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Diestelow / Goldberg /Werder Erste Prognosen für die Gerstenernte

Von Alexander Fischbach | 22.07.2020, 14:05 Uhr

Diestelow / Goldberg / Werder. Trotz Regenfällen kein übergroßer Ertrag bei Getreide, große regionale Unterschiede

Sobald der letzte Morgentau getrocknet ist, geht es los. Mähdrescher und Traktoren mit mehr mehrachsigen Anhängern im Verbund fahren auf die Felder. Bis zu 14 Stunden am Tag wird nun geerntet, gedroschen und Stroh gehäckselt. Mit verschiedenen Gebläsen und Sieben wird im Inneren der Maschine das Korn von Stroh, Erde und Spelzen befreit. Ist der Mähdrescher zwischen 15 und 30 Minuten im Einsatz, wird der Korntank entleert. Er fährt neben den Traktorzug, und das gereinigte Erntegut landet in den Anhängern. Dem Betrachter erscheint das wie eine genau eingespielte Choreografie.

Erträge durchschnittlich, aber nicht gut

„Mit der Gerste sind wir schon fertig“, erklärt Carsten Timm , Geschäftsführer der Agrargenossenschaft in Diestelow. Etwa 290 Hektar Wintergerste sind eingefahren worden. Pro einzelnem Hektar schätzt er den diesjährigen Ertrag auf etwa 70 Dezitonnen. Das sind umgerechnet 7000 Kilo. „Damit haben wir eine durchschnittliche Ernte“, sagt er, „und um einiges besser als im letzten Jahr.“ Allerdings gibt es auch hier große regionale Unterschiede, wie auch in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Durch seine Kontakte zu anderen landwirtschaftlichen Betrieben kennt er erste Erntemengen aus anderen Regionen Deutschlands. Hier schwanken die Erträge derzeit zwischen 30 und 110 Dezitonnen pro Hektar. „Die Trockenheit im Frühling und auch die Kälte haben den Pflanzen schon zu schaffen gemacht, im letzten Jahr war der Auflauf der jungen Pflanzen nicht besonders gut“, erläutert Timm. Eine Ursache für Letzteres ist in dem heißen und trockenen Sommer des Jahres 2019 zu sehen. Die Böden waren im vorangegangenen Herbst noch ausgesprochen trocken. Stellenweise sind sie das trotz der Regenfälle in der letzten Zeit in der Tiefe immer noch. So zum Beispiel im Osten des Landes. „Auch wenn jetzt vereinzelt Wasser in den Fahrspuren der Traktoren auf den Feldern steht, spüren wir immer noch die Auswirkungen des letzten heißen und trockenen Jahres“, gibt ein anderer Mitarbeiter der Agrargenossenschaft zu bedenken.

Starke regionale Unterschiede

Solche regionalen Unterschiede können auch schon in kleinen landschaftlichen Bereichen vorkommen. Landwirt Helmut Burmeister aus Goldberg kennt das schon. Seit 1991 führte er einen Betrieb mit rund 100 Hektar Fläche. „Es kommt vor, dass es in Dobbertin mehr regnet als hier.“ Seiner Ansicht nach liegt in der Region eine Art von Wetterscheide, die auch mit den Seen und Wäldern zusammenhänge. „Abgesehen davon ist es auch eine Frage der Bodenbeschaffenheit“, erläutert Burmeister, „wir haben hier Böden, die durch ihren Lehmanteil viel Wasser halten können, aber auch sehr sandige Böden, eine typische Endmoränen-Landschaft eben.“ Auch dies erklärt die stark schwankenden Ertragsmengen bei der Gerstenernte. Um dem abzuhelfen, müsste man die Bodenqualität der sandigen Böden mit Humus verbessern. Dazu wäre zum Beispiel die Ausbringung von Mist und anderem organischen Dünger erforderlich. Durch die Neuregelung der EU-Düngeverordnung und der darin enthaltenen Messwerte ist es allerdings seiner Ansicht nach sehr kompliziert geworden, die Böden in dieser Art und Weise zu verbessern. In den nächsten Wochen werden nun Weizen, Roggen und Raps geerntet werden. Wie bei diesen Feldfrüchten die genauen Ernteergebnisse ausfallen werden, wird sich dann zeigen.