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Hochsee-Kanurennsport Es war eine supergeile, aber auch stressige Zeit

Von Peter Richter | 11.07.2019, 18:45 Uhr

Der Rostocker Surf-Ski-Kanute Gordan Harbrecht ist mit Vollgas Richtung Weltmeisterschaften in Quiberon unterwegs.

Harte Arbeit für Hochsee-Kanute Gordan Harbrecht auf seinem Weg zu den Weltmeisterschaften in seiner Disziplin Surf Ski vom 12. bis 14. September im französischen Quiberon: Sechs Rennen in neun Wochen plus die dazugehörigen Reisen stecken ihm in den Knochen. Wettkämpfe, in denen er ausnahmslos sehr erfolgreich abschnitt.

Platz drei bei der Eurochallenge Alicante über 22 Kilometer folgte beim Allwave Cup in Talamone bei Rom (21 km) ein mangels Konkurrenz „Pflichtsieg mit fünf bis sechs Minuten Vorsprung“.

Station drei war das Usedom Xtreme Coast Race, eine Art Staffel-Quadrathlon, der aus 20 km Laufen, 16 km Outrigger-Paddeln, gut 30 km auf dem Mountainbike sowie 16,5 km mit dem Surf Ski bestand. Das Besondere an diesem internationalen Event: Wer in welcher Mannschaft an den Start ging, wurde ausgelost. Harbrecht fuhr sein Team vom zehnten und letzten noch auf den vierten Platz nach vorn, war in seinem Split „mit Abstand der Schnellste, habe eine schöne Pace durchgemetert“.

„Meine Verlobte Katharina erwartet im November unser erstes Kind. Es wird ein Mädchen.“ “
Gordan Harbrecht, Surf-Ski-Ass und werdender Papa

Siegreich war der 33-Jährige auch beim Bellevue Ocean Race (26 km) in Klampenborg/Kopenhagen. Doch das Beste kam erst noch – bei den Weltcups der International Canoe Federation ICF auf Mauritius und in Portugal.

Im Inselstaat landete der Mann vom Rostocker Kanu-Club nur eine Sekunde hinter dem oftmaligen Kanu-Marathon- und Surf-Ski-Weltmeister Hank McGregor (Südafrika) und sieben oder acht Sekunden vor dem WM-Titelverteidiger Cory Hill aus Australien auf Rang zwei. Er erzählt: „Eigentlich sollte das Rennen über 23 bis 24 Kilometer gehen. Ich hatte da eine Woche geübt, war den Kurs schon siebenmal abgepaddelt. Doch dann war da so ein hoher Wellengang, dass wir die Passage durchs Riff, um außen rum fahren zu können, gar nicht gefunden hätten. So ging es auf einen geschützten und mit 13,5 km deutlich kürzeren Kurs innerhalb des Riffs.“

Eine Woche später wurde der Vize-Europameister auch in Portugal in der Nähe von Porto über 22 km Zweiter. Dort hieß es erst mal 300 Meter vom Strand zum Boot sprinten. „Das ist ja überhaupt nicht meins“, gesteht der Labor-Ingenieur aus Mecklenburg. „Ich bin aber gut weggekommen und lag an der ersten Boje – wir wurden erst mal 1,5 km rausgeschickt – in Führung. Diesmal waren zwar Hank und Cory nicht da, dafür aber mit dem Australier Tom Norton und dem Südafrikaner Sean Rice zwei andere Legenden unseres Sports. Ich lieferte mir ein Duell auf Sichtweite mit Tom, der kurz vor mir in die Flussmündung zum Ziel einbog und seinen Vorsprung über den noch verbleibenden Kilometer verteidigen konnte. Aber ich lag 40 Sekunden vor Sean. Es war das erste Mal, dass ich mich in einem Rennen vor ihm platzieren konnte“, berichtet Gordan Harbrecht stolz.

„Es war eine supergeile, aber auch stressige Zeit. Diese Woche ist Luftholen angesagt. Ich muss jetzt erst mal ein bisschen runterfahren.“ Zumal es in seinem Leben auch noch andere Prioritäten gibt: „Meine Verlobte Katharina erwartet im November unser erstes Kind. Es wird ein Mädchen“, verrät der werdende Papa.

Weiter geht es für Gordan Harbrecht am Sonnabend, dem 27. Juli, mit dem Ostsee-Cup über 20 km von Kühlungsborn nach Warnemünde oder umgekehrt.

„Ich kann die Jungs da vorn schlagen“

Gordan Harbrecht ist davon überzeugt, bei der Weltmeisterschaft Mitte September in der Bretagne möglicherweise ein ganz großes Ding landen zu können: „Der Favoritenkreis ist groß. Es gibt bestimmt zehn Leute, die die WM gewinnen können, und obwohl die ja vorher nie alle zusammen am Start sind, sieht man dennoch bei jedem Rennen, wie eng das ist. Aber ich bin selbstbewusst gerade aus den letzten zwei Wettkämpfen herausgegangen. Ich war jeweils mit Abstand der beste Europäer. Mich muss man bei der WM auf jeden Fall mit auf dem Schirm haben, ich gehöre in den Kreis mit rein. Mein Anspruch an mich ist gestiegen, denn ich habe gemerkt, ich kann die Jungs da vorn schlagen.“

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