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Lokales

18. November 2017 | 03:56 Uhr

Gesundheitsurlaube als Chance für MV

vom

svz.de von
erstellt am 02.Jun.2010 | 09:20 Uhr

Rostock | Auch wenn es bei der Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft heute in Wandemünde nicht darum gehen soll, sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen - Ministerpräsident Erwin Sellering schickte dem hochkarätigen Experten-Treffen gestern eine positive Nachricht voraus: Trotz der Wirtschaftsskrise habe die Branche im vergangenen Jahr in MV rund 3000 neue, sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen, sagte der SPD-Politiker. "Die Gesundheitswirtschaft ist relativ krisensicher".

Relativ - wo es bei der Qualität noch hakt und welche Innovationen der Gesundheitswirtschaft mit ihren Kliniken und Reha-Einrichtungen, dem Bereich Medizintechnik, Wellness-Einrichtungen und Gesundheitshotels noch mehr Auftrieb verschaffen könnten, darüber debattieren heute rund 600 Wissenschaftler, Mediziner und Politiker aus ganz Deutschland und dem Ausland in Rostock. Auch Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) kommt für einen Vortrag über Gesundheitsvorsorge in die Yachthafenresidenz Hohe Düne - er will vor idyllischer Kulisse dafür werben, in Zukunft im deutschen Gesundheitssystem verstärkt auf Prävention zu setzen. Ein Präventionsgesetz zur Stärkung der Gesundheitsvorsorge, wie es seine Vorgängerin Ulla Schmidt (SPD) anstrebte, lehnt der junge Minister allerdings ab.

Ein Knackpunkt beim Thema Prävention dürfte die Frage der Bezahlung sein: Welche Vorsorgeuntersuchungen und Präventionskurse übernehmen die Krankenkassen, welche nicht? Horst Klinkmann, Präsident der Branchenkonferenz, forderte gegenüber unserer Redaktion, dass die Kassen sich künftig auch dann an Kosten beteiligen sollten, wenn Patienten etwa in einem Gesundheitshotel Urlaub machten und dort Angebote nutzten, die der Vorsorge dienten. Dem Gesundheitstourismus, der inzwischen in Mecklenburg-Vorpommern als besonders chancenreicher Themen-Tourismus gilt, könnte das zum Boom verhelfen.

Zugleich betonte Klinkmann aber, dass dafür auch die Qualität der Angebote gewährleistet sein müsse. Bisher redeten viele in Mecklenburg-Vorpommern von Gesundheitstourismus, wenn sie eigentlich Wohlfühltourismus meinten. "Wellnessangebote haben mit Gesundheitstourismus nichts zu tun", sagte Klinkmann. Der Mediziner kritisiert auch den "Wildwuchs" bei Zertifizierungen im Gesundheitstourismus. Auf der Konferenz will sich Klinkmann für ein einheitliches Qualitätssiegel stark machen.

Die Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft ist die sechste ihrer Art. Das Treffen war 1995 auf Initiative der Bundesregierung mit dem Ziel gegründet worden, die Wirtschaft in den einzelnen Ländern gezielt voranzubringen. Jedes Bundesland konnte sich einen Themenschwerpunkt setzen. Klinkmann erinnert sich: "Damals konnte sich unter dem Begriff Gesundheitswirtschaft noch keiner etwas vorstellen." Heute arbeiten rund 90 000 Beschäftigte im Land in der Branche. "Wir sind die einzige Nationale Branchenkonferenz, die es noch gibt."

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