Glück gehabt: Schreck an den Gleisen

Eine defekte Bahnschranke am Bahnübergang in Kassow erinnerte gestern Morgen noch an die Beinahe-Katastrophe. Eine Notarzt-Besatzung und 60 Zug-Reisende kamen beim Zusammenprall eines Zuges mit einem Auto mit dem Schrecken davon. Robert Grabowski
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Eine defekte Bahnschranke am Bahnübergang in Kassow erinnerte gestern Morgen noch an die Beinahe-Katastrophe. Eine Notarzt-Besatzung und 60 Zug-Reisende kamen beim Zusammenprall eines Zuges mit einem Auto mit dem Schrecken davon. Robert Grabowski

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12. Februar 2010, 07:02 Uhr

Kassow | Eine defekte Bahnschranke liegt im Schnee, zwei Männer in orange leuchtender Arbeitsbekleidung sichern gestern Morgen den Bahnübergang in Kassow provisorisch ab. Der Schnee entlang der Gleise ist aufgewühlt, vereinzelt liegen Kleinteile herum, rund um das An dreaskreuz ist der Schnee von schwarzem Öl bedeckt. Zwölf Stunden zuvor entgingen 60 Bahnreisende und eine Notarztbesatzung an dieser Stelle nur knapp einer Katastrophe.

Gegen 21.15 Uhr am Donnerstagabend will ein Mediziner im Hausnotrufdienst den Bahnübergang in Kassow Richtung Kambs passieren. Es schneit. Laut Bundespolizei bemerkt der Fahrer des Wagens das Warnblinklicht der Schrankenanlage zu spät, bremst, rutscht und fährt sich auf dem Bahnübergang fest. Die beiden Insassen des Autos steigen rasch aus dem Wagen, der Zug nähert sich. Der Lokführer des Intercitys aus Hamburg mit Ziel Rostock sieht das Hindernis auf den Gleisen bei Dunkelheit und Schneetreiben erst spät. "Der Zug krachte mit Höchstgeschwindigkeit auf das Auto", sagt Erika Krause-Schöne, Sprecherin der Bundespolizei in Rostock. 160 km/h prallen auf den Mittelklasse-Wagen. Er wird etwa 15 Meter weit geschleudert. "Überall verstreut lagen die Einzelteile herum", erzählt ein Feuerwehrmann aus Kassow.

Der mit 60 Reisenden besetzte Intercity aus Hamburg kommt nach einer Notbremsung 500 Meter weiter zum Stehen. Lokführer und Insassen kommen mit einem Schrecken davon. "Wir hatten so viel Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist", sagt Erika Krause-Schöne. Der Sachschaden ist erheblich, geschätzt 100 000 Euro. Am Pkw entsteht Totalschaden, die Lok ist beschädigt, ebenso die Schrankenanlage. Sie wird am nächsten Vormittag repariert. Bis dahin sichern Bahn-Mitarbeiter den Übergang ab.

Rund zwei Stunden, bis 23 Uhr, harren die Reisenden in dem Zug, der nicht weiterfahren kann, aus. Dann trifft ein Bus ein, um die Fahrgäste zum Schwaaner Bahnhof zu bringen. Die Feuerwehr Kassow-Werle wird verständigt. Sie begleitet die Passagiere von den Waggons auf den Gleisen entlang zum Bus. "Wir haben eine Beleuchtung aufgebaut und hatten Decken dabei", erzählt ein Feuerwehrmann. Anschließend helfen die Blauröcke bei der Bergung des völlig zerstörten Notarztwagens. Der Mediziner war auf dem Weg zu einem Hausbesuch. "Ein Kollege hat den Einsatz übernommen", sagt Ingrid Thiemann, Kreisstellen-Leiterin des Kassenärztlichen Notdienstes. Der Hausbesuchsdienst sei mit privaten Pkw unterwegs.

Bis zum frühen Morgen dauern die Bergungsarbeiten. Eine angeforderte Lok zieht den Unglückszug zum nächsten Bahnhof. Die zweigleisige Bahntrasse - eine Hauptstrecke - bleibt für fünf Stunden voll gesperrt. 16 Züge werden umgeleitet. Es kommt zu erheblichen Verspätungen im Bahnverkehr.

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