Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Shorttrack Handgepäck ohne „Macheten“

Von Peter Richter | 07.01.2019, 17:38 Uhr

Dienstag Früh Reise zu den EM: Warum Adrian Lüdtke im Flieger zwar seine Schlittschuhe, aber nicht die Kufen am Mann hat

Wenn Adrian Lüdtke am Dienstag in aller Herrgottsfrühe aufsteht, ist die NNN wohl noch nicht bei allen Lesern im Briefkasten…

Schlagen die ersten von ihnen die Zeitung auf, befindet er sich bereits auf dem Airport Dresden: Um 6 Uhr hebt eine Bombardier CRJ900 der Lufthansa zu Flug LH 2131 ab in Richtung München, von wo es zwei Stunden und 45 Minuten später weitergeht nach Amsterdam.

Und jeweils mit an Bord: Rostocks für den ESV Turbine startender Vorzeige-Shorttracker. Ankunftsort der Reise: Dordrecht in der niederländischen Provinz Südholland, wo von Freitag bis Sonntag auf dem dortigen „Sportboulevard“ die Europameisterschaften im Kurzbahn-Eisschnelllauf über die Bühne gehen.

Seine kostbaren Schlittschuhe (Preis: selbst zu berappende 1600 Euro!) wird Lüdtke im Handgepäck bei sich haben, seine „billigen“ Kufen (360 Euro!) jedoch nicht: Die hat er abgeschraubt und sorgfältig im Koffer verstaut. Denn die beiden jeweils 17,5 Zoll (über 44 Zentimeter!) langen „Macheten ohne Griffe“ wären als potenziell waffentaugliche Gegenstände garantiert nicht unbeanstandet durch die Sicherheitskontrolle gekommen…

„Meine Schlittschuhe sind in Kanada maßgefertigt für genau meine Füße. Das ist viel Einzelarbeit. Und weil es nicht viele Firmen gibt, die so etwas produzieren, sind die wirklich 1600 Euro teuer.“
Adrian Lüdtke, EM-Starter im Shorttrack

Neben dem nunmehr in Dresden wohnhaften Kassebohmer ist für die EM im männlichen Bereich nur noch Christoph Schubert nominiert. Die jungen Damen sind zu fünft vertreten, wobei lediglich Anna Seidel im Einzel-Klassement antritt. Hinzu kommen Bianca Walter, Gina Jacobs, Anna Katharina Gärtner und Lisa Eckstein (alle EV Dresden). Vier aus diesem Quintett werden die weibliche deutsche Staffel bilden. „Auswechslungen“ sind hier möglich.

Sie alle kehrten erst Sonntag Abend aus dem sechstägigen Trainingslager im polnischen Tomaszów Mazowiecki (Wojewodschaft Lodz) zurück. Gestern war für die Nationalmannschaft frei, mit anderen Worten: „Wäsche-Tag“ und gleich wieder packen.

Nach Platz 36 bei seinem EM-Debüt vor einem Jahr in der Dresdner EnergieVerbund Arena will Adrian Lüdtke diesmal „versuchen, unter die ersten 30 zu kommen. Wir haben in Polen gut und relativ hart trainiert. Ich habe zwar einen leichten Schnupfen, fühle mich sonst aber ganz gut. Mal sehen, was rumkommt und wie ich mich da anstelle.“

Das Ziel ist realistisch, wofür auch Rang 34 unter 45 Startern über 1500 Meter beim Weltcup-Auftakt dieser Saison in Calgary spricht.

Dass der 20-Jährige gut drauf ist, unterstrich er mit seinem Gesamtsieg im Dezember 2018 beim Starclass-Wettkampf in Heerenveen, als er auch auf den 500 und 1000 m die Goldmedaille einheimste.

Anna Seidel hat aus deutscher Sicht bei den „European Shorttrack Speedskating Championships“ die besten Chancen. Sie dürfte nach Silber beim zweiten Weltcup 2018/19 in Salt Lake City über 1000 Meter sogar zum erweiterten Favoritenkreis zählen, zumal sie bei den Heim-EM im Januar 2018 in Dresden auf der gleichen Strecke bereits Bronze holte.

Zur Person

Adrian Lüdtke, geboren am 31. Oktober 1998 in Rostock, wurde mehrmals Deutscher Meister, u. a. 2018 in Dresden bei den A-Junioren im Mehrkampf und über 500 Meter (Sieger auch auf allen anderen Teilstrecken inklusive Super Final 1500 m). Dreimal nahm er an Junioren-Weltmeisterschaften teil (2016 in Sofia 40., 2017 in Innsbruck 34., 2018 in Tomaszów Mazowiecki/Polen 17.). Bereits mit 18 debütierte der mittlerweile 20-Jährige im Februar 2017 im Weltcup. Bei den EM 2018 in Dresden, noch als Junior startend, belegte er Rang 36 im 46-köpfigen Klassement.

"Die Nummer eins im deutschen Team"

Das sagt Olympiastützpunkt-MV-Trainer Arian Nachbar: "Ich habe ja inzwischen nicht mehr so viel mit Adrian zu tun, aber da er voriges Jahr bei den Junioren-WM unter die Top 20 kam, würde ich mir für ihn wünschen, dass ihm Ähnliches jetzt auch im Seniorenbereich bei den EM gelingt und er weit nach vorne kommt. Für mich ist er auch die Nummer eins im deutschen Team."