Glocken der Stiftskirche läuten wieder : Glockenschlag für den Dombaumeister

Axel Ulrich (r.), Vorsitzender des Fördervereins Stiftskirche, freut sich über das restaurierte mechanische Uhrwerk.  Wolfgang Weiss nimmt die Technik genau in Augenschein.
Axel Ulrich (r.), Vorsitzender des Fördervereins Stiftskirche, freut sich über das restaurierte mechanische Uhrwerk. Wolfgang Weiss nimmt die Technik genau in Augenschein.

Der helle Schlag der neuen Glocke der Kirchturmuhr hallte gestern zum ersten Mal über die Bützower Innenstadt. Der Beginn einer neuen Zeitrechnung und zugleich der Abschluss des dritten Bauabschnitts an der Stiftskirche.

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23. November 2010, 08:25 Uhr

Bützow | Es war punkt 10 Uhr, als gestern zum ersten Mal der helle Schlag der neuen Glocke der Kirchturmuhr über die Bützower Innenstadt hallte. Der Beginn einer im wahrsten Sinne des Wortes neuen Zeitrechnung und zugleich der Abschluss des dritten Bauabschnitts an der Stiftskirche zu Bützow. "Ich möchte zunächst niemanden herausheben, weil ich denke, dass jeder gewissenhaft und verantwortlich gearbeitet hat", begrüßte Pastor Karl-Martin Schabow eine Stunde zuvor Bauleute, Planer und Geldgeber zu einer Feierstunde in der Kirche.

Der mittelalterliche Dachstuhl ist nun komplett saniert. In den zurückliegenden Monaten wurde das Dach des Kirchenschiffes neu gedeckt. Nahezu 180.000 Dachsteine haben die Mitarbeiter der Dachdeckerfirma Pahl bewegt, blickt Schabow zurück. Zunächst wurden 90 000 Dachsteine abgenommen - und das sehr behutsam. "Die Steine stammen aus den 70er-Jahren aus Meißen, sind hartgebrannt und in einem guten Zustand", erklärt Architekt Hartmut Böhnke. Für die Neueindeckung waren sie aber nicht geeignet. Man bot sie zum Verkauf an. Nun liegen rund 78 000 der alten Steine auf Gebäuden rund um Bützow. Die Kirche selbst bekam 90.000 neue Dachsteine.

Für Enrico Pahl und seine Mitarbeiter ein "ganz besonderer Auftrag. Es macht uns auch stolz, hier mitarbeiten zu dürfen", sagt der Firmenchef. Er wohnt direkt gegenüber, hatte so jeden Tag einen Blick auf diese Baustelle, die für seine Mitarbeiter auch eine "Herausforderung" darstellte. "Es war hier wirklich alte Handwerkstechnik gefragt." Vor allem der Chorbereich mit seinen Winkeln und Ecken habe es in sich gehabt.

Im neuen Glanz erhebt sich auf dem neu gedeckten Kirchenschiff auch der neue Dachreiter mit der restaurierten Turmuhr und ihren goldenen Zeigern sowie dem goldenen Ziffernblatt.

Rund 465.000 Euro sind in diesem Bauabschnitt verarbeitet worden. Pastor Schabow ist dem Bund, dem Land, der Landeskirche und dem Kirchenkreis dankbar und "vor allem den viele großen und kleinen Spendern aus Nah und Fern". Weiteres Geld wird benötigt, um die Sanierung kontinuierlich fortzusetzen. Das passiert bereits in den nächsten Tagen. "Wir haben weitere Fördermittel bekommen, sodass wir jetzt die Restaurierung von drei Kirchenfenster ausschreiben", sagt Schabow. Auch vier verbliebenen Deckengewölbe sollen in diesem Rahmen saniert werden, ergänzt Architekt Hartmut Böhnke.

Ihn hatte der Pastor in der Feierstunde zum Dombaumeister "ernannt". "Dort, wo früher der Bischof sein Zuhause hatte und eine Kirchen errichten ließ, nannte man diese Kirche Dom. Bützow war vor langer Zeit über viele Jahre hin eine Bischofstadt", erklärte Schabow mit einem Augenzwinkern. Hartmut Böhnke, Zimmermann Stephan Linde, Thomas Austen, Baubeauftragter des Kirchenkreises Güstrow, und Peter Hollien, 2. Vorsitzender des Kirchgemeinderates, überreichte der Pastor den Dom-Orden - keine goldene Kette, sondern ein rotes Herz. "Weil sie mit ganzem Herzen bei der Sache sind."

Und schon geht der Blick voraus. In den kommenden zwei Jahren wird der Turm saniert. Drei der acht Seiten und die Spitze hatten bereits in den 1990er-Jahren neue Holzschindeln erhalten. Nun folgen die anderen fünf Seiten, erklärt Böhnke. Und auch das Turmgebälk. Kostenpunkt: rund 650 000 Euro.

Am Dienstag, 30. November, haben Interessenten die Möglichkeit, ab 19 Uhr hinaufzusteigen, auf das Kirchendach und dort den sanierten Dachstuhl sowie die neue Kirchenuhr in Augenschein zu nehmen.

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