Goldstücke liegen am Wasser

<fettakgl>Doppelt so viel wie erwartet</fettakgl> hat das Haus des Physikers Gustav Hertz auf Hiddensee eingebracht - 700 000 Euro. <foto>ZVS</foto>
Doppelt so viel wie erwartet hat das Haus des Physikers Gustav Hertz auf Hiddensee eingebracht - 700 000 Euro. ZVS

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15. Februar 2010, 06:48 Uhr

Rostock | Der windschiefe, stark sanierungsbedürftige Ferienbungalow mit DDR-Standard-Ausstattung ist Gold wert. Da ist sich Auktionator Kai Rocholl ganz sicher. "Er liegt auf Rügen, direkt an der Ostseeküste. Solche Immobilien werden uns aus der Hand gerissen", sagt der Leiter der Norddeutschen Grundstücksauktionen GmbH in Rostock. Tatsächlich überbieten sich die Interessenten in der Versteigerung. Am Ende gehen Haus und Mini-Grundstück für 182 000 Euro an den neuen Besitzer, angeboten worden waren sie für 27 500 Euro.

"Selbst wenn die Immobilien marode sind und der Investor mit Denkmalschutzauflagen rechnen muss, oder auch wenn das Grundstück eigentlich gar nicht bebaut werden darf, liegt es in Wassernähe, gibt es ein Bieterduell", sagt Rocholl, der als öffentlich bestellter Auktionator seit zehn Jahren Versteigerungen leitet. Allein 2009 hat er auf vier Auktionen insgesamt 350 Objekte versteigert. Die Mindestgebote dafür lagen bei insgesamt 6,5 Millionen Euro, verkauft wurden sie für zehn Millionen Euro.

Zwei Drittel der Angebote kommen von Kommunen, der Rest von Privatleuten. In den meisten Fällen greift zum Beispiel die Stadt Stralsund dann auf den Auktionator zurück, wenn sich für die Immobilie auf eigene Anzeigen hin kein Käufer findet. "In den Versteigerungen sind wir bisher alle Grundstücke losgeworden", sagt Hans-Georg Heinrich, Leiter der Kämmerei und verantwortlich für die Immobiliengeschäfte der Hansestadt. "Nicht selten lag der Verkaufspreis letztlich erheblich über dem, was wir erwartet hatten." Als Beispiel fällt ihm spontan das ehemalige Sommerhaus des Physik-Nobelpreisträgers Gustav Hertz (1887-1975) in Kloster auf der Insel Hiddensee ein. "Es wurde für 350 000 Euro aufgerufen und für 700 000 Euro verkauft."

Die Kommunen nutzen auch deshalb die Dienste des Auktionators, weil sie sich dann weder um ein Gutachten, noch um Inserate oder die Verkaufsmodalitäten kümmern müssen. Das koste Zeit und Geld und sei sehr mühsam, bestätigt Hannelore Hagen, Bauamtsleiterin der Gemeinde Dummerstorf im Landkreis Bad Doberan. "Für ein Gutshaus zum Beispiel gab es zwar immer mal wieder Interessenten, aber da kam nichts bei raus. Jetzt haben wir es versteigert, der Investor wohnt sogar drin und saniert das Haus nach und nach." Deutschlandweit zu inserieren hätte sich die Gemeinde im Leben nicht leisten können, "und wenn es in unseren Zeitungen immer wieder drinsteht, denken sich die Leute ja auch langsam, da ist was faul dran."

Vor den Versteigerungen werden die Kataloge mit Fotos der einzelnen Objekte an rund 75 000 Interessenten in 60 Ländern geschickt, um auch Käufer aus dem Ausland anzusprechen. Zur Auktion selbst sitzen rund 300 bis 400 Kaufwillige im Saal. Dazu sind mehrere Telefonleitungen für Bieter geschaltet, die sich die Anreise sparen oder unerkannt bleiben möchten.

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