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Lübz / Plau am See Boom auf dem Wasser

Von Alexander Fischbach | 01.07.2020, 17:25 Uhr

Charterboote stehen für den Urlaub hoch im Kurs

Eine Familie aus Nordrhein-Westfalen übt mit einem Bootsmann der Marina in Lübz das Anlegen. Vorsichtig wird das etwa 10 Meter lange Boot rückwärts an den Anlegesteg gebracht. Jetzt muss es nur noch ordentlich vertäut werden. Gerade vor wenigen Minuten haben Mutter und Tochter einen Knoten gelernt, mit dem sie jetzt das Wasserfahrzeug sicher befestigen. „Eine solche Einweisung gehört immer dazu“, erklärt Dirk Reiher. Er ist Besitzer, Geschäftsführer, und nach eigenen Worten auch Hausmeister und Werftarbeiter in der Lübzer Marina, die sich unweit der Stadtkirche an der Elde befindet. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet er hier. „Die meisten Touristen, die hier kommen, bleiben etwa eine Woche auf dem Schiff“, fährt er fort. So hat es auch die Urlauberfamilie aus der Nähe von Wuppertal geplant. Es sei ihr erster Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Bootstour allerdings wollten sie allerdings schon immer machen. „Wegen Corona ist uns auch ein Urlaub im Inland sicherer", sagen sie.

Charteboote in diesem Jahr gefragt wie lange nicht

So wie dieser Familie geht es vielen Menschen in diesem Jahr. Das macht sich auch bei der Vermietung der kleinen Kabinenschiffe, die mit Küche und gemütlichen Schafkojen ausgestattet sind, bemerkbar. „Wir haben jetzt schon Buchungen und Vorbestellungen für den Sommer 2021 und sogar Anfragen für 2022“, sagt Reiher. 2020 habe sich das Bootsvermietungsgeschäft gut entwickelt, vor Anfragen könne man sich kaum retten. In den vorangegangenen Jahren war das Aufkommen von Anfragen und Reservierungen relativ gleichbleibend. Jetzt gebe es einen regelrechten Boom, findet er. Insgesamt sechs Motorboote hat er in der Vermietung, des Weiteren bietet er noch zahlreiche Liegeplätze für Besitzer von eigenen Wasserfahrzeugen an. Es ist ein wenig nach 16 Uhr, und drei große Kabinenboote suchen einen Liegeplatz in der Marina. „Das kann voll werden“, sagt er und überlegt sich mit einem Mitarbeiter, wo er die Liegeplätze für jedes einzelne einrichtet.

Abstandsregeln auch an Liegeplätzen

Seit Corona gelten auch hier bei ihm gewisse Abstände, damit sich die einzelnen Besatzungen nicht zu nahe kommen. „Es gibt doch einige Gäste, die wir hier haben“, erläutert der Bootsvermieter, „die haben es an den Atemwegen, und auf die sollte man besonders Rücksicht nehmen und aufpassen.“ Alle Kontakte zwischen Hafenpersonal und Urlaubern laufen nur mit Mund-Nasen-Bedeckung ab. Einen großen Teil der Einweisung haben die Mitarbeiter zu einem Video verarbeitet, das sich die Urlauber vor der Benutzung und dem Ablegen ansehen müssen. Knoten und Handhabung werden nicht mit einem Video vermittelt, sondern mit praktischer Übung. Auch hier immer mit im Gesicht, die Maske.

Gute Geschäfte, aber kein Massentourismus

Die Leute selbst scheint das wenig zu stören, zumindest sagen sie, dass sie froh seien, überhaupt Urlaub machen zu können um sich ein wenig zu entspannen. Zum Glück, führt Dirk Reiher aus, gebe es zwar viele Buchungen und hohe Besucherzahlen in der Marina, aber keinen Massenansturm. So bleibe der Erholungsfaktor erhalten. Dabei erinnert er sich an Zeiten, da gab es regelrechte Staus vor den Wasserbauwerken wie der Schleuse Lübz oder auch im Hafen selbst. „Der Trend geht meiner Meinung nach mehr zu Kanalfahrten, als zu den großen Seen, die Leute möchten doch etwas mehr Ruhe und Entspannung“, mutmaßt er.

Doch nach wie vor erfreuen sich auch die großen Seen bei den Touristen großer Beliebtheit. Der Hafenmeister von Plau am See, Benno Schlefske, sieht auch ein gutes Geschäftsjahr vor sich. Es begann zwar durch Corona etwas später, aber auch am Plauer See seien er und seine Kollegen ausgebucht, und Charterboote lange vermietet. „In diesem Jahr wird der Bootscharter einen noch wesentlicheren Anteil am Geschäft der Häfen ausmachen“, glaubt Schlefske.

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