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Comanchen-Ranch "Noch eine Show, dann haben die Pferde Urlaub"

Von Amelie Uding | 31.07.2020, 18:16 Uhr

Bei der Comanchen-Reitershow begeisterten 30 Reiterinnen mehr als 300 Besucher mit Quadrillen, Zirkeln und Trickfiguren

Donnerstagabend. Auf der Comanchen-Ranch in Neu Poserin werden die Parkplätze rar. Vor dem Reitplatz hat sich eine Schlange gebildet. So viele Menschen sind zurzeit eigentlich ein seltener Anblick. Einige von ihnen haben sich einen Cowboy-Hut aufgesetzt. Sie sind gekommen, um die Reitershow zu sehen.

Derweil steigt im Stall die Nervosität der Reiterinnen. Die Pferde und Ponys sind bereits draußen. Das Fell wird gebürstet, die Hufen ausgekratzt und bunte Bänder in die Mähne und den Schweif eingeflochten. "Ich will, dass jedes Pferd schön geputzt wird. Die müssen glänzen!", ruft eine Frauenstimme vom Stalleingang aus. Es ist Karina Vandersee, die Leiterin der Comanchen-Ranch. Vor einem Auftritt gebe es immer viel zu tun, sagt sie. Diese Woche hat sie 18 Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren auf dem Hof. "Bevor die auftreten, kontrolliere ich jedes einzelne Pferd, ob auch jeder Sattel ordentlich sitzt. Ich habe schließlich die Verantwortung für die Kinder", sagt Vandersee. Drei Tage hatten die Kinder Zeit, verschiedenen Formationen zu üben, darunter Quadrillen, Zirkel und Slalom-Lauf. "Und zur Einführung reiten wir mit Flaggen auf den Platz. Und zwar im Galopp", führt Vandersee weiter aus. "Das ist die schnellste Gangart der Pferde. Und dabei eine Flagge in einer Hand halten, ist gar nicht so leicht."

Schon seit 23 Jahren veranstaltet die 44-Jährige in den Sommerferien jeden Donnerstagabend die Reitershows. Eine Zeit lang war nicht klar, ob aufgrund der Corona-bedingten Krise in diesem Jahr überhaupt das Ferienangebot stattfinden darf. "Dort hinten liegen 700 Rollen Heu", sagt Vandersee und deutet auf den gelben Heu-Berg, der sich vor dem Stall auftürmt. Die Rollen überragen den Stall bei Weitem. "Die Ferien sind für das Futter der Pferde. Deshalb hatte ich wirklich Angst, dass dieses Jahr nichts stattfinden kann."

Die deutschlandweiten Trickreitshows wurden allerdings abgesagt. Karina Vandersee ist Teil der einzigen Frauengruppe für Trickreiten in Europa. "Das ist so was ähnliches wie Voltigieren. Wir bewegen uns aber nicht nur im Kreis im gleichen Tempo. Trickreiten ist freier", erklärt sie. Umso glücklicher ist sie darüber, dass zumindest das Feriencamp stattfinden kann. Für die Kinder sei das auch eine schöne Zeit. "Wir sitzen mehr im Satte, als dass wir laufen. Es ist anspruchsvoll, aber die Kinder erleben hier richtig was." Das kann Marie nur bestätigen. Die 15-Jährige aus Zarchlin nimmt Reitstunden auf der Comanchen-Ranch und macht seit mehr als einem Jahr beim Trickreiten mit. "Mir macht das einfach Spaß", sagt sie. "Und bei den Showabenden bin ich gerne dabei. Man hilft hier, wo man kann."

Mehr als 300 Besucher haben sich mittlerweile um den Reitplatz versammelt. Nicht mehr lange, dann haben die Reiterinnen ihren Auftritt. Die Pferde und Ponys sind bereit für die Show, gesattelt und mit farbigem Glitzer bestreut. Nun können die Mädchen und Frauen ihre Kostüme anziehen. Vandersee ist Auftritte zwar gewohnt. Dennoch ist sie jedes Mal aufgeregt. "So verliert man nicht den Respekt. Ich kann mein Pferd noch so gut trainieren, die Situation ist immer neu. Pferde sind nun mal Fluchttiere", sagt sie. Nächste Woche sei aber der letzte Showabend in diesem Jahr. Sie lacht kurz auf und sagt: "Noch eine Show, und dann haben die Pferde Urlaub. Die brauchen auch mal eine Pause."

Kurz vor dem Auftritt machen sich die Reiterinnen auf der Wiese noch warm und üben einige Figuren. In der rechten Hand hält jede von ihnen eine rot-weiße Flagge. Dann traben 30 Pferde langsam hintereinander auf den Reitplatz zu und warten vor dem Gatter. Die Musik fängt an zu spielen, sie galoppieren zügig auf den Platz und hinterlassen dabei eine Staubwolke. Durch sie hindurch sind die wehenden Flaggen Kanadas zu erkennen.

TEASER-FOTO: