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Lokales

16. Dezember 2017 | 10:23 Uhr

Glückliche Tiere schmecken besser

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2010 | 07:58 Uhr

thulendorf | Die langen Hörner wirken auf den ersten Blick etwas furchteinflößend, aber die Augen unter dem zottigen Pony blicken gutmütig. "Fremden gegenüber sind sie ein bisschen schüchtern", sagt Andreas Kühn. Der Inhalt des gelben Eimers in seiner Hand interessiert die drei schottischen Hochlandrinder aber doch. Der Appetit siegt, genüsslich machen sie sich über Möhrchen und Salat her.

"Sie sehen einfach toll aus", sagt Kühn. Das Fleisch schmecke allerdings auch sehr gut. Der 43-Jährige betreibt eine Sanitär- und Heizungsfirma in Thulendorf sowie eine Pferdepension, hält Western- sowie Freitzeitpferde und züchtet nebenbei auch noch die zotteligen Rinder. "Die fressen weg, was die Pferde fett macht", erzählt Kühn. Zum Beispiel den eiweißreichen Klee. Regelmäßig werden die Koppeln getauscht, die Rinder dürfen zuerst grasen, dann sind die Pferde dran. "Die Rinder dürfen ruhig fett werden", sagt Kühn, der ausschließlich für den "Eigenbedarf" züchtet. Einmal im Jahr ist Schlachttag, aus einem glücklich in Freilandhaltung aufgewachsenen Bullen wird ein leckeres, cholesterinarmes Gulasch oder Steak. Das Fleisch sei besonders dunkel und feinfaserig marmoriert, erklärt Kühn. Der Geschmack sei einzigartig. Allerdings müsse das Fleisch nach dem Schlachten zwei bis drei Wochen in der Kühlzelle abhängen und reifen, damit sich die Aromen richtig entfalten. Erst dann wird zerlegt und eingefroren. Namen tragen Kühns Rinder nicht mehr. "Das habe ich mir abgewöhnt", sagt er. Sonst entstehe eine persönliche Bindung zu dem Tier, die den Griff zum Beil noch schwerer mache. Kühn lehnt am Gatter der Koppel und guckt in Richtung Mutterkuh. Jedes Jahr komme ein Kalb nach und momentan ist auch eines unterwegs, "ich warte jeden Tag darauf". Aber der Freizeit-Landwirt ist ganz entspannt. "Das Kalben geht von ganz alleine", sagt er. Überhaupt seien die Zottelviecher aus dem rauen Norden genügsam und pflegeleicht. "Halb Wild-, halb Haustierrasse eben", sagt er achselzuckend. "Die halten was aus." Kühn hält sie ganzjährig im Freien, auch Minus zehn Grad Celcius machen den robusten Tieren mit dem dicken Fell nichts aus. "Gras, Heu und Wasser - und schon sind die Tiere glücklich."

Seit über zehn Jahren lebt der Neu-Roggentiner in Thulendorf. Er ist hergezogen, um mehr Pferde halten zu können, bald darauf wurde seine Leidenschaft für die schottischen Hochlandrinder geweckt. "Das war auf der Grünen Woche in Berlin", erinnert er sich. Die Sympathie für die Tiere sei gleich da gewesen. Damals hielt er noch mehr Tiere, doch nach und nach verkaufte er sie. Richtig rentabel sei das Züchten im Nebenerwerb nicht, erklärt er. "Die Rinder sind relativ klein, geben auch dementsprechend wenig Fleisch." Außerdem müssten sie mindestens zwei Lenze zählen, am besten drei, bevor sie den Gang zur Schlachtbank antreten. Die Milch der Kühe sei zwar äußerst nahrhaft, reiche aber meist gerade mal für das Kalb. Der Vorteil: "Viel Arbeit machen sie nicht." Einmal im Jahr impfen und Blut abnehmen, das war es an größerem Aufwand. Allerdings hänge "unheimlich viel Bürokram" an den wiederkäuenden Zeitgenossen: Sie müssen beim Zuchtverband angemeldet werden und ab einem gewissen Alter heißt es Fleischbeschau beim Tierarzt und Antreten zum BSE-Test. Jetzt grasen Kühns Rinder aber erst mal glücklich auf der Weide - und haben noch einen schönen Sommer vor sich.

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