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Gehlsbach Es gärt in Gehlsbach

Von Alexander Fischbach | 25.08.2020, 19:00 Uhr

Gemeinde beklagt Entscheidung für neue Windräder, Umzingelung und Wertverlust von Immobilen befürchtet.

Der Unmut über die Entscheidung des Staatlichen Amtes für Umwelt- und Naturschutz (StALU), auf den Gemeindegebieten Gehlsbach und Kreien zwölf Windkraftanlagen zu genehmigen, ist noch nicht verflogen, eher das Gegenteil ist der Fall. „Alleine schon deswegen“, sagt Gehlsbachs Bürgermeisterin Mareen Schmied, „da ein weiteres Gebiet in der Nähe ebenfalls bebaut werden soll.“ Hierbei handelt es sich um einen Antrag, ebenfalls von der UKA, sechs Windturbinen zwischen Vietlübbe und Klein Dammerow erreichten zu wollen. Der Erörterungstermin zu diesem Vorhaben war coronabedingt verschoben worden, einen neuen Termin gebe es noch nicht, so Michael Schmolinski, stellvertretender Bürgermeister von Gehlsbach.

Zwei Windparks in der Nähe von Gehlsbach

Beide Windparks, der bereits genehmigte sowie dieser zweite, würden bei Errichtung das Gemeindegebiet tangieren. „Wir werden hier praktisch umstellt“, so Schmolinski weiter. Weder er noch Schmied, die sich sicher sind, einen Großteil des Einwohnerwillens abzubilden, haben damit gerechnet, dass das StALU den Antrag auf Bau dieser Anlagen ablehnen wird. „Noch im Januar schien es, dass diese Windkraftanlagen nicht genehmigungsfähig seien, wegen naturschutzrechtlicher Bedenken“, merkt Mareen Schmied an, „nun hat sich überraschend eine Wendung vollzogen.“

Windräder sollen tagsüber abgeschaltet werden

Diese ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Antragstellerin, also die UKA, eine Tagabschaltung der Turbinen eingeplant hat. Eine Stunde vor bis eine Stunde nach Sonnenuntergang sollen sich die Rotoren dann nicht mehr drehen. Auf diese Weise sollen Rotmilan und Seeadler, die mehrere Horste in der Nähe des ersten Gebietes zwischen Kreien und Wilsen bewohnen, geschützt werden. Allerdings ist diese Tagabschaltung nur von März bis Oktober geplant. „Dennoch sind viele dieser Vögel auch im Winter hier, sie ziehen nicht mehr weg“, sagt Schmolinski, der auch als Jäger langjährige Erfahrung mit dem Verhalten der vor Ort lebenden Tiere hat. Daher helfe auch eine Tagabschaltung wenig. Auch die Schaffung einer Ablenkungsfläche hält er für wenig sinnvoll,„seit 100 Jahren fliegen die Tiere vom Moor zum See und zurück, genau durch das Windeignungsgebiet“, fährt er fort.

Einbußen an Lebensqualität befürchtet

Die Lebensqualität der Einwohner stehe auf dem Spiel, finden die beiden Gemeindevertreter. Einige der Windräder würden dichter als 1000 Meter an die Wohnbebauung heranreichen. Eine solche Umgebungsbebauung, fürchten sie, würde auch letztendlich den Wert der Häuser und Höfe verringern, „diese Baugenehmigung ist wie eine kalte Enteignung“, ärgert sich Schmolinski. „Wer“, fragt er, „wer möchte dann noch nach Wilsen, Kreien oder Klein Dammerow ziehen?“

Mangelnde Kommunikation mit Windparkbetreibern

Die UKA ihrerseits, so sagt er, sei bisher noch nie auf die Gemeinde zugekommen und habe ihre Projekte erläutert. Von dieser Firma erhielte die Gemeinde Gehlsbach nur Briefe, in denen die UKA wünsche, dass der Gemeinderat ein Leitungsrecht für Stromleitungen erteile. Eine Kommunikation, die zum Einvernehmen mit den betreffenden Orten führen könnte, fände nicht statt. Überhaupt ist das Verhältnis zum Windkrafterbauer UKA gespannt, noch immer befindet sich auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Kreien eine Vogelvergrämungsanlage, die verhindern soll, dass sich im Windeignungsgebiet Vögel ansiedeln. Die Firma hat diese Anlage in unmittelbarer Nähe zu einer vorher von der Gemeinde aufgestellten Nisthilfe für den Fischadler installiert. Ohnmächtig fühlen sich Schmied und Schmolinski allerdings nicht. „Wir werden weiter gegen diese hier vollkommen unangebrachten Windkraftanlagen vorgehen“, sagen sie.