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Ein Artikel der Redaktion NNN

Segeln Alexander Schlonski hat Tokio 2020 im Visier

Von Peter Richter | 11.01.2019, 17:26 Uhr

Der Bundestrainer will in diesem Jahr einen der deutschen Laser-Männer zu den Olympischen Spielen bringen

Auch für Alexander Schlonski ist 2019 als vorolympisches Jahr von besonderer Bedeutung. Als Aktivem (2008 Weltmeisterschafts-Sechster Laser, 2009 WM-Vierter Starboot) war ihm die Teilnahme an Olympischen Spielen nicht vergönnt. Doch 2015 machte sich der Dierkower als Berater im Segelsport selbstständig – und debütierte im Jahr darauf als Coach bei Olympia. Und zwar in Diensten des türkischen Verbandes, die Laser-Seglerin Cagla Dönertas betreuend, die in Rio de Janeiro Rang 15 belegte. Inzwischen hat Schlonski seine zweiten Spiele im Visier, Tokio 2020, diesmal als Bundestrainer der deutschen Laser-Männer, der er seit 1. Januar 2017 auf Honorarbasis ist. Die Chancen stehen sehr gut.

Der 38-Jährige vom See- und Segelsportverein hat zwei Jahre hinter sich, in denen er mit der Entwicklung seiner Schützlinge Philipp Buhl (Alpsee-Immenstadt), Nik Willim (Schleswig) und Theodor Bauer (Röbel) zufrieden sein konnte. „Bedauerlich war, dass sich Nik eine langwierige Knieverletzung zuzog, wodurch für ihn 2017 komplett ins Wasser fiel. Das hat auch das Team geschwächt. Denn Segeln ist ein Vergleichssport. Das heißt, ich kann nicht wie bei einem 10 000-Meter-Läufer sagen, wenn du die und die Geschwindigkeit erreichst, bist du einer von den Guten. Ebenso schade ist, dass Theo Ende 2018 aus dem Leistungs-Segeln ausgestiegen ist, um sich auf sein Sport-Studium zu konzentrieren. Denn sie hatten alle drei die Kadernorm erbracht.“

Trotzdem müssen sich Buhl und Willim jetzt nicht nur noch zu zweit durchschlagen: Schlonski hat gemeinsam mit dem Spanier Anton Garotte, zugleich norwegischer Nationalcoach, eine internationale Trainingsgruppe aufgebaut, der auch je ein Finne, Norweger, Kanadier und Schwede angehören. „Allein sind wir und sind sie nicht stark genug, um mit den Briten und Australiern mithalten zu können“, begründet Schlonski.

Dass das Gemeinsam-an-einem-Strang-Ziehen etwas bringt, untermauerte das Team mit entsprechenden WM-Platzierungen: Philipp Buhl wurde im August 2018 in Aarhus Dritter, der Norweger Hermann Tomasgaard Sechster, der Finne Kaarle Tapper Zwölfter.

Buhl, der zudem im Juni das Weltcup-Finale in Marseille gewann, ist auch Deutschlands aussichtsreichster Kandidat für Tokio. „In den beiden zurückliegenden Saisons zeichnete ihn sehr gute Konstanz auf hohem Niveau aus“, lobt Schlonski. „Uns ist es gelungen, ihn in die Form zu bringen, dass er seine beste Leistung zum Jahreshöhepunkt abrufen konnte.“

Doch auch der Weltranglisten-Zweite aus dem Allgäu muss sich erst in der nationalen Ausscheidung durchsetzen und – allein bester Deutscher zu sein reicht nicht – 2019 erneut im Weltmaßstab im vorderen Bereich (bis Platz acht) einordnen.

Aber Alex Schlonski geht davon aus, dass er es schaffen wird: „Trotz WM-Bronze lief zwar noch nicht alles optimal, da finden wir immer noch kleine Stellschrauben, an denen man drehen kann. Die Olympia-Teilnahme ist aber definitiv das Ziel. Philipp hat das Niveau, dort auch eine Medaille zu holen, und er sollte ruhig auch mal nach dem Weltmeister-Titel schielen.“

Neben den WM Anfang Juli im japanischen Sakaiminato sind die Pre-Olympics Mitte August auf dem olympischen Revier in Enoshima in der Nähe von Tokio der Saisonhöhepunkt – und da darf dann nur noch maximal ein Vertreter pro Nation starten.

Dort wird auch der Bundestrainer – der seine Sportler in den vergangenen Wochen auch viel von zu Hause aus per Laptop koordinierte, fast täglich per Videotelefonie mit ihnen kommunizierte – wieder direkt dabei sein.

Als Nächstes müssen Frau Johanna und die vor wenigen Monaten zur Schule gekommene Tochter Carla aber bereits ab Donnerstag nächster Woche vorläufig auf ihn verzichten. Dann fliegt Alexander Schlonski über Hamburg und Frankfurt am Main zum Trainingslager und anschließenden Weltcup nach Miami.