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Lokales

20. Oktober 2017 | 12:59 Uhr

Gewerkschaft: Polizei ab 2013 in Personalnot

vom

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2010 | 07:26 Uhr

Schwerin | Bei der Polizei drohen ab 2013 massive Personalengpässe. Das Innenministerium denkt bereits darüber nach, mit einer Erhöhung der Einstiegsgehälter zusätzliche Anreize für den Polizeiberuf zu schaffen. Grund: Die Zahl der Beamten, die altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden, wird in den kommenden Jahren rapide ansteigen. Gingen 2005 noch 58 Polizisten in den verdienten Ruhestand, sind es in diesem Jahr bereits 166 Beamte. Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) werden es ab 2014 jährlich mehr als 200 Polizisten sein, die altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden. Die Ursache für diese Entwicklung sieht die Gewerkschaft in der "ungesunden Altersstruktur" der Landespolizei, deren Altersdurchschnitt mit derzeit 47 Jahren deutlich zu hoch sei. Um die Pensionierungswelle eindämmen zu können, müssten nach einem Papier aus dem Innenministerium von 2011 bis 2015 jährlich bis zu 240 Polizisten neu ausgebildet und eingestellt werden. Das wären doppelt so viele Neueinstellungen wie in diesem Jahr.

Das Problem: Dem gestiegenen Bedarf an Neueinstellungen stehen sinkende Bewerberzahlen gegenüber. Denn durch den Geburtenknick in den Nachwendejahren ist die Zahl der Schulabgänger drastisch gesunken. Weit weniger als 1000 Bewerber pro Jahr befürchtet die Gewerkschaft - bislang hatten sich durchschnittlich 2000 Schulabgänger für den Polizeidienst in Mecklenburg-Vorpommern beworben. Inzwischen wird bereits darüber diskutiert, das Auswahlverfahren zu lockern und die Anforderungen in den Prüfungen zu senken. Dagegen spricht sich allerdings Innenminister Lorenz Caffier aus. "Wir wollen die Besten aus den Jahrgängen in der Polizei", sagte er gegenüber unserer Redaktion. Die Prüfungen dauern insgesamt zwei Tage und gehören zu den härtesten im Bundesvergleich. Von den 2133 Bewerbern für den Polizeidienst schafften 2009 nur 220 junge Frauen und 322 junge Männer das Auswahlverfahren. Viele scheiterten bereits am ersten Tag bei der Rechtschreibprüfung, bei der in einem Text von 250 Wörtern maximal 10 Fehler zulässig sind. 351 Bewerber schafften diese Anforderung nicht. Beim Sporttest versagten dagegen lediglich ein Mann und 19 Frauen. Neben dem Diktat und dem Sporttest müssen die Bewerber außerdem einen psychologischen Test, eine polizeiärztliche Untersuchung, ein Vorstellungsgespräch und eine Gruppendiskussion überstehen. Von den 542, die die Auswahlprüfungen bestanden, bekamen 120 einen Ausbildungsplatz als Anwärter.

Gino Leonhard, sicherheitspolitischer Sprecher der FDP im Schweriner Landtag, kritisiert, dass das Innenministerium viel zu spät auf die anstehenden Personalnöte reagiere. Denn das Problem sei seit Jahren bekannt. "Statt immer nur vom demografischen Wandel zu reden, sollte man endlich handeln", sagte Leonhard.

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