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Plau am See Sammelanlage für Klärschlamm geht in Betrieb

Von Alexander Fischbach | 22.07.2020, 19:02 Uhr

Moderne Entsorgungsmöglichkeit für Abwasserrückstände in Rekordzeit errichtet

Im Gegensatz zu vergangenen Zeiten ist es heutzutage nicht mehr möglich, Abfälle aus den Kläranlagen in großer Menge auf die Felder zu bringen. Sie wurden hauptsächlich als Phosphatdünger genutzt. Das ist auch heute noch so, allerdings mit abnehmender Tendenz. Durch schärfere Grenzwerte für Düngerrückstände in Boden und Wasser müssen allerdings die Klärwerksbetreiber, also die Kommunen, für eine andere Art der Verwertung sorgen. Dies geschieht im Klärwerk der Stadt Plau nun durch das neu errichtete Zwischenlager für Klärschlamm. Das große Bauwerk mit einer Grundfläche von 520 Quadratmetern kann von der Umgehungsstraße aus eingesehen werden. Mit seinen 26 Metern Länge, 20 Metern in der Breite und 9 Metern Höhe ist es eines der größten Bauprojekte in der Stadt im vergangenen halben Jahr gewesen.

Über 1 Millionen Euro Baukosten

1000 Tonnen Klärschlamm kann die Anlage pro Jahr fassen, erklärt Bürgermeister Norbert Reier. Das Klärwerk selbst verarbeitet im Jahr ungefähr 300.000 Kubikmeter Abwasser. Seit September 2019 Jahr wurde am Lager für Klärschlamm gebaut, dessen Errichtung mit etwa 1,1 Millionen Euro der Stadtkasse zu Buche schlägt. Weitere 125.000 Euro wurden aufgewandt, um eine Photovoltaikanlage zu errichten. Den größten Teil der Arbeiten, sowohl an dem Klärschlammbecken wie auch an der Anlage zur Stromerzeugung, erledigten Firmen aus Plau und Umgebung. Auch der Bau der Photovoltaikanlage vollzog sich gewissermaßen in Rekordzeit, in nur sechs Wochen wurde diese errichtet.Sonnenstrom zum Betrieb des Klärwerkes

„Mit der PV-Anlage können wir etwa 30-40 Prozent des Strombedarfs des Klärwerks decken“, erklärt der Bürgermeister, „und somit sparen wir bis zu 2000 Euro im Monat.“ Im Ganzen belaufen sich die Kosten für den Strom für das Klärwerk auf etwa 7000-8000 Euro. Alle Kompressoren und Gebläse, mit denen Sauerstoff in die Abwässer gepumpt wird, werden elektrisch betrieben.

„Wir investieren, um langfristig zu sparen“
Norbert Reier, Bürgermeister Plau am See

Diese Maschinen sind notwendig, um die bakterielle Klärung des Wassers zu erreichen. Die kleinen Lebewesen benötigen Sauerstoff für ihre Tätigkeit, ansonsten fault das Wasser. Andere Bakterien gewinnen dann die Oberhand, sie ernähren sich von schwefelhaltigen Rückständen. Dabei entstehen Säuren, die Rohren, Pumpen und Betonbecken zusetzen und diese beschädigen.

Rückgewinnung der Phosphate für Dünger

„In der Touristenstadt wie Plau verhält es sich folgendermaßen: Wenn die Sonne am meisten scheint, sind viele Touristen hier. Dann werden auch die meisten Abwässer produziert. Auch dieser Aspekt spricht dafür, die Energie für die Kläranlage zu einem großen Teil durch die Sonne produzieren zu lassen“, findet Norbert Reier. Die gesamte Anlage ist für ihn ein wichtiger Beitrag, um die Stadt zukunftsfähig zu machen und kommunale Ausgaben langfristig zu senken. Genau diese Zukunftsfähigkeit betont auch Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt in Mecklenburg-Vorpommern in seiner Ansprache anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme. Ein kleiner Teil der hier gewonnenen Rückstände kann weiterhin auf die Felder in der Umgebung verbracht werden. Allerdings wird der Löwenanteil des Klärschlamms nach der Trocknung der Verbrennung zugeführt. Hierbei kann das Phosphat, das als Dünger essenziell wichtig ist, zurückgewonnen werden. Weitere, zum Teil giftige Rückstände wie Schwermetalle, die durch die Verbrennung in wesentlich konzentrierter Form als im unbehandelten Klärschlamm vorliegen, werden vor der Verwendung als Düngermaterial aus der verbrannten Substanz entfernt.

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