Wismar: Modriger Kutter verschwindet : "Glinka-Wrack" wird in Einzelteile zerlegt

Vier Monate lang sorgte der auf Land gesetzte Schrottkutter für ein ungewöhnliches Bild am Westhafen.hans-joachim zeigert
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Vier Monate lang sorgte der auf Land gesetzte Schrottkutter für ein ungewöhnliches Bild am Westhafen.hans-joachim zeigert

Modriges Holz türmt sich inzwischen dort zu Haufen, wo seit Monaten das Wrack der "Michael Glinka" am Wismarer Westhafen auf dem Trockenen stand. Der Kutter wird nun Stück für Stück abgetragen.

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18. August 2011, 07:11 Uhr

Wismar | Bei feuchtem Wetter ist der modrige Geruch von Holz besonders intensiv. Und es türmt sich inzwischen dort zu Haufen, wo seit Monaten das Wrack der "Michael Glinka" am Wismarer Westhafen auf dem Trockenen stand. Per Greiferzange und Schneidbrenner geht es seit drei Wochen dem schrottreifen 24-Meter-Kutter an die Substanz. Der Rumpf aus den fast sechzigjährigen Eichenplanken ist Stück für Stück abgetragen und übrig ist nur noch sperriges Bruchholz geblieben. "Das geht nach ent sprechender Aufbereitung alles in eine Verbrennungsanlage", so die Information von Sven Giermann, Projektleiter eines Schrottrecycling und Dienstleistungsunternehmens bei Bitterfeld. Seit einiger Zeit ragte nur noch ein stählernes Mittelteil mit Deckshaus und dem darunter liegenden Schiffsdiesel in die Höhe. Um das weitere Abwracken zu ermöglichen, konnte nun schwere Technik eines Abschleppdienstes das letzte etwa noch 50 Tonnen schwere Kuttersegment mühelos zu Boden kippen. Noch gut in Erinnerung sein dürfte die spektakuläre Hebeaktion im Westhafen vom April dieses Jahres. Ein Schwimmkran-Riese aus Hamburg nahm den schrottreifen Havaristen an die Haken. Seit dem stand das "Geisterschiff" mit erheblicher Schieflage an Land. Gesunken war das Fahrzeug genau vier Monate zuvor, am 20. Dezember im vergangenen Jahr. Mit dem endgültigen Zerlegen des betagten Fischereifahrzeuges endet die Ära des letzten Wismarer Kutters dieser Art. Bis zur Wende war er als WIS 100 unter dem zweiten Namen "Michael Glinka" für die damalige Fischereigenossenschaft im Einsatz. Anschließend befand sich das Fahrzeug als Tauch- und Angelschiff im privaten Besitz. Zunächst als "Anna Seghers" 1952 in Dienst gestellt, ging die Besatzung damit nicht nur im Ostseeraum, sondern bis in die Nördliche Nordsee auf Fangreisen. Nur noch wenige erinnern sich an diesen harten und entbehrungsreichen Job auf See. Der Schiffstyp selbst erwies sich als sehr seetüchtig.

Inzwischen sind am Wismarer Westhafen fast alle Spuren des Kutters verschwunden. Wegen der Holzanteile des Rumpfes hält sich das Metallaufkommen allerdings in Grenzen und gleicht keinesfalls die Verschrottungskosten aus. "Ich muss auf jeden Fall draufzahlen", so das nüchterne Fazit des letzten Eigners, Raik Skowronek. Der hätte sich gern eine andere Form des Abschieds von seinem Schiff gewünscht.

Eines Hinweises zufolge existiere damit nur noch ein Fahrzeug aus der Serie der einstigen 24-Meter-Kutter. Als MS "M. J. Kalinin" befindet es sich in Sassnitz noch für touristische Unternehmungen in Fahrt.

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