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Techentin Alte Waldmoore werden wieder nass

Von Alexander Fischbach | 12.08.2020, 15:00 Uhr

Renaturierungen bei Techentin, Brock und Friedrichsruhe gehen voran

Eine Wiese mitten im Wald bei Techentin, die Luft flimmert von Insekten, Sumpfschwertlilien und Wollgras wachsen hier. Hier und da sieht man einen Frosch ins Gebüsch verschwinden. „Dies ist ein kleiner, sichtbarer Teil eines großen Renaturierungsprojektes“, erklärt Peer Appelfelder vom Forstamt Sandhof. „Auf insgesamt fünf Hektar wird der Boden wieder vernässt. Das haben wir dadurch erreicht, indem wir den Ablauf aus Wassergräben höher gelegt haben.“ So bleibt mehr Feuchtigkeit im Boden. Doch nicht nur hier, auf relativ kleiner Fläche, werde renaturiert, sondern auch bei Mestlin, Friedrichsruhe oder Broock. Die Vorgehensweise ist bei allen Projekten ähnlich: Entwässerungsgräben werden durch Staubauwerke so verbaut, dass nur noch ein geringer Wasserabfluss möglich ist.

Moore wichtig für Klimaschutz

Moore seien exzellente Kohlenstoffspeicher und trügen stark zum Erhalt des Grundwasserkörpers bei, fährt er fort. „Dies gelingt allerdings nur, wenn die Moore ausreichend Wasser erhalten“, sagt Appelfelder, „bei Wasserverlust gelangt Sauerstoff an die organische Torfschicht. Damit setzt der Prozess der Zersetzung ein und Kohlendioxid wird frei, genauso wie Lachgas.“ Somit ist die Erhaltung der Moore ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und auch für den Wald und das Grundwasser. Die Tierwelt hat ebenfalls Vorteile davon, denn viele Insektenarten und Lurche sind an feuchtere Standorte gebunden. Dies wiederum kommt letzten Endes auch Kranich und Storch zugute.

Moorschutzkonzept seit 20 Jahren

Bereits im Jahr 2000 hat das Landwirtschaftsministerium MV ein Moorschutzkonzept in Kraft gesetzt. Auf dieser Grundlage hat die Landesforst in den vergangenen zehn Jahren ungefähr 700 Hektar Waldmoore wieder vernässt. Etwa 14 Prozent der Waldfläche des Landes sind Moore, also gut 74.000 Hektar. Doch davon sind nur noch etwa ein Drittel intakt, der Rest wurde verstärkt in den vergangenen Jahrzehnten trockengelegt. „Einerseits geschah dies, um besser Forstwirtschaft betreiben zu können, andererseits sind diese Entwässerungsmaßnahmen auch im größeren Zusammenhang mit der Urbarmachung für Landwirtschaft und Viehhaltung zu sehen“, erläutert Falk Jagzent, Moorschutzkoordinator beim Landesforst.

Beispiel Torfheide Mestlin

Eines der größten Renaturierungsprojekte ist die Wiedervernässung der Torfheide südlich von Mestlin. „Diese Fläche ist sehr nährstoffarm und sauer“, erläutert Jagzent, „und kommt damit dem, was man sich unter einem Moor vorstellt, am nächsten.“ In einer solchen Landschaft wachsen dann Torfmoose und Seggen. Natürlicherweise ist ein solches Gebiet nicht bewaldet. Hier wurden Gräben zugeschüttet, um das Wasser länger in der Landschaft zu halten. „Aber Überschwemmungen wird es hier nicht geben“, sagt Ingo Nadler, der Leiter des zuständigen Forstamtes Gädebehn. Viele Frösche und auch Wollgräser seien hier zu finden.

Renaturierung ein langsamer Prozess

Andere Gebiete haben einen nicht so sauren Boden. Hier wachsen bevorzugt Erlen und Birken. Erste Erfolge der Wiedervernässung, so Moorschutkoordinator Jagzent, werden nach etwa fünf bis sechs Jahren sichtbar. Jedoch reagiere jedes Moor anders. Soll ein solcher Prozess zügig vonstattengehen, seien ausreichende Regenmengen erforderlich. In etwa meint er damit die Regenmengen von 2017. Aber auch der diesjährige Juniregen konnte seinen Beitrag zur Renaturierung leisten.

Für die nächsten Jahre sind weitere Moorrettungen in der Region um Parchim und im Lübzer Umland geplant. Die Mittel für diese Wiederinstandsetzungen stammen aus der Förderung für den ländlichen Raum der Europäischen Union. Andere sind wiederum als Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte zu verstehen. Mit einem sogenannten Ökokonto kann ein Investor die Kosten für diese Ausgleichsmaßnahmen für sein Bauprojekt im Nachhinein übernehmen.