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Lokales

16. Dezember 2017 | 02:39 Uhr

Gläserne Mieter: Lügen erlaubt

vom

svz.de von
erstellt am 04.Mai.2010 | 08:51 Uhr

Rostock | Mieter werden immer gläserner. Diesen Trend verfolgt Christian Rudolph, Geschäftsführer des Mietervereins Rostock, mit Unbehagen. Zwar habe der Gesetzgeber klare Grenzen in Bezug auf die Datenerfassung erlassen, es gebe aber eine Grauzone, die von den Vermietern ausgenutzt werde. Gerade bei der Neuvergabe von Wohnungen versuchten sie, möglichst umfassende Informationen über ihre potenziellen Bewohner und deren Lebensumstände zu erlangen. Rudolphs Rat: "Bei nicht relevanten Fragen ist es dem Wohnungssuchenden erlaubt zu lügen."

Kämpfen will der Mieterverein auch gegen die von der FDP im Koalitionsvertrag der Bundesregierung geforderte Neuregelung der Kündigungsfrist. Die Befürchtung: Die Mieter werden schlechter gestellt als bisher. Allerdings haben sich die Koalitionspartner CDU und CSU mittlerweile gegen diese Maßnahme ausgesprochen.

Aktueller sind für die Mieter daher Fragen zur Betriebskostenabrechnung. "Die haben im Jahr 2009 knapp 70 Prozent unserer Beratungsgespräche ausgemacht", sagt Rudolph. Unter anderem ging es dabei um Hochhäuser in Groß Klein und Toitenwinkel, die teilweise von Leerstand betroffen sind. "Der Vermieter will natürlich so viele Kosten wie möglich umlegen", sagt er. Dabei sei gesetzlich ganz klar festgelegt, dass er die Kosten des Leerstands tragen muss.

Konjunktur haben aber auch Fragen in Bezug auf Kautionszahlungen. "Die Leute im Land sind sehr mobil und wo viel umgezogen wird, werden viele Kautionen fällig", sagt Rudolph. Die Herausgabe der Sicherungszahlung sei oft strittig. Daher beschäftigt der Mieterverein drei Juristen, die den rund 6000 Mitgliedern bei diesen Themen helfen.

Aus Sicht der Mieter ist Rostock eine der teuersten Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Der Grund dafür liegt in den Modernisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre. "In der Hansestadt gab es dafür vom Land fast nur eine Darlehens- statt Zuschussförderung", sagt Rudolph. Diese Kredite müssen die Vermieter nach der Investition wieder erwirtschaften und legen sie daher auf die Mieten um.

Dennoch zeigt Rudolph sich insgesamt zufrieden mit der Entwicklung des Wohnungsmarkts: Die Mieten sind mit Ausnahme beliebter Viertel wie Warnemünde oder der Kröpeliner Tor Vorstadt stabil geblieben und der Leerstand hält sich bei rund fünf Prozent auf niedrigem Niveau.

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