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Motorbootrennsport Bernd Mehnert: „Das ist meine letzte Saison“

Von Peter Richter | 02.06.2019, 15:24 Uhr

Der einzige Motorbootrennfahrer des deutschen Ostens oberhalb von Berlin erklärt, warum er die Nase voll hat.

„Das ist meine letzte Saison. Ich versuche das dieses Jahr noch mal, aber nicht auf Biegen und Brechen. Ab 2020 fahre ich dann nur noch bei Klassik-Rennen, einfach nur zur Repräsentation.“

Bernd Mehnert vom WSV Hanseat Rostock, einziger Motorbootrennfahrer des deutschen Ostens oberhalb von Berlin, hat die Nase voll. Nicht nur, dass er sein bislang letztes Rennen vor sage und schreibe sechs Jahren bestritt; der Untergang seines damals auf einem Tagebau-Restloch bei Weißwasser nach Kollision mit einem Unterwasser-Hindernis leck geschlagenen Bootes war sinnbildlich. Gesundheitliche (zwei Herzinfarkte, Bruch des Steißbeins) und technische Probleme bremsten den mittlerweile 59-Jährigen seitdem immer wieder aus.

Doch was ihn viel mehr erbost, ist, dass ihm und seinen Mitstreitern in der Formel R-1000 „von oben“ immer mehr Hindernisse aufgebürdet würden. Beispiel Sicherheitskanzel: Kaum habe er sich eine neue eingebaut, die bei Kollisionen einer Energie von 1000 Newtonmetern standhalte, da würden neuerdings aus Sicherheitsgründen 3000 Newtonmeter verlangt, „aber eine Umbauzeit von einem Jahr ist viel zu kurz“.

Den Helm, gerade angeschafft, könne er nicht mehr lange benutzen – weil ihm der Anschluss für einen Sauerstoff-Schlauch fehle. Demnächst werde obligatorisch, dass man nicht ohne Pressluftflasche an Bord starten dürfe. „Auf der Straße darf ich mit diesem Helm 300 km/h fahren, auf dem Wasser aber nicht 150“, so Mehnert. „Und die Kanzel, die ist verklebt worden. Die lässt sich nicht einfach so abnehmen. Der Aufwand, diesen Kahn (er meint seinen in Wahrheit abgöttisch geliebten, im Jahr 2000 auf der legendären Bootswerft Pfennig in Grünheide gebauten 135-PS-Oldtimer – d. Red.) noch mal umzubauen, ist zu groß, das hat keinen Sinn mehr.“

Immerhin, den Fehler, der zuletzt seine Rückkehr verhinderte, glaubt Mehnert in der defekten Passfeder der Schwungscheibe des Motors ermittelt und behoben zu haben. Jetzt hofft er auf sein Comeback am letzten Juni-Wochenende in Berlin-Grünau: „Vielleicht habe ich das Problem doch gefunden. Wir sind noch am Basteln. Auf dem Trockenen geht der Motor jedenfalls erst mal an.“

Und überhaupt, Bernd Mehnert – außerhalb seines Sports im Rostocker Verkehrsgarten im Barnstorfer Wald Verantwortlicher für die Radfahr-Ausbildung der Schüler/innen der 4. Klassen – war doch nicht nur stets ein Kämpfer, er ist’s noch immer! „Sobald sich irgendeine Möglichkeit ergibt, schlage ich wieder zu“, versichert er. „Vielleicht kommt ja doch noch einer und sagt, ich habe ein neues Boot für dich oder die 4000 bis 5000 Euro dafür. Oder ich kann für relativ wenig Geld ein gebrauchtes bekommen.“ Hört sich so an, als bliebe uns der seit über 30 Jahren aktive, längst an der Ostsee sesshafte „Exot aus Dessau“ erhalten!

Goldener Kranz für eine treue Seele

Nach 30 Jahren treuer Dienste als Schrauber für Bernd Mehnert hat Mario Bartusek jetzt aus gesundheitlichen Gründen das Werkzeug aus der Hand gelegt. Genauer gesagt, er ist bei den Rennen nicht mehr dabei – mithelfen am Boot tut er nach wie vor. Bei der Ehrungsveranstaltung der Meister im Motorbootrennsport Ende 2018 in Ratingen überraschte Mehnert seinen Freund und sagte ihm öffentlich auf der Bühne danke.

Hoffnung auf den Start in Grünau

Die Termine 2019: 29./30. Juni Berlin-Grünau, 20./21. Juli Zarasai/Litauen, 10./11. August Aizkraukle/Lettland, 7./8. September Jedovnice/Tschechien (alles Europameisterschafts-Läufe). Das erste Saisonrennen in Traben-Trarbach fand ohne Bernd Mehnert statt. Im Gespräch ist noch ein Wettkampf in Brandenburg an der Havel. Das Wochenende 27./28. September in Bad Saarow liegt ebenfalls im Bereich des Möglichen.