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Pilotprojekt für die Region Lübzer wollen Leerstand kreativ vermarkten

Von Christiane Großmann | 09.10.2020, 07:00 Uhr

Pilotprojekt "Frei.Raum.MV" in der Turmstadt geht in die nächste Phase: Jetzt soll ein gemeinsamer Datenpool entstehen

Mehr Kulturorte, mehr Nutzungen, weniger Leerstand: Das ist eine Vision, die wohl jeder unterschreiben kann. Lübz möchte jetzt beispielhaft für weitere Kommunen im Bundesland ein kreatives Leerstandsmanagement entwickeln und die Bewältigung dieses Problems durch einen Perspektivwechsel in Angriff nehmen. Die Turmstadt zählt neben der Gemeinde Bad Kleinen sowie der Landeshauptstadt mit dem Kreativquartier Schwerin-Görries zu den drei ausgewählten Pilotstädten für das Projekt „Frei.Raum.MV“ (wir berichteten). Möglich wird dies mit europäischen Fördermitteln.

Ungenutzte Gebäude kosten Geld, ungenutzte Talente auch

Die Idee dahinter: Leerstand wird als Raumwohlstand und damit als Ressource für die demografische sowie ökonomische Entwicklung betrachtet. Für diese Sache brennt Stefanie Raab vom coopolis Planungsbüro für kooperative Stadtentwicklung in Berlin. Das stellte sie mit ihrem authentischen Vortrag auf der offiziellen und gut besuchten Auftaktveranstaltung in Lübz eindrucksvoll unter Beweis. Die Diplomingenieurin für Architektur verfügt über einschlägige Projekterfahrungen, wie man frei nach dem Motto „Ungenutzte Grundstücke und Gebäude kosten Geld – ungenutzte Talente auch“ erfolgreich Kreative, Kommunen, Immobilieneigentümer und Investoren zusammenbringt. In ihrem vom Leerstand geprägten Wohnkiez Neukölln gelang es in einem Zeitraum von sieben Jahren, in vier verschiedenen Quartiersmanagement-Gebieten 150 Ansiedlungen zu verwirklichen. Die meisten Nutzer waren in sozialen Projekten tätig oder kamen aus der Kultur-und Kreativwirtschaft. In jüngerer Vergangenheit begleitete Stefanie Raab ebenfalls ein Projekt in der Region Fichtelgebirge.

40 ganz oder teilweise verwaiste Gebäude in der Kernstadt

Jetzt also Lübz. Allein in der Kernstadt gibt es mindestens 40 ganz oder teilweise verwaiste Gebäude. Stefanie Raab kennt sie nach mehren Streifzügen durch Lübz offenbar alle - vorerst noch von außen - und wird inzwischen auch das leerstehende Bahnhofsgebäude inspiziert haben, auf das ein Besucher der Auftaktveranstaltung hinwies. Jetzt geht es darum, einen gemeinsamen Datenpool zu schaffen. Er soll einen genauen Überblick über das vorhandene Potenzial und über mögliche Nutzer geben. Stefanie Raab ist optimistisch, dass sich ihr bei ihrem nächsten Besuch in der Turmstadt die Türen in leerstehende Gebäude öffnen.

Ende Oktober soll das Raumangebot generiert werden

Denn nur so lässt sich das Raumangebot generieren und mit der Kamera dokumentieren. Das soll Ende Oktober passieren. „Ich hoffe, die Leute lassen sich mitreißen. Wir haben noch einiges an Arbeit vor uns", sagt Stefanie Raab. Eine Verbündete hat sie auch in Ramona Jacobi gefunden. Die Bürgervorsteherin der Stadtvertretung ist seit 40 Jahren Lübzerin und lässt bereits all ihre Kontakte zu alteingesessenen Einwohnern der Turmstadt spielen. Auf diese Weise erhofft sie sich Hinweise, die ihr helfen, einige Eigentümer ausfindig zu machen. Die möchte sie persönlich ansprechen und ihnen von dem Projekt erzählen. "Was kann es besseres geben, als Eigentümer und Nutzungsinteressenten zusammenzubringen. Dafür braucht es eine Schnittstelle. Die haben wir jetzt durch das Projekt bekommen. Das sollten wir alle nutzen", unterstreicht Ramona Jacobi.

Moderierte Leerstandsbegehung am 26. November

Am 26. November könnte es zu einem ersten Aufeinandertreffen von Eigentümern und Nutzungsinteressenten kommen. An diesem Tag findet von 15 bis 18 Uhr eine sogenannte moderierte Leerstandsbegehung statt. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass dieses Projekt für Lübz ein Erfolg wird“, sagt Bürgermeisterin Astrid Becker. Sie sehe darin eine Chance, andere Wege zu gehen. „Diese Region hat es einfach nicht verdient, abgehängt zu werden. Dafür sollten wir alle kämpfen.“

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Hintergrund

Lübz hat wie andere Kommunen auch einen "Raumwohlstand", von dem man in Metropolen nur noch träumen kann. Das Projekt will Ansiedlungsinteressierte insbesondere aus der Kreativwirtschaft, Eigentümer, Projekt- und Raumentwickler zusammenbringen und beraten. Sogar "Zwischennutzungen" sind schon ein positives Signal. Das mit europäischen Mitteln geförderte Projekt wird vom Landesverband für Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt. Der regionale Planungsverband Westmecklenburg ist Kooperationspartner. Ansprechpartnerin für Kommunen und Eigentümer: Stefanie Raab, Coopolis Planungsbüro für Kooperative Stadtentwicklung, Mail: raab@coopolis.deAnsprechpartnerin für Kreativschaffende: Corinna Hesse, Kreative MV, Mail: corinna.hesse@kreative-mv.de