Gespräche zur Erinnerung an 1989

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30. Oktober 2009, 10:54 Uhr

Goldberg Morgen um 19.00 Uhr wird im Pfarrhaus der evangelischen Kirchgemeinde Goldberg ein Gesprächsforum zur Erinnerung an die Friedensgebete von 1989 in Goldberg stattfinden. Beteiligte aus der damaligen Zeit werden anwesend sein und von ihren Erlebnissen berichten.

Laut Gerhard Voß, Pastor i.R., war es 1989 im sozialistischen Lager unruhig geworden. In der UdSSR war seit 1988 M. Gorbatschow Staatspräsident. Nach Polen durften wegen "Solidarnosc" kaum noch DDR-Bürger ausreisen. Ungarn öffnete seine Grenzen und die DDR-Bürger konnten aus der Prager Botschaft in die BRD ausreisen. Im Oktober versammelten sich dann nicht nur in Leipzig und Berlin, sondern auch in vielen anderen Städten Menschen in den Kirchen zu den Friedensgebeten. Vielfach kam es hinterher noch zu friedlichen Demonstrationen.

"In Goldberg hatten wir schon Anfang Oktober geplant, den Reformationstag - er war ja seit 1967 in der DDR kein staatlicher Feiertag mehr - anders zu gestalten", sagt Voß. "So wurde auch eingeladen. Am Abend füllte sich die Kirche. Auch auf den Emporen war kein Platz mehr frei." Der Posaunenchor eröffnete den Abend mit dem Lied "Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unserer Zeit." Es blieb für alle Friedensgebete das Eingangslied. Die Andacht stand unter dem Wort aus dem Jakobusbrief 1,22: "Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein…" Dieser Spruch steht auch auf dem Lutherbild in der Goldberger Kirche. Voß: "Erleichtert war ich, als ein Teilnehmer nach der Andacht den Mut hatte, das Gespräch zu eröffnen. Als wir gegen 22.00 Uhr schließen mussten, verabredeten wir, in Zukunft an jedem Dienstag zu einem Friedensgebet zusammen zu kommen. Immer wurde es mit dem Posaunenchor und einer Andacht eröffnet, das Schlussgebet sprach der katholische Pfarrer Wycislok. Viele Frauen gingen dann hinterher mit Kerzen zum Rathaus und stellten sie dort ab. An vielen Orten hat man später auch die Wende "Talglichtrevolution" genannt."

Am 27. Februar stellten sich vor der ersten freien Wahl die Parteien mit ihren Programmen in der Kirche vor. "Das sollte unser Beitrag zur Demokratie sein, später haben sie andere Möglichkeiten gehabt", so der Pastor.

Vom 18. Dezember 1989 bis zum 23 April 1990 tagte immer am Montag der runde Tisch im Rathaus. Alle verstanden sich als ein Notparlament. "In der zweiten Sitzung am 8. Januar stand die Frage im Raum, was wir von einer Wiedervereinigung Deutschlands hielten. Unterschiedlich waren die Vorstellungen, aber alle sprachen sich schon damals für die Einheit Deutschlands aus", sagt Voß.

Am 2. Oktober, dem Abend vor der Vereinigung, wurde noch im alten Rahmen zu einem Dankgottesdienst eingeladen. Mitternacht läuteten alle Glocken die Einheit Deutschlands ein. Viele Menschen waren auf den Straßen. Am 3. Oktober wurde dann nach einem Empfang im Rathaus eine Gedenktafel zur Einheit Deutschlands enthüllt und auf dem Kirchberg ein Baum gepflanzt.

20 Jahre vergangen. Voß: "Vieles ist anders geworden, als wir es erwartet hatten. Die DDR-Zeiten können und wollen wir nicht zurückhaben. Natürlich hat jede Regierungsform Ecken und Kanten, ohne sie ist es nie gegangen. Ich bin dankbar, noch im geeinten Deutschland leben zu können."

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