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Lübz 36 leerstehende Häuser in Lübz: Ein Fluch als Chance

Von Christiane Großmann | 11.09.2020, 15:00 Uhr

Turmstadt beteiligt sich an Pilotprojekt in Westmecklenburg: Freiraum vor Ort gemeinsam erkunden und neu beleben

Während in den Metropolen erschwinglicher Raum zum Leben und Arbeiten so schwer zu finden ist, wie eine Nadel im Heuhaufen, lockt Westmecklenburg mit „Freiräumen“, von denen Großstädter nur noch träumen können. Die Folge: Immer mehr Menschen zieht es in ländlich geprägte Regionen. Von diesem Trend könnte auch Lübz profitieren. Die Stadt zählt zu den ausgewählten Teilnehmern für das Pilotprojekt „Frei.Raum.MV“.

Kreative Nutzungsideen für verwaiste Häuser

Die Idee dahinter: Akteure der Kreativwirtschaft, Kommunen und interessierte Bürger nehmen sich leerstehender Gebäude an, die teilweise schon durchs Nutzungsraster gefallen sind und entwickeln gemeinsam Ideen, wie man sie so beleben kann, dass ein Mehrwert für die Umgebung entsteht. „Zukunftsweisende Geschäftsideen und innovative Unternehmen sind ebenso willkommen wie Vereine, Genossenschaften und gemeinnützige Projekte, die die Gemeinschaft vor Ort stärken“, unterstreicht Corina Hesse vom Landesverband für Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern (Kreative MV). Bei dem gemeinnützigen Verein laufen die Fäden für das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Projektes zusammen.

36 leerstehende Gebäude in Lübz

Kooperationspartner sind der Regionale Planungsverband Westmecklenburg sowie neben der Stadt Lübz die Gemeinde Bad Kleinen und die Landeshauptstadt mit dem Kreativquartier Schwerin-Görries. In Lübz gibt es aktuell 36 leerstehende Gebäude. Es wären mit Sicherheit noch mehr, wenn es nicht solche Leute wie zum Beispiel Julia Theek gäbe. Sie eroberte bereits vor Jahren ein Haus und verwirklichte darin ihre Idee vom Kunstspeicher. Lange Zeit fristete auch das Schützenhaus am Rande der Lübzer Innenstadt ein Schattendasein, bis das heruntergekommene Gebäude neue Eigentümer aus Berlin fand. Sie wollen aus der einstigen Kulturstätte wieder einen gastfreundlichen Ort machen und haben mit Angela Siemon eine Mitstreiterin gefunden, die sich traut, diesen Traum mit zu verwirklichen.

Stadt setzt ein positives Signal

Mit positivem Beispiel geht auch die Stadt Lübz voran: Ein stark sanierungsbedürftiges, lange Zeit verwaistes Wohnhaus aus ihrem Bestand wird umgebaut und erhält eine neue Bestimmung als Zentrum für zirkuläre Kunst. Dieses Vorhaben in exponierter Lage in der Innenstadt kann auch mit einer Zuwendung aus dem Leader-Programm zur Stärkung des ländlichen Raums verwirklicht werden. Der Bescheid wurde vor wenigen Tagen übergeben. Ilka Rohr, Geschäftsstellenleiterin der Lokalen Arbeitsgruppe Warnow-Elde-Land, betont den Netzwerkcharakter: „An diesem Projekt lässt sich deutlich ablesen, wie Leader ein Mosaikstein sein kann für ein übergreifendes Projekt mit einer Ausstrahlkraft in die Metropolregion Hamburg.“

Öffentliche Auftaktveranstaltung am 1. Oktober

Kein Zufall: Am gleichen Tag der Fördermittelübergabe trafen sich etwa 30 Teilnehmer - Unterstützer des Pilotprojektes „Frei.Raum.MV“ sowie Kreativakteure verschiedener Teilbranchen - aus Lübz und Umgebung zu einem Vorbereitungsworkshop für die öffentliche Auftaktveranstaltung "Lübz am Start". Sie findet am 1. Oktober von 19 bis 21 Uhr in der Aula der Grundschule Lübz statt. Am 26. November stehen von 15 bis 18 Uhr bei einer Ortserkundung leere Objekte im Fokus. Im Januar sollen dann konkrete Vereinbarungen für die weitere Zukunft des Projektes getroffen werden.

Mehr Informationen:

Hintergrund

In einer Workshopreihe werden bis Februar 2021 die Raumpotenziale in Lübz erkundet und Ansiedlungsinteressierte, Projekt- und Raumentwickler zusammengebracht sowie bei der Umsetzung ihrer Projekte beraten. Bei Beratungstagen für Kommunen sind Vertreter von Kommunen eingeladen, die Strategien für kooperative Stadtentwicklung kennenzulernen und darauf aufbauend Konzepte für ihre eigenen Standorte und Quartiere zu entwickeln.Ansprechpartnerin für Kommunen und Eigentümer: Stefanie Raab, Coopolis Planungsbüro für Kooperative Stadtentwicklung, Mail: raab@coopolis.deAnsprechpartnerin für Kreativschaffende: Corinna Hesse, Kreative MV, Mail: corinna.hesse@kreative-mv.de