heißt, Marie bräuchte zunächst eine befähigte Bootspartnerin. Diese glaubt die 38-jährige in der Brandenburgerin Ronja Fini Sturm gefunden zu haben; beide waren schon 2016 in Rio de Janeiro ein „Paar“ und vorher zweimal Vize-Europameister. Darüber hinaus müssten sie sich a) national durchsetzen sowie b) ihren Zweier bei der Nachqualifikation Mitte Mai in Luzern entsprechend platzieren.

„Wir haben auf ein ,Pferd‘ gesetzt, wo der Deutsche Ruderverband Richtung 2020 nicht gut aufgestellt ist, wo es einen Abwärtstrend gibt“, analysiert René Burmeister. „Bei uns in Kessin wurde in den zurückliegenden Jahren vor allem in den Frauen-Riemenbereich viel investiert, und das fällt uns jetzt auf die Füße. Gerade dort lief vieles schief. Viele Sportlerinnen – Leah Labudde, Carolin Dold, jetzt Frauke – sind uns verloren gegangen, weil sie enttäuscht sind, wegen fehlender Perspektive keine Motivation mehr aufbringen, keinen Sinn mehr darin sehen. Und das kann man verstehen, dass sie sich, wenn der Verband nicht auf sie setzt, lieber auf ihr berufliches Fortkommen konzentrieren.“

Und der 35-Jährige merkt an: „Ich hoffe, dass wir nach Tokio mit Hinblick auf 2024 nicht wieder von vorn anfangen, sondern dass es einen Plan gibt und ein Umschwung kommt. Denn wir hier in Kessin sind im weiblichen Riemenbereich mit u. a. vier Junioren-WM-Medaillengewinnerinnen** für die Zukunft gut aufgestellt.“

* 2004 in Athen war sie Ersatz

** Eigentlich sind es sogar fünf, doch hat auch die Stralsunderin Lena Kolwey inzwischen den Riemen beiseite gelegt, um sich voll auf ihr Abitur zu konzentrieren.

So etwas ist demotivierend

René Burmeister, Trainer Olympiastützpunkt MV: „Die Sportlerinnen werden zu schnell fallen gelassen. ,Bestes‘ Beispiel ist Christin Stöhner (gehörte 2019 zur Achter-Stammbesatzung und war EM-Siebente mit dem Vierer ohne – d. Red.), eine der Stärksten am Ergometer. Sie hat alles gegeben, nach ihrer Handverletzung die Seite im Boot gewechselt, sich aufgeopfert – und wird per Mail darüber informiert, dass sie nicht eingeplant ist. So etwas ist demotivierend. Für Christin wird jetzt erst einmal ihr Medizin-Studium an erster Stelle stehen. Aber sie hat gesagt, sie trainiert trotz Nichtberücksichtigung weiter und steht bis 2024 (Olympia in Paris – d. Red.) zur Verfügung. Hut ab, das ist erstaunlich!“