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Lübz Kreative Raumpioniere erobern verwaiste Immobilien

Von Christiane Großmann | 17.11.2020, 15:40 Uhr

Lübz ist Pilotstadt für das Projekt "FreiRaumMV". Am 26. November können leer stehende Immobilien besichtigt werden.

Ein vor längerer Zeit geschmiedeter Plan sah so aus: Für den 26. November wollte sich die Kreativszene in Lübz verabreden, um gemeinsam einen Nachmittag lang den Ort zu erkunden. Im Focus: verwaiste Geschäftsräume, die für Kreative wie gemacht sind, um sie mit neuen Ideen zu beleben. Coronabedingt kann die als „moderierte Leerstandsbegehung“ vorgesehene Veranstaltung zwar nicht in größerer Runde stattfinden.

Statt großer Runde individuelle Besichtigungen

Doch die Idee, vor Ort erstmals Eigentümer und potenzielle Nutzer zusammenzubringen, ist damit keinesfalls gescheitert: „Die Erkundung der attraktiven Freiräume findet stattdessen durch individuelle Besichtigungen unter Einhaltung der Hygienevorschriften statt“, kündigt Corinna Hesse an. Um allen Interessenten eine Chance zu geben, wird die Besichtigung auf den ganzen Tag ausgeweitet. Termine können per Mail unter kontakt@kreative-mv.de vereinbart werden. Um 10 Uhr soll die erste Besichtigung starten.

Lübz empfiehlt sich als Pilotstadt

Corinna Hesse ist die Vorsitzende des Landesverbandes Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern – kurz Kreative genannt. Und Lübz gilt als Pilotstadt für das vom Landesverband durchgeführte Projekt „FreiRaumMV“. In der Turmstadt wird beispielhaft für weitere Kommunen in eher ländlich geprägten Regionen unseres Bundeslandes ein kreatives Leerstandsmanagement entwickelt. Intention: Leerstand wird als Raumwohlstand und damit als Ressource für die demografische und ökonomische Entwicklung betrachtet (unsere Redaktion berichtete).

Bezahlbare Gewerberäume sind in den Metropolen Goldstaub

Lübz könnte davon profitieren, dass immer mehr Kreative aus Metropolen flüchten, weil bezahlbare Gewerberäume dort längst Goldstaub sind. Weitere Pilotkommunen sind die Gemeinde Bad Kleinen sowie die Landeshauptstadt mit dem Kreativquartier Schwerin-Görries. Die gut besuchte Auftaktveranstaltung in der Turmstadt konnte am 1. Oktober noch wie geplant stattfinden. Auf mitreißende Weise verstand es Stefanie Raab vom coopolis Planungsbüro für kooperative Stadtentwicklung in Berlin, die Teilnehmer mit der Idee vertraut zu machen. Am 26. November wird sie den ganzen Tag in Lübz mit vor Ort sein. Corinna Hesse schätzt ein:

„Trotz der Pandemie hat sich das Projekt ganz toll entwickelt. Es gibt bereits Interessenten, die sich mit zukunftsorientierten Geschäftsmodellen in der kreativen Stadt Lübz und Umgebung niederlassen möchten und in engem Austausch mit der ortsansässigen Kreativszene sind.“
Corinna Hesse, Vorsitzende Kreative MV

Auch interessierte Unternehmen, die passende Immobilien suchen, können noch kurzfristig einen persönlichen Termin vereinbaren. Bürgermeisterin Astrid Becker ist jedenfalls "guter Dinge, dass wir dem ein oder anderen Haus wieder Leben einhauchen können. Besonders in der jetzigen Situation ist es wichtig, auch mal andere Wege zu gehen. Es kann sich nur etwas zum Positiven bewegen."So habe es bereits ein Gespräch mit einem möglichen Sanierungsträger gegeben. Dort wurde das Potenzial des Projekts noch einmal besprochen.

Lübzer Beispiel wird auf der Landesbranchenkonferenz thematisiert

Am Donnerstag beschäftigt sich ab 14 Uhr eine Expertenrunde im Rahmen der Landesbranchenkonferenz der Kultur- und Kreativwirtschaft mit dem Lübzer Pilotprojekt. Das zum vierten Mal veranstaltete Jahrestreffen –kurz Kreatopia genannt – für diese aus elf Teilbereichen bestehende Branche wird seit Montag über den Meeting-Tool ZOOM veranstaltet. Corinna Hesse: „Zum Abschluss der diesjährigen Kreatopia treffen wir uns am Donnerstagabend im Open Space im Netzwerk, um Ideen fürs nächste Jahr zu sammeln. Wer Netzwerk-Kontakte knüpfen möchte, kooperativ-kreative Ideen entwickeln möchte, sich im Netzwerk der Kreativen engagieren möchte oder einfach nur mit uns nochmal virtuell anstoßen möchte, ist hier genau richtig!“

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Hintergrund

Die Kultur- und Kreativwirtschaft setzt sich aus elf Teilbranchen zusammen: Das sind: Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für Darstellende Künste, Architekturmarkt, Designwirtschaft, Pressemarkt, Werbemarkt, Software/Games-Industrie.