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Herzberg / Klebe Der selbstlernende Mähdrescher

Von Alexander Fischbach | 28.08.2020, 15:00 Uhr

Digitales Leben und Arbeiten im Kreis Ludwigslust-Parchim-heute: Landwirtschaft wird automatisiert

Dort, wo früher viele Hebel und Pedale waren, in den Führerkabinen von Landmaschinen, sieht es heute aufgeräumt aus, Lenkrad in der Mitte, Steuerknüppel rechts und mehrere Bildschirme finden sich hier.

Einsparungen an Saatgut und Dünger möglich

Doch dies sind nur die äußeren sichtbaren Zeichen der in der Landwirtschaft immer weiter fortschreitenden Digitalisierung. Dies sei allerdings kein neuer Trend, findet der Geschäftsführer der Gut Herzberg Kruse KG, Karsten Kruse. Etwa 3500 Hektar bewirtschaftet der Hof, unter anderem in der Nähe von Herzberg, Granzin als auch Hof Hagen. Daneben gibt es Milchvieh- und Schweinehaltung. „Seit etwa 15 Jahren arbeiten wir verstärkt an der Digitalisierung unseres Feldbaus“, erläutert er. „So können wir pro Jahr etwa 10 Prozent Dünger, Saatgut und auch Spritzmittel einsparen.“ Das gelingt alleine dadurch, dass es möglich ist, die Maschinen so fahren zu lassen, dass sich Dungstreifen oder auch Spritzstreifen nicht überlappen. Mit Hilfe von Satelliten- Navigation und einem eigenen Sender auf dem Gelände kann die genaue Position der jeweiligen Fahrzeuge bestimmt werden. „Das GPS bestimmt grob die Position, aber nur auf etwa 20 Zentimeter genau, der eigene Sender ist für die Feinarbeit zuständig.“ So kommt es, dass beispielsweise eine Feldspritze mit einer Spannweite von 36 Metern punktgenau fahren kann und es höchsten zwei Zentimeter am Rand jedes befahrenen Streifens auf den Feldern eine Überlappung gibt. Von Hand, so sagt er, sei diese Steuerung nicht möglich.

Bodenverdichtung kann verhindert werden

„Natürlich braucht man immer noch Maschinenführer“, aber das Aufgabengebiet hat sich gewandelt, Wartungsarbeiten wie Abschmieren und Reinigen seien gleich geblieben, gelenkt werden muss auch, aber heute muss der Maschinenführer die ganzen elektronischen Bedienelemente beherrschen können.Daraus ergibt sich ein weiterer Vorteil: Durch die immer gleichen Fahrspuren der schweren Maschinen wird der umliegende Ackerboden nicht weiter verdichtet, seine Struktur bleibt erhalten, wie bei einem festen Gartenweg, der nicht verlassen wird. Insgesamt 11 Schlepper dieses Betriebes sind mit einem solchen System ausgestattet, Programm und Computer kosten etwa 7500 Euro pro Stück, weitere 18.000 Euro waren nötig um den Sender, der die Feinsteuerung regelt, zu installieren.

Der intelligente Mähdrescher

Bei den Mähdreschern geht die Entwicklung noch weiter, seit etwa sechs Jahren ernten drei selbstlernende Mähdrescher, von den einer etwa 435.000 Euro netto kostet, Raps, Roggen, Weizen oder Mais. „Zunächst umfahren sie das Feldstück, die Position können sie anhand des bereits vorhandenen Systems bestimmen“, erklärt Kruse, „dann werden nicht nur Menge und Wassergehalt des Erntegutes überprüft, sondern alle 3 Sekunden die Leistung, die Fahrgeschwindigkeit und auch die Menge an Bruch, die diese Erntemaschine erzeugen soll. Ein solch hochtechnologisches Gerät ersetzt gleich mehrere alte Maschinen, es ist auch wesentlich größer und verfügt über ein breiteres Mähwerk. „Nichtsdestotrotz ist das ein sehr anstrengender und fordernder Job“, meint der Landwirt. Die Gründe für diese Rationalisierung sind vielfältig, einerseits verbessern technische Innovationen sowohl Ernte als auch Verbrauch von Dünger und Spritzmittel, andererseits ist auch der niedrige Gewinn für die Erzeuger von entscheidender Bedeutung.

Nachfrage nach modernden Traktoren groß

Der Trend zur computergesteuerten Landwirtschaft ist auch bei Händlern spürbar. „Einen Schlepper ohne Navigation verkaufen wir eigentlich nicht mehr“, erklären Frank Sieland und Christopher Bartz von der Harwart OMV Landtechnik GmbH in Klebe bei Plau am See. Die Maschinen, die sie verkaufen, können noch einiges mehr. Sie sind mit einem Modem ausgerüstet, das sich ins Handynetz eingeloggt. Über eine Steuerung können bereits während der Benutzung Fehlermeldungen an die Landtechnik GmbH übermittelt werden, und der Techniker sieht die Bildschirmanzeigen direkt vor sich und kann via Telefon die Störung nötigenfalls beheben. Sensoren an den einzelnen Bauteilen prognostizieren Fehlfunktionen, auch diese können übermittelt werden. Auch Mähdrescher, Traktoren und andere Maschinen können so ausgerüstet werden, dass sie auch untereinander kommunizieren. „Von Maschinenleistung und Mechanik können wir kaum noch etwas verbessern, in Zukunft wird es darum gehen, dass die Maschinen intelligenter werden“, so Sieland weiter.

Fahrer dennoch wichtig

Ganze Erntegespanne können so gesteuert werden. Punktgenau kann der Fahrer des Mähdreschers bestimmen, wo entladen wird. Im Prinzip wird also der Schlepper mit seinen Anhängern vom Mähdrescher aus gesteuert. Natürlich sind in jedem Fahrzeug noch Fahrer an Bord, alleine schon der Sicherheit wegen und um jederzeit eine Steuerung von Hand wieder zu übernehmen.

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Zur Sache

Die Erde wird von einer Vielzahl von GPS-Satelliten umkreist. Sie senden dauerhaft ihre Position und die aktuelle Zeit zur Erde. Damit ein GPS-Gerät, wie im Navigationsgerät des Autos zum Beispiel, seine eigene Position ermitteln kann, muss es Kontakt mit mindestens vier GPS-Satelliten haben. Je mehr Satelliten, umso genauer kann die eigene Position und Geschwindigkeit ermittelt werden. Aus den von Satelliten gesendeten Positionen und der Zeit errechnet das GPS-Gerät seinen eigenen Standort. Das geschieht anhand der Zeit, die das Signal vom Satelliten bis zum Gerät benötigt und der übermittelten Position des Satelliten. Die eigene Geschwindigkeit wird dann aus der Zeit errechnet, die für die Strecke zwischen zwei ermittelten GPS-Koordinaten benötigt wurde.