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Kreien / Gehlsbach Von Entscheidung überrannt

Von Alexander Fischbach | 13.08.2020, 19:20 Uhr

Bau von zwölf Windkraftanlagen auf Gemeindegebiet genehmigt

„Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Gemeindevertretungen. Alle Argumente werden weggedrückt“, sagt Bürgermeister Alexander Leetz aus Kreien. Für ihn wie auch für die Nachbargemeinde Gehlsbach und das Amt Eldenburg-Lübz ist die Entscheidung des staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU), die Anlagen zu genehmigen, eine böse Überraschung.

Gemeinden fühlen sich der Mitsprache beraubt

Im Vorfeld der Entscheidung, so sagt der Bürgermeister, habe es ein Gespräch mit dem Umweltamt gegeben. Eine wichtige Stellungnahme lag zu diesem Zeitpunkt aber nicht vor. Deswegen sei vereinbart worden, dass nach Einholung der Position der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Ludwigslust-Parchim ein weiteres Gespräch mit Vertretern des Amtes Eldenburg-Lübz und den betroffenen Gemeindebürgermeistern beim Stalu erfolgen solle. „Dieses Gespräch hat bis heute nicht stattgefunden, stattdessen flattert uns eine Genehmigung ins Haus“, so der Bürgermeister weiter. Man fühle sich in Kreien und Gehlsbach überrannt und der Mitspracherechte beraubt. „99 Prozent der Gemeindemitglieder sind gegen die Windkraftanlagen, was jetzt nicht heißt, dass wir Kernkraft wollen, es gäbe genug richtige Brachflächen und landschaftlich tote Räume“, sagt er. Der Windkraftbetreiber UKA aus Rostock möchte auf einem Gebiet zwischen Kreien und Wilsen auf einer Länge von über dreieinhalb Kilometern in einer Breite von mehr als eintausend Metern 12 Anlagen, von denen jede über 200 Meter hoch ist, errichten.

Naturschutzbelange unrichtig bewertet

Auch der Leiter des Amtes Eldenburg-Lübz, Gerd Holger Golisz, versteht nicht, weshalb das Stalu dieses Bauvorhaben genehmigt hat. In einem Schreiben, das sowohl den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden als auch der SVZ vorliegt, heißt es: „Unsere Position richtet sich klar gegen das Vorhaben. Im Rahmen des förmlichen Verfahrens haben wir unsere Ablehnung deutlich zum Ausdruck gebracht. Um unserer Position auch rechtlich Geltung zu verschaffen, wurde ein objektives Gutachten erstellt." Bei diesem Gutachten ließen nach Meinung des Amtes gerade naturschutzrechtliche Bedenken keine Zweifel darüber aufkommen, dass dieser Ort nicht als Standort zur Energieerzeugung genutzt werden könne. „Nach unserer Auffassung sind diese Naturschutzbelange durch das Stalu unrichtig bewertet worden", sagt Golisz weiter. Abhilfemaßnahmen wie zum Beispiel eine zeitweise Abschaltungen der Anlagen sind nach Auffassung des Amtes Eldenburg-Lübz und Kreiens Bürgermeister Alexander Leetz nicht dazu geeignet, das hohe Tötungsrisiko zu verringern, das den Rotmilanen und Seeadlern durch die Rotoren der Windkraftanlagen droht. Das Amt und die betreffenden Gemeinden werden schnellstmöglich alle im rechtsstaatlichen Verfahren zur Verfügung stehenden Mittel gegen den Bescheid einleiten, heißt es weiter aus der Verwaltung. „Wir werden gemeinsam um den Erhalt unserer Landschaft und der Lebensqualität in den Gemeinden kämpfen“, sagt Alexander Leetz.