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Werder / Karbow Kleine Krabbler machen braune Nadeln

Von Alexander Fischbach | 05.08.2020, 16:20 Uhr

Sitkafichtenlaus schädigt Bäume, hauptsächlich Privatgärten betroffen

Ruth Meyer, die in der Gemeinde Werde lebt, steht ratlos vor einer 15 Meter hohen Stechfichte in ihrem Hausgarten zwischen Scheune und Wohngebäude. „Der Baum geht langsam ein,“ sagt sie, „ und das seit 2018“. Am Anfang dachte sie, es sei nur wegen der Trockenheit, dass die Spitze ein wenig braun sei. In Privatgärten sieht man häufig geschädigte Nadelbäume. Schuld daran sind unter anderem Sitkafichentläuse. Sie ernähren sich wie alle Blattläuse von Pflanzensaft. Auf den Nadeln der Koniferen sitzen sie, und mit ihrem Saugrüssel stechen sie die Zellen an und saugen sie aus. Bei anderen Blattausarten finden sich klebrige Ablagerungen. Hier allerdings nicht. Im Frühjahr werden die ersten Schäden sichtbar, beschädigte Nadeln verfärben sich zunächst gelb, dann braun und schließlich fallen sie ab. Typisch ist, dass zunächst die älteren Zweige befallen werden, der Baum wird also von ihnen nach außen braun. Sie befallen mit Vorliebe serbische Fichten, Sitkafichten und die Blaufichte, die auch Stechfichte genannt wird.

Blaufichten häufig in Hausgärten zu finden

Mit der sogenannten Klopfprobe lässt sich ein Befall mit der Sitkafichtenlaus schnell erkennen: Man nimmt ein weißes Blatt Papier, hält es in der Mitte unter einen älteren Ast im unteren Kronenbereich und schüttelt oder klopft mit einem Besenstiel darauf. Die Läuse fallen herab und heben sich gut vom weißen Untergrund ab.„Gerade zu DDR-Zeiten wurden diese Bäume gerne in Hausgärten gepflanzt, da die Auswahl an Gehölzen nicht so groß war“, sagt der Sachbearbeiter für Holzvermarktung im Forstamt Karbow, Hartmut Lehmann, „im Forst selbst haben wir mit diesem Schädling weniger Probleme, da diese Bäume in unserem Bestand kaum vorkommen.“ Die Sitkafichte sei, so Lehmann weiter, gerne an feuchtere Standorte gepflanzt worden. Daher hat gerade diesem Baum die Trockenheit der letzten Jahre zugesetzt und ihn geschwächt.

Läuse können auch große Bäume zerstören

Das sieht auch der Leiter der Abteilung Pflanzenschutzdienst im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Joachim Vietinghoff so. „Häufig gibt es auch einen zusätzlichen Befall mit dem Borkenkäfer“, sagt er. „Die Schädlinge haben das Potenzial auch große Bäume zu vernichten", fährt er fort. Seiner Ansicht nach ist die Bekämpfung im Hausgarten nur bei kleinen Bäumen möglich. Diese sei besonders im Winter und im zeitigen Frühjahr wichtig, da hier Fressfeinde der Sitkafichtenläuse nicht aktiv sind. Am besten seien nützlingsschonende Präparate auf Rapsöl- oder Kaliseifenbasis geeignet. Bei kleineren Pflanzen kann sich das Problem schon nach zwei Behandlungen in 14-tägigem Abstand behoben haben. „Bei großen Fichten ist das sehr aufwendig, da keine anderen Mittel im Haus-und Kleingartenbereich zugelassen sind“, erläutert Vietinghoff. „Das ist aber keine Behördenschikane, sondern es geht um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Privatanwender.“

Vorbeugen durch gute Standortwahl

Eine der wirksamsten Maßnahmen ist die Verhinderung des Befalls. Dazu sollten die Bäume auf einen lockeren, gleichmäßig feuchten und nicht zu nährstoffarmen Boden gesetzt werden. Sitkafichtenläuse befallen mit Vorliebe Nadelbäume, die durch trockene oder staunasse Böden geschwächt sind. Bei der Neupflanzung kann man auch durch gezielte Auswahl der Bäume den Befall vermeiden. Kiefern sind immun gegen diesen Schädling, Douglasien werden nur sehr selten befallen.

Mehr Informationen:

Zur Sache

Der Pflanzenschutzdienst des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern biten auch für Privatgärten Beratung und Schulung an. Interessierte können sich an Mathias Wuttke bei Frage zu Obst- und Gemüsebau wenden, Tel: 0381/ 4035-470. Bei Fragen zu Zierpflanzen und ökologischem Landbau an Dr. Robert Schmidt, Tel : 0381 / 4035 445. Auch Erwerbsanbau, Baumschulen und Landwirte werden hier beraten.