Geschichte handgeschmiedet

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Ein nicht alltäglicher Blick durchs Dachgebälk nach außen. Doris Ritzka (3)

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22. Juli 2010, 07:12 Uhr

Quitzow | Seit einem Monat steigen die Handwerker der kleinen Dorfkirche von Quitzow im wahrsten Sinne des Wortes aufs Dach. Denn das des Kirchenschiffes wird von Grund auf saniert und einher damit auch der Traufbereich.

Mit rund 65 000 Euro ist es eines der größten Vorhaben des Kirchenkreises Perleberg-Wittenberge, so Dr. Andreas Draeger, Vorsitzender des Bauausschusses. Die Finanzierung auf sichere Füße zu stellen, kostete schon einiges. "Im Alleingang ist so etwas nicht mehr zu bewerkstelligen", betont der Bauausschussvorsitzende. Doch bei alten Gebäuden ist man nie vor Überraschungen sicher, weiß Peter Wieck. Er fungiert als Bauberater im Kirchenkreis. Trotz umfangreicher Voruntersuchungen wurden letztlich noch mehr Sparen- und Holzbeschädigungen festgestellt.

Mehrkosten sorgten für zusätzlichen Kraftakt

Rund 5000 bis 6000 Euro Mehrkosten heißt das nun. "Zeitweise stand die Frage, müssen wir aufhören", gesteht der Baufachmann. Dank Kirchgemeinde und Kirchenkreis ging es weiter, die Finanzierung wurde gesichert und "wir werden schätzungsweise um den 20. August herum komplett fertig sein", wagt Peter Wieck einen Ausblick.

Die Zimmerleute der Firma Gadow und Rose haben ihr Werk getan und die Maurer der Firma Nickel und Weger aus Legde sind so gut wie fertig. Jetzt ist der Part an dem Dachdeckern von Selldach. Um 1300 erbaut, zählt die Quitzower neben der Rühstädter und der Schilder zu den ältesten Dorfkirchen in der Prignitz. Denkmalschutz hat hier eine besondere Gewichtung. Bereits im Vorfeld der Sanierung habe man sich eingehend mit der unteren Denkmalbehörde abgestimmt und diese begleitet auch das gesamte Baugeschehen. Zudem fallen dem Betrachter kleine weiße Zettel ins Auge.

"Diese Markierungen weisen auf Altbefunde hin", erläutert Peter Wieck. Eine Restauratorin hat im Auftrag des Landkreises insbesondere den Putz in den Fensterleibungen und Stützen, der die Jahrhunderte überdauerte, in Augenschein genommen. Davon erhoffe man sich Aufschluss beispielsweise über die Zusammensetzung des Mörtels. Entdeckt wurden dabei auch Farbfassungen, die einst auf eine umfangreiche Bemalung hinweisen. All das wurde gefestigt und markiert, wie der Fachmann sagt, um es für spätere Recherchen zu sichern.

Nachweislich wurde die Kirche 1542 letztmalig komplett auf Vordermann gebracht. Natürlich wurde auch später ausgebessert, hier und da erneuert, doch all das eben nicht entsprechend dokumentiert, weiß Dr. Draeger. Durch das dendrochronologische Gutachten, bei dem Kernproben aus dem Holz gezogen werden, lässt sich ganz genau bestimmen, wann der Baum, aus dem man die Balken fertigte, einst gefällt wurde. "Damit lasse n sich die Arbeiten in der Kirche genau datieren", so Peter Wieck.

Zeugnisse alter Handwerkskunst gab das Gebälk zuhauf frei. Handgeschmiedete Nägel hielten mindestens seit 1542 die Balken zusammen. "Weggeworfen werden sie nicht, aber eben auch nicht mehr verbaut", fügt Dr. Draeger an. Der Zahn der Zeit, richtiger der Rost, hat sie schon mächtig gezeichnet, "sie würden brechen". 20 Millimeter Stabdübel aus Stahl stellen heute die Verbindung zwischen altem und neuem Sparen her. Dem Auge aber bleiben sie allerdings verborgen, denn sie werden versenkt und die Fläche wird mit Holz ver schlossen.

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